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EMKNI - 17.02.2003   Zurück zur Übersicht

Deutschland: „Spiegel“ zum Glauben von George W. Bush und den religiösen Rechten

Der SpiegelAuf dem Frontbild sieht man Bilder von Panzern, Soldaten, Flugzeugen und Kanonen und in der Mitte US-Präsident George W. Bush mit einem Mikrophon in der Hand, dahinter ein erleuchtetes Kreuz. Dazu ist folgender Titel in fetten Buchstaben gesetzt: „In göttlicher Mission“. In dieser Aufmachung ist heute das deutsche Nachrichtenmagazin „Spiegel“ erschienen. Es setzt sich auf neun Seiten mit dem Glauben von George W. Bush und den religiösen Rechten in den USA auseinander.

So schreibt der „Spiegel“, wie der Methodist Bush, ein ehemaliger Trinker, der im Gegensatz zu seinem Vater längere Zeit beruflich eher glücklos war, im Alter von 40 Jahren zum Glauben gekommen ist: „Als er am Ende einer wochenlangen Sauftour aufwachte und in den Spiegel sah, entdeckte er sein mit Erbrochenem verschmiertes Gesicht. Er fiel auf die Knie und bat um Gottes Hilfe. Amerika liebt solche Geschichten von der Heimkehr des verlorenen Sohns.“

Laut „Spiegel“ sei Washington eine "gottesfürchtige Stadt" und "fromme, moralische, gute Menschen bevölkern den Amtssitz des Präsidenten." So gehöre es zum Beispiel zu den Ritualen im Weissen Haus, „dass Kabinettssitzungen mit einem Gebet eröffnet werden. Der Präsident bittet einen Minister um ein paar Worte der Besinnung, und alle im Saal senken die Köpfe, schliessen die Augen, falten die Hände.“ Bush sage, laut „Spiegel“, von sich, dass er täglich in der Bibel lese. Bushs Glaube habe auch Einfluss auf seine Politik: „Je näher der Krieg gegen den Irak rückt, desto öfter erzählt der Präsident von seinem Glauben und seinen Werten. Seiner Frömmigkeit misst er grossen Einfluss auf seinen Handlungen zu.“ Bush verwendet dabei eine religiöse Sprache, wie sich dies zum Beispiel anhand einer Rede, die er am 10. Februar in Nashville gehalten hat, zeigt und die der „Spiegel“ auszugsweise abdruckt. Ein Satz aus der Rede: „Gott hat uns aufgerufen, unser Land zu verteidigen und die Welt zum Frieden zu führen, und wir werden beide Herausforderungen mit Mut und Selbstvertrauen angehen.“

Im Beitrag des Nachrichtenmagazins wird auch ausführlich die Entwicklung der Kirchen in den USA sowie der Einfluss der christlichen Rechten behandelt und wie sich dies auf die Politik auswirkt. So würden die „Glaubensgemeinschaften des alten protestantischen Establishments“ an Einfluss verlieren, weil ihnen die Gläubigen davonlaufen, während die wachsenden Kirchen, gemäss eines Soziologen, konservativ ausgerichtet seien. Das Magazin schreibt dazu: „So leeren sich die Kirchenbänke der Lutheraner, Presbyterianer und Methodisten, während die Glaskathedralen der freikirchlichen Fernsehprediger, die Sportarenen der Erweckungseiferer, die Gemeindesäle der Pfingstgläubigen und der Charismatiker sowie die türmebewehrten Tempel der Mormonen regen Zulauf haben,“ und kommt nach zwei weiteren Abschnitten zum Schluss: "Es sind die Kirchen mit den simplen Ueberzeugungen, die grossen Zulauf haben, Kirchen, die ein anständiges, ein moralisches Amerika predigen, in denen das Wort der Bibel noch unumstösslich ist (...)."

So erhält Bush Unterstützung der christlichen Rechten und könne, gemäss "Spiegel", darum verhältnismässig leicht die Hirtenbriefe von katholischen Bischöfen gegen den Irak-Krieg und den Protest von schwarzen Gemeinden gegen den Aufmarsch im Golf verwinden. Nüchtern stellt das Magazin dazu weiter fest: „Es braucht ihn auch nicht weiter zu stören, dass führende Geistliche seiner eigenen methodistischen Kirche den Kriegskurs seiner Administration verurteilen – solange er die christliche Rechte hinter sich weiss, kann er den Irak-Krieg als Teil seines Kampfes gegen das Böse und damit auch als gottgefällig und fromm vermitteln.“


Quelle: Spiegel/EMKNI

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