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EMKNI - 13.08.2003   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Verzweifelte Lage für die Roma

«Die Situation in Medjitlija war besser als jene hier!» So drückten es Roma aus, die im Auffanglager in Kumanovo untergebracht wurden (siehe auch EMKNI-Meldung von gestern). Es gibt dort zwar einige Nahrungsmittel, die geschwächten Menschen haben aber darüber hinaus keinerlei medizinische Betreuung, und die Platzverhältnisse sind schlicht katastrophal. Während sich die einen Zutritt zu einem bisher noch nicht genutzten Stockwerk verschafften, reisten andere weiter nach Suto Orizari, wo der grösste Teil der Roma-Gruppe ist. Allerdings sind die Bedingungen dort auch nicht wirklich besser, da das Dorf schon im Normalfall mit etwa 23‘000 Roma vollkommen überfüllt ist. Inzwischen erhielt zwar jede Familie pro Familienglied zwischen 1800 und 2000 Denar (rund 30 Euro), dieses Geld muss aber bis Ende Monat sowohl für Unterkunft als auch für Verpflegung reichen. Und erstere zu finden — für einen Preis von 100 bis 150 Euro — ist bisher nur den wenigsten geglückt, weshalb fast alle weiterhin auf der Strasse leben. Minimale medizinische Hilfe (z.B. Untersuchungen) werden mittlerweile zwar gewährleistet (allerdings nicht von der UNHCR; seit Samstag wurden in Suto Orizari keine Vertreter des Flüchtlingshilfswerkes mehr gesehen), Medikamente erhalten die Roma hingegen keine.
Gespräche der Pfarrer Mihail Cekov und Mirce Tancev von der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) mit den Roma-Führern, dem Roma-Delegierten im Makedonischen Parlament und mit dem Bürgermeister von Suto Orizari ergaben bisher noch keine Lösung. Es ist zwar insbesondere vom Bürgermeister viel guter Wille vorhanden, aber es gibt einfach nicht genügend Wohnraum.
Im Wissen, dass eine einigermassen menschenwürdige Unterkunft für die Vertriebenen erste Priorität hat, schlugen die Roma-Führer vor, dass ihnen ein Grundstück und Baumaterial zur Verfügung gestellt und dass sie dann ihre Unterkünfte selber bauen würden. Immerhin gibt es in der Roma-Gruppe Maurer, Schreiner und einen Architekten. Dafür müssen aber finanzielle Mittel gefunden werden, welche die Möglichkeiten der EMK in Europa übersteigen.
In zweiter Priorität muss die Versorgung mit Medikamenten sichergestellt werden. Die Vertreter der EMK in Makedonien prüfen, welche Möglichkeiten dafür zur Verfügung stehen und in welcher Form ihre eigene Hilfe aussehen könnte.
In dritter Priorität müssen Lebensmittel organisiert werden. Einer der Roma-Führer bat Pfarrer Mihail Cekov gestern Abend um Essen; die Menschen hätten alle Hunger. Am sinnvollsten wären wohl Lebensmittelpakete, welche an die Roma-Familien verteilt werden können. Auch in dieser Hinsicht prüfen die Vertreter der EMK, was machbar ist.
Die Roma sind verzweifelt und wissen weder ein noch aus. Einer von ihnen, ein 50-jähriger Mann, wird nicht mehr erfahren, ob es einen Ausweg aus dieser so notvollen Situation geben wird. Er starb gestern auf dem Weg ins Krankenhaus in Kumanovo.


Quelle: Urs Schweizer, Bischofssekretariat

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