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EMKNI - 19.08.2003   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Zukunftsfähige Lösung muss für Roma-Familien gefunden werden

Am letzten Freitag erhielten die von Medjitlija nach Suto Orizari verlegten Roma-Familien unter Aufsicht der Vertreter der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), Pfarrer Mihail Cekov und Mitko Konev, je ein grosses Lebensmittel-/Hygienepaket im Wert von ca. 30 Euro (siehe auch EMKNI-Meldung vom 15.08.2003). Ihre Führer hatten zuvor eine Liste der Anwesenden erstellt und von jeder Familie eine Person aufgeboten, am Ort der Übergabe ihr Hilfspaket entgegen zu nehmen. Diese Massnahme trug entscheidend dazu bei, dass die Verteilung sehr gut organisiert und geordnet vorgenommen werden konnte. Die Freude über die Pakete war gross, war damit doch die Aussicht verbunden, zum ersten Mal seit langer Zeit auf den provisorischen Herden im Freien wieder einmal ein richtiges Essen kochen zu können.

Am Samstag, dem 16. August 2003, traf ein Vertreter der Diakonie Deutschland in Makedonien ein, um sich selber ein Bild der Situation in Kumanovo und Suto Orizari zu machen. Auf seine Bitte hin kam es am gleichen Tag noch zu einem Gespräch mit Pfarrer Mihail Cekov, der ihm ausführlich die Entwicklung der Lage von Anfang an erklärte. Das Gespräch endete in einer Zusage des Diakonie-Vertreters, schnelle Hilfe zu leisten. Diese soll über das Sekretariat des Bischofs der EMK in Mittel- und Südeuropa abgewickelt werden.

Am Sonntagnachmittag besuchte Pfarrer Mihail Cekov erneut Suto Orizari. Dabei stellte er fest, dass inzwischen zwar die meisten Roma-Familien eine Unterkunft gefunden haben, dass es sich dabei aber oft nur um Schuppen handelt, die lediglich ein Dach über dem Kopf darstellen, nicht aber würdige Lebensbedingungen bieten. Es gibt auch Fälle, in denen sich zehn Personen, d.h. zwei Familien, ein einziges Zimmer teilen müssen. Jene Familien, die ein qualitativ besseres Zimmer finden konnten, sind zudem oft mit der Aussicht konfrontiert, dieses in zwei Monaten wieder verlassen zu müssen, wenn die Kinder der Vermieter von ihren Einsätzen als Saisonarbeiter/Erntehelfer zu ihren Eltern zurückkehren werden.

Schliesslich gibt es aber immer noch Roma-Familien, welche keine Unterkunft haben; insbesondere jene, die in diesen Tagen aufgrund der miserablen Lebensbedingungen im Übergangslager in Kumanovo - einer Lagerhalle - nach Suto Orizari kommen.

Aus all diesen Gründen und angesichts des zu Ende gehenden Sommers muss der mittel- bis langfristigen Unterbringung der Roma-Familien nach wie vor erste Priorität eingeräumt werden. Weil die Roma-Familien nun Geld für die Bezahlung der Mietkosten aufbringen müssen, sind sie in vielen Fällen nicht mehr in der Lage, sich ausreichend ernähren zu können. Auch die Lebensmittelhilfe bleibt deshalb auf der Agenda genauso wie die nach wie vor praktisch inexistente medizinische Versorgung. Zur Überbrückung letzterer Lücke sind Mitglieder der EMK in Makedonien mit dem Medizinischen Zentrum in Skopje im Gespräch.

Dass bei Hilfsmassnahmen zugunsten der Roma-Familien - wo und in welcher Form auch immer - darauf geachtet werden muss, die übrige notleidende Bevölkerung nicht aus den Augen zu verlieren, wie Hannelore Hensler, die Leiterin der Diakonie Katastrophenhilfe kürzlich betonte, ist eine Realität. Nur der soziale Ausgleich kann zu einem Klima beitragen, auf dem friedliches Miteinander wachsen kann. Gerade dies zeigt aber auch die Gratwanderung zwischen glaubwürdig gelebter christlicher Nächstenliebe und Überforderung, welche ganz besonders die EMK in Makedonien gegenwärtig absolviert. Sie wird sich weiterhin für diese leidgeprüften Menschen einsetzen, soweit die zeitlichen und kräftemässigen Möglichkeiten dazu vorhanden sind. Sie ist aber nicht in der Lage, den sozialen Ausgleich als Grundlage für eine künftige sichere Existenz der Roma-Familien zu schaffen. Weder in Makedonien noch im Kosovo. Für eine dauerhafte und zukunftsfähige Lösung dieses nach wie vor bedrängenden Problems müssen deshalb auch andere Organisationen oder Staaten mit anpacken. Darauf hoffen wir.


Quelle: Urs Schweizer, Bischofssekretariat

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