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EMKNI - 30.12.2003   Zurück zur Übersicht

Eurasien: Jahresbericht von Gerlinde und Rüdiger Minor über die Arbeit der EMK

Dr. Rüdiger Minor ist Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) der Region Eurasien (Russland und weiterer Ostländer) und momentan Präsident des Bischofsrats der weltweiten EMK. Wir veröffentlichen untenstehend einen Bericht von Gerlinde und Rüdiger Minor, der Einblick in die Arbeit der EMK in der Region Euraisen im Jahr 2003 gibt sowie auch schon einen Ausblick auf das Jahr 2004 enthält:

Verehrte Freunde, liebe Schwestern und Brüder!

Herzliche Grüsse und Segenswünsche von den Methodisten aus Russland, der Ukraine, Kasachstan, Moldawien, Weissrussland und Kirgistan!

Im Rückblick auf das Jahr 2003 können wir vom Abschluss und der Fertigstellung einiger Projekte und Programme berichten, die wir in früheren Jahresberichten vorgestellt haben. Wie im letzten Jahr erwähnt, hat der Euro-Asiatische Bischofssprengel eine neue Struktur mit vier Jährlichen Konferenzen erhalten (drei von ihnen sind Provisorische Konferenzen). Im Laufe des Jahres sind neue Distrikte eingerichtet worden, so dass es jetzt in jeder Konferenz drei Distrikte gibt. Sieben der zwölf Superintendenten sind Frauen. Ihr Dienst, wie auch der Dienst der Pastorinnen in den Ortsgemeinden, wird gern angenommen. Es ist ein „Markenzeichen“ des russischen Methodismus, dass das geistliche Amt auch von Frauen wahrgenommen wird. Unsere Schwestern im Amt berichten, dass sie vor Ort auch von Baptisten und Pfingstlern mehr und mehr als Kolleginnen anerkannt werden.

Jede neue Konferenz entwickelt sich entsprechend ihrem eigenen Charakter, Stimmung und geistlichem Leben. Aufs ganze gesehen sind Beziehungen enger geworden. Die Atmosphäre der Konferenzen ist wärmer. Weil die Konferenzen jetzt kleiner sind, konnten wir drei von ihnen an unseren eigenen Plätzen halten. Die Konferenzen in Moskau und Jekaterinenburg fanden in methodistischen Kirchen statt, die Südkonferenz in unserem Freizeitzentrum bei Woronesh. Alle Konferenzen haben John Wesleys 300. Geburtstag unter dem Thema: „Russlands Methodisten – Erben John Wesleys“ gefeiert. Pastorin Elena Stepanova zeigte als Referentin interessante Parallelen zwischen den geistlichen Werten und Zielen der russischen Tradition und Wesleys. Wir haben vier Pastorinnen und einen Pastor zu „Ältesten“ ordiniert, zwei Frauen und fünf Männer wurden in den Dienst und die Probemitgliedschaft der Konferenzen aufgenommen.
An den Konferenzen wurde über neue Bewegungen und Aktivitäten in den Regionen berichtet. Das gilt besonders für die nichtrussischen Länder. Die Südkonferenz nahm mit Freuden die landesweite Registrierung der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Ukraine zur Kenntnis und hiess die Gemeinden in Transkarpatien (Bezirk Uschgorod) als Teil des ukrainischen Distrikts willkommen. Zwölf Jahre hatten sie unter der Obhut der ungarischen Konferenz gestanden. An der Ostkonferenz nahm eine Gruppe aus Kasachstan teil, die meisten von ihnen „echte“ Kasachen. Sie gaben Zeugnis von einer neuen missionarischen Bewegung im zweitgrössten Land der ehemaligen Sowjetunion, die bereits zur Bildung von zwei neuen Kirchen und zwei Bibelgruppen geführt hat. Eine Bibelgruppe entstand in Bischkek, der Hauptstadt von Kirgistan. In diesem Herbst konnten wir ein erstes Bethaus für eine kasachische Gemeinde einweihen.
Zu den Jährlichen Konferenzen ist auch das neue russische Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche eingeführt worden. Es bietet eine gute Mischung von traditionellen Liedern der Erweckungsbewegung, dem methodistischem Erbe (allein 21 Wesleylieder) und neuem Schaffen (13 Autoren sind Pastoren oder Mitglieder der russländischen EMK). Ökumenische Lieder sind ebenso vertreten wie russische geistliche Musik (von 232 Autoren sind 49 Russen oder Ukrainer). Das Gesangbuch und ein noch in Arbeit befindliches Buch für den Gottesdienst werden der gemeinsamen methodistischen Identität in der russisch-sprachigen Welt gute Dienste leisten.

Es gibt in Russland ein weit verbreitetes Vorurteil gegen „Sekten“, die kein eigenes Kirchengebäude haben. Deshalb haben Fragen des Grundeigentums eine grosse Bedeutung. Die Gemeinde Samara konnte ein schönes Gebäude einweihen, das viele Möglichkeiten bietet. Wir danken herzlich den Geschwistern aus Deutschland (Stuttgart und Umgebung) und einer Partnerkonferenz in den USA. Ein wichtiges Ereignis für den ganzen Sprengel ist der Erwerb eines kirchlichen Freizeit- und Tagungszentrums in der Nähe von Woronesh. Die Aktion „Kinder helfen Kindern“ der deutschen methodistischen Sonntagsschulen hat das möglich gemacht. Das frühere Betriebsferienheim eines grossen Werkes in Woronesh wird Raum für Kinder- und Jugendfreizeiten aber auch für Seminare und Konferenzen der Kirche und ihrer Werke bieten. Wie bereits berichtet hat dort schon eine Jährliche Konferenz stattgefunden, ausserdem Kinderfreizeiten und verschiedene Seminare und Kurse. Die Bedigungen waren noch etwas primitiv. Es gab zum Beispiel für 80 Konferenzteilnehmer nur drei Duschen. Aber die Atmosphäre war ganz anders als sonst. Sicher muss noch viel getan werden. Aber alle waren auch stolz auf diese neue Möglichkeit für unsere kirchliche Arbeit. Inzwischen haben Reparaturen und Rekonstruktion begonnen. Die Gemeinden im ganzen Sprengel sind den deutschen Kindern und Helfern in amerikanischen Konferenzen sehr dankbar für dieses „handfeste“ Liebeszeichen. Ich hoffe, dass hier auch ein internationales Zentrum für methodistische Treffen in Osteuropa entsteht. Ein Hauptproblem bei der Beschaffung von Eigentum ist unsere angespannte Finanzlage. Neuerdings haben wir aber auch vermehrt Probleme mit dem Einfluss der orthodoxen Kirche, den sie gegen den Erwerb oder Bau von nicht-orthodoxen Kirchen oder Gemeindehäusern geltend macht. Einige unserer Gemeinden mussten erleben, dass fast fertige Verträge gekündigt wurden, als die Eigentümer erfuhren, dass wir keine orthodoxe Kirche sind. Und wenn wir erfolgreich einen Platz erworben haben, wird häufig sehr schnell eine orthodoxe Kirche oder Kapelle in der nächsten Nachbarschaft errichtet. (Hoffentlich wird nicht vergessen, bei der Weihe dann auch eine Kerze für Sankt John Wesley zu entzünden!)

Mein Dienst als Bischof unserer Kirche brachte neue Pflichten und Herausforderungen seit Mai dieses Jahres (und noch bis zum Beginn der Generalkonferenz im April 2004) mit der Wahl zum Präsidenten des Bischofsrats der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit, in der Gesamtkirche zur besseren Kenntnis der Arbeit der Zentralkonferenzen im allgemeinen und der Russlandarbeit im besonderen beizutragen. Eine ausgedehnte Predigt- und Vortragsreise durch fünf amerikanische Konferenzen im vergangenen Juni wird dabei hoffentlich Frucht tragen. Gerlinde und ich sind dankbar für alle empfangene Liebe und Gastfreundschaft. Wir bereiten uns für 2004 auf das letzte Jahr unseres Dienstes im Euro-Asiatischen Sprengel vor. Die Zentralkonferenz soll vom 20. bis 24. Oktober 2004 im methodistischen Tagungszentrum bei Woronesh stattfinden. (Ihre Gebete werden uns helfen, die Renovierung rechtzeitig zu schaffen!) Zur Konferenz soll ein Nachfolger im Bischofsamt gewählt werden. Bitte unterstützen Sie unsere Gebete für die Wahl und ihre Vorbereitung wie auch die dringliche Bitte, dass Gott uns den/die Richtige(n) schenken und ihn/sie mit Kraft für diesen Dienst ausrüsten möge.
Wenn wir im Licht dieser Erwartung zurückschauen – nicht nur auf die vergangenen zwölf Monate sondern auf zwölf Jahre unseres Dienstes – erkennen wir, dass wir unendlich mehr empfangen haben, als wir je zu geben im Stande waren. Deshalb möchten wir Ihnen allen danken, die Sie durch Ihre Unterstützung diesen Dienst ermöglicht haben. Möge Gott es Ihnen reichlich vergelten im täglichen Geleit und vor allem in Gottes grosser Weihnachtsgabe, dem Kind JESUS, selbst Gott als Mensch und mitten unter Menschen.

In Freundschaft und Verbundenheit des Glaubens

Ihre Gerlinde und Rüdiger Minor



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