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EMKNI - 18.12.2003   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Das Leiden der Roma ist eine traurige Realität

Es ist Winter geworden in Makedonien, und die Hitze des Sommers gehört schon lange der Vergangenheit an. Doch jene Menschen, die vor einigen Monaten in Medjitlija — an der Grenze zu Griechenland — auf eine bessere Zukunft hofften (siehe auch EMKNI-Meldung vom 23.07.2003), sind noch immer mit grossen Problemen konfrontiert. Ihr Leiden ist auch heute noch eine traurige Realität.

Es wurden — insbesondere dank tatkräftiger Hilfe aus Deutschland — zwar wieder Hilfsaktionen durchgeführt. So wurde zum Beispiel 150 Roma-Familien in Suto Orizari am 7. November 2003 erneut ein grosses Paket mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln verteilt. Und vor einigen Tagen erhielten potenzielle Schulkinder Kleidung, Schuhe und Schulmaterial. Auf einer von Mitarbeitenden der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) und dem Romakomitee von Suto Orizari erstellten Liste sind bisher 149 Namen von Kindern und Jugendlichen verzeichnet, denen geholfen wurde. Diese Aktion soll die Kinder zum Schulbesuch motivieren und ihnen dadurch eine Lebensperspektive ermöglichen — ein Ziel, das ersten Erfahrungen zufolge nicht einfach nur Illusion ist: Kinder, die teilweise auch mit 13 Jahren noch Analphabeten sind und vor allem deshalb nicht zur Schule gehen, weil sie weder die nötige Kleidung noch Schuhe noch das Schulmaterial besitzen, haben als Reaktion auf die Hilfsaktion ein deutlich grösseres Interesse am Schulbesuch gezeigt.

Trotzdem: Ungefähr 1‘500 Roma haben bisher einen Asylantrag unterzeichnet, wie es ein neues Gesetz in Makedonien von ihnen fordert. Das UNHCR wird nun nur noch bis Ende Dezember 2003 mit einem minimalen Unterhaltsgeld für die grundlegendsten Bedürfnisse aufkommen. Anschliessend werden die Roma sich selbst überlassen sein. Durch das Projekt mit den Schulkindern sind die Mitarbeitenden der EMK in einen engeren Kontakt mit den Kindern gekommen. Dabei haben sie die bittere Feststellung machen müssen, dass die meisten der Kinder sehr klein sind für ihr Alter. 12-/13-Jährige sehen oft aus wie 7-jährige Kinder. Ihre psychische und physische Entwicklung ist beunruhigend verlangsamt. Ursachen dafür gibt es mehrere; zu ihnen gehören eine ungenügende Ernährung und der Stress, dem vor allem Kinder, die den Sommer hindurch an der Grenze in Medjitlija lebten, ausgesetzt waren. Viele dieser Kinder — aber auch Erwachsene — klagen über Kopfschmerzen, und in jüngster Zeit treten auch vermehrt Asthma und Atemprobleme auf. Die medizinische Versorgung allerdings ist bescheiden bis inexistent. Die Menschen fühlen sich allein gelassen. Ein Vater erzählte EMK-Pfarrer Mihail Cekov, dass er mit seiner schwer kranken Tochter beim Arzt gewesen sei. Dieser hätte das Kind zwar untersucht, anschliessend aber kein Medikament verschrieben. Auf die Frage des Vaters, weshalb dies so sei, hätte der Arzt nur geantwortet: «Du bist ein Flüchtling, und wenn ich dir auch ein Rezept ausstelle, so nützt dir dies sowieso nichts. Du kannst das Medikament ja eh nicht bezahlen.» Und vor einigen Tagen fragte ein Vertreter der Internationalen Gemeinschaft einen der Romaführer, weshalb sie eigentlich in Makedonien seien und wer sie aus dem Kosovo vertrieben hätte...

Die Roma hoffen noch immer auf eine bessere Zeit. Bis dahin werden nicht wenige von ihnen erst einmal frieren müssen. Die Kälte der Welt, in der sie leben, ist auch in ihren Zimmern spürbar, weil sie keine Heizmöglichkeiten — oder kein Geld dafür — haben. Die Mitarbeitenden der EMK in Makedonien werden weiterhin für diese Menschen tun, was in ihrer Macht steht.


Quelle: Urs Schweizer, Bischofssekretariat

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