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EMKNI - 12.02.2003   Zurück zur Übersicht

Deutschland: Bischof Klaiber schreibt über Präsident Bush und die EMK

Der folgende Text von Dr. Walter Klaiber, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Deutschland, findet sich auf der Homepage der EMK Deutschland. Bischof Klaiber schreibt über das Verhältnis von US-Präsident George W. Bush zu "seiner" Kirche, der United Methodist Church (Evangelisch-methodistische Kirche), in der er Mitglied ist.

"Manche Kirchen haben Probleme mit ihren Mitgliedern. Das gilt insbesondere, wenn diese Mitglieder prominent sind. Früher bestand das Muster eines solchen Konflikts meist darin, dass die Kirche sehr viel konservativer war als die progressiven Vorstellungen derer, die ihre Erfahrungen im öffentlichen Leben gesammelt haben. Heute läuft der Konflikt nicht selten umgekehrt: Die Kirchen sind nicht länger die Bewahrerinnen der Überzeugungen von gestern, auf die sie manche konservative Politiker festlegen wollen. Herausragendes Beispiel dafür ist zurzeit der amerikanische Präsident Bush und seine Kirche, die United Methodist Church (in Deutschland die Evangelisch-methodistische Kirche).
Schon als Bush Gouverneur in Texas war, gab es Probleme. Die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche enthalten schon seit vielen Jahren den Satz: "Wir fordern die weltweite Abschaffung der Todesstrafe". Dies ist durch mehrfache Entschliessungen der Generalkonferenz dieser Kirche immer wieder neu auch für die USA gefordert worden. Daran hat sich Bush in seiner Amtszeit als Gouverneur von Texas nicht gehalten. Es hat in diesem Staat in seiner Amtszeit mehr Hinrichtungen gegeben als in jedem anderen der Vereinigten Staaten.
Mindestens ebenso dramatisch ist der Meinungsunterschied in der Frage des Krieges als Mittel der Politik. Hier sagen die Sozialen Grundsätze: "Wir glauben, dass Krieg mit der Lehre und dem Beispiel Christi unvereinbar ist. Wir verwerfen deshalb den Krieg als Instrument der Politik. Wir bestehen darauf, dass es die wichtigste moralische Pflicht aller Staaten ist, alle zwischen ihnen aufkommenden Konflikte mit friedlichen Mitteln zu regeln. Bei der Festlegung ihrer Prioritäten muss jede Regierung den menschlichen Werten mehr Gewicht beimessen als militärischen Forderungen."
Diese Auffassung ist von der Generalkonferenz und ganz aktuell auch vom Bischofsrat insbesondere im Hinblick auf die angebliche Notwendigkeit von Präventivangriffen bekräftigt worden.
Aber offensichtlich findet an dieser Stelle keine Kommunikation zwischen Bush und seiner Kirche statt, und zuverlässigen Informationen zufolge hat sich Bush auch seit Beginn der Irak-Krise geweigert, über dieses Thema mit offiziellen Vertretern seiner oder anderer Kirchen zu sprechen.
Wer die Reden des Präsidenten etwas genauer analysiert, wird auch sofort erkennen, dass der "überzeugte Methodist" Bush sich weder auf die Lehre seiner Kirche noch allgemein auf bestimmte biblische Aussagen beruft. Was er an religiösen Begründungen anführt, bleibt eher im Rahmen einer sehr allgemeinen civil religion, die die besondere Mission der USA mit der geschichtlichen Entwicklung der letzten Jahre begründet, durch die die USA zur einzigen Weltmacht geworden ist und deswegen entsprechende Verantwortung zu tragen habe, und nicht etwa durch die Identifizierung Amerikas mit Gottes auserwähltem Volk. So biblisch orientiert die persönliche Frömmigkeit des Präsidenten sein mag, so wenig ist es die theologische Begründung seiner politischen Philosophie. Sie wurzelt in einem sehr viel säkularisierteren, wenn auch immer noch religiös begründeten Erwählungsdenken.
Wie geht eine Kirche mit einem prominenten Mitglied um, das so offensichtlich wichtige ethische Grundprinzipien der eigenen Kirche ablehnt? In Deutschland wird immer wieder die Forderung laut, die United Methodist Church möge sich von ihrem Mitglied George W. Bush trennen. In den USA hört man das mit Verwunderung. Man ist es dort gewöhnt, dass Leute in der Kirche anderer Ansicht sind als die Gremien, die die offizielle Haltung dieser Kirche formulieren. Und soll das für den Methodisten George W. Bush nicht gelten, nur weil er der Präsident ist? Die prophetische Aufgabe, ihm öffentlich zu widersprechen und an die biblisch begründete Lehre seiner Kirche zu erinnern, gilt aber deshalb umso mehr. Sie wird auch wahrgenommen, wie das die Vertreter des Nationalen Kirchenrates der USA bei dem Treffen kirchenleitender Persönlichkeiten aus Europa am 5. Februar in Berlin sehr eindrücklich dargelegt haben."


Quelle: Dr. Walter Klaiber / Homepage der EMK Deutschland

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