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EMKNI - 22.12.2003   Zurück zur Übersicht

Welt: Mythen über John Wesley auf der Spur

John Wesley, der Begründer des Methodismus, ist eine bekannte Persönlichkeit. Es überrascht darum nicht, dass eine Anzahl von Mythen über ihn im Umlauf sind. Der Brite John Vickers, ein methodistischer Historiker, hat festgestellt, dass einige falsche Vorstellungen bis zu Wesley selbst zurückverfolgt werden können.

So ist zum Beispiel oft angegeben worden, dass Wesley auf den Namen "John Benjamin", in Erinnerung an zwei seiner Brüder, die bald nach der Geburt gestorben sind, getauft worden sei. Wesley selbst habe dies anscheinend einem seiner Prediger gesagt, dass sein Vater Samuel Wesley ihm dies erzählt habe.

In der neusten Ausgabe des britischen „Methodist Recorder“ schreibt Vickers, dass sich Nehemiah Curnock, ein früherer Herausgeber des Blattes im frühen 20. Jahrhundert und bekannter Gelehrter zu John Wesley, durch eine Bescheinigung bestätigt sah, die Samuel Wesley dem Bischof von Oxford zur Zeit von Johns Ordinationen in den Jahren 1725 und 1728 gegeben hatte. „Tatsache ist, dass es Samuel Wesley falsch gemacht und so wiederum andere irregeführt hat,“ schreibt Vickers. „Wir haben genauere und zuverlässigere Beweise der Fakten, die sogar besser sind als das Gedächtnis von Samuel Wesley.“ Die Epworth Kirchenbücher wurden bei einem Feuer im Jahr 1709 zerstört, aber vor einigen Jahren konnte der Amerikaner Frank Baker, ein methodistischer Historiker, nachweisen, dass die Protokolle des Bischofs in Lincoln zeigten, dass Wesley nur den Namen John erhielt - und nur dieser an seiner Taufe. „Curnock war ein führender Gelehrter und Herausgeber zu seiner Zeit, aber keiner von uns ist davor gefeit, falsch durch frische Beweise zu liegen,“ so Vickers.

An einen zweiten Mythos erinnert eine Plakette auf der Kanzel der Pfarrkirche von South Leigh nahe Oxford. So soll Wesley - gemäss seinen eigenen Worten - dort seine erste Predigt gehalten haben. Diese "Tatsache" wurde, ausgehend von Wesleys Schriften, häufig wiederholt und schien unwiderlegbar. Aber gemäss Vickers war es ein weiterer methodistischer Historiker aus den Vereinigten Staaten, der aufgrund der „Entschlüsselung“ der Tagebücher John Wesleys eine andere Geschichte aufzeigt.

Pfarrer Richard Heitzenrater leitete den Gottesdienst am ersten Sonntag nach der Ordination Wesleys zum Diakon. Wesley predigte nicht, las aber eine Woche danach die Gebete und hielt eine Predigt (zu Joh 3:17) an zwei Orten: in Fleet Marston und in Upper Winchendon. Das sind zwei Dörfer westlich von Aylesbury und in der Nähe von Oxford. „Wie verhält sich dies zu Wesleys Erklärung mehr als 40 Jahre später?“ fragt Vickers und schreibt: „Sie war absolut wahr, enthielt aber eine irreführende Mehrdeutigkeit. Seine „erste Predigt“ wurde in South Leigh gehalten, aber erst am 12. Februar 1727, fast fünf Monate später, wobei er in der Zwischenzeit schon an verschiedenen Orten acht Mal gepredigt hatte.“

Ein Mythos, so Vickers, entstand im Jahr 1926, als amerikanische Methodisten grosszügig die Wiederherstellung von Räumen im Lincoln College in Oxord finanzierten, die John Wesley bewohnt haben soll und die den Besuchern noch heute gezeigt werden. Neuere Forschungsergebnisse zeigen aber, so Vickers, dass Wesley an der Westseite der Kapelle gewohnt haben soll. „In diesem Fall ist der Fehler im 19. Jahrhundert durch den Politiker und Schriftsteller John Morley entstanden, der behauptet hatte, er hätte als Student in den selben Räumen gewohnt wie John Wesley.“ Dies stimmte nicht.

Ein weiterer Mythos hat seinen Ursprung im Jahr 1784, als John Wesley Thomas Coke und zwei Reiseprediger beauftragte, den Methodismus in Amerika nach dem Unabhängigkeitskrieg zu reorganisieren. "Um den 200. Jahrestag dieses bedeutsamen Ereignisses festzuhalten, wurde ein Bild mit dem Titel 'Bieten Sie ihnen Christus an' gemalt,“ schreibt Vickers. Darauf wird gezeigt, wie Wesley sich von den dreien verabschiedet, die sich in Pill, in der Nähe von Bristol, einschiffen. Der Künstler behauptete, um die detaillierte Authentizität sicherzustellen, habe er einige führende britische Methodisten dazu konsultiert. „Das entstandene Bild ist empfehlenswert, aber es hat einen entscheidenden Fehler: Wir können davon ausgehen, lediglich aufgrund des Lesens von John Wesleys Schriften, dass dieses Ereignis nie stattgefunden hat. Die Prioritäten Wesleys lagen anders, als es der Künstler vermutete, und er war zu jener Zeit unterwegs zum Predigen.“

Doch keiner dieser Mythen beeinträchtigt die Tatsache, dass John Wesley die treibende Kraft hinter der methodistischen Bewegung wurde und dass er vor 300 Jahren geboren wurde, was man in diesem Jahr eindrücklich feierte. In der Tat gehört es dazu, dass um jede grosse historische Persönlichkeit eine Aura entwickelt wird, in der sich Tatsachen und Fiktionen manchmal miteinander vermischen.


Quelle: United Methodist News Service / EMKNI

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