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EMKNI - 07.01.2003   Zurück zur Übersicht

USA/Irak: Iraker wollen keinen Krieg, stellt Delegation fest

Als Melvin Talbert, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) und andere religiöse Verantwortliche den Irak im Jahr 1991, gerade vor Beginn des Golfkriegs, besuchten, stellte er fest, dass ein zukünftiger Konflikt unvermeidlich war. Der stellvertretende Premierminister des Iraks, Tariq Aziz, flankiert von seinem Kabinett, hatte damals brüsk klar gemacht, dass seine Besucher zurückreisten sollten, um mit der eigenen Regierung zu reden, wie Talbert erzählte.
Aber das Gespräch, das Talbert, zusammen mit zwölf weiteren religiösen Verantwortlichen, vor kurzem mit Aziz, anlässlich ihrer Reise vom 29. Dezember bis 3. Januar in den Irak (siehe EMKNI vom 23.12.2002), hatten, war bedeutend anders. Der stellvertretende Premierminister, der selber ein Christ ist, sprach allein mit der Gruppe während eines freundlichen, entspannten Treffens und betete später mit ihnen. „Ich sehe nicht, dass sie eine nicht verhandelbare Einstellung hätten,“ sagte Talbert und fügte hinzu, dass Aziz sagte, dass die irakische Regierung Gespräche mit dem US-Aussenminister Colin Powell und Führern des US-Kongresses begrüssen würde.
Diplomatische Unterredungen waren jedoch nicht der Hauptzweck der Delegation in den Irak, die von Robert Edgar, Pfarrer der EMK und Generalsekretär des Nationalen Rats der Kirchen in den USA, angeführt wurde. Der Schwerpunkt lag stattdessen auf dem Beurteilen der Auswirkungen der Sanktionen gegen den Irak, die seit mehr als zehn Jahren verhängt sind, sowie die Gelegenheit wahrzunehmen, in Verbindung mit Christen in diesem Land zu treten. "Wir gingen, weil wir der Ansicht sind, dass wir ein humanitäres Inspektionsteam sein könnten," so Edgar.
Ihre Erfahrungen kamen in einer Erklärung zum Ausdruck, die gegen einen sofortigen Krieg mit dem Irak ist und der Öffentlichkeit in den USA die Notlage von unschuldigen Irakern vor Augen führen will. „Was wir verlangen, ist Zurückhaltung," erklärte Talbert und meinte weiter: "Worauf wir in letzter Hinsicht hoffen, ist, dass wir nicht in den Krieg ziehen müssen."
Die Realität des Lebens im Irak ist mehr als ihre Führer, so die Delegationsmitglieder. "Die Bilder, die wir im Fernsehen gesehen haben, sind jene von Saddam Hussein mit einem Gewehr in der Hand," fügte Edgar hinzu. "Wir wollten das menschliche Irak zeigen mit seinen Kindern und den Schwächsten, die vom Krieg betroffen sein würden.“ Zusammen mit anderen religiösen Verantwortlichen hatte Edgar, der auch ehemaliger Abgeordneter im US-Kongress ist, seine Stimme gegen einen Krieg mit dem Irak erhoben. Er sagte, dass er überrascht gewesen sei, wie gross die Anzahl der durchschnittlichen Amerikaner sei, die eine solche Eile eines Kriegs bezweifeln, besonders weil es schwierig für eine Person sei, seid dem dauernden Sprechen über den Krieg, zu erfahren, was wirklich dort geschieht. Er ist der Ansicht, dass die Verantwortlichen in den Kirchen weiter ihren Mitgliedern die Tatsache vor Augen führen sollen, dass dies im Irak „echte Kinder und wirklich verwundbare Leute sind, über die wir reden.“
Die Delegation bot keine Unterstützung für das, wie James Winkler, Vorsitzender des „Board of Church and Society“ der EMK, nannte, "verwerfliche Regime". Aber Winkler stellte auch fest, dass die Waffeninspektoren der UNO bis jetzt nichts entdeckt hätten, was einen Krieg rechtfertigen würde, und fügte hinzu, dass die Existenz des Regimes nicht Grund genug sei, "eine Invasion gegen den Irak durchzuführen, die zwangsläufig zum Tod einer grossen Anzahl von unschuldigen Menschen führt". Durch den Kontakt mit gewöhnlichen Irakern bei Gottesdiensten und durch Besuche in Schulen und Krankenhäusern „sah die Delegation für uns die verheerende Wirkung von zwölf Jahren Sanktionen gegen das irakische Volk."
Die Delegationsmitglieder beabsichtigen, Verantwortliche der US-Regierung und ständige Mitglieder des Sicherheitsrats der UNO zu treffen, um die Auswirkung der Sanktionen und ein Auffrischen des UNO-Programms "Öl für Nahrung" zu erörtern.
"An irgendeinem Punkt muss man bezweifeln, wieviel Strafe das gewöhnliche Volk des Iraks verdient," sagte Winkler, der darauf hinwies, dass die EMK offiziell ein Ende der Sanktionen unterstützt.


Quelle: EMKNI/United Methodist News Service

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