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EMKNI - 23.01.2003   Zurück zur Übersicht

USA: Beschwerde gegen Bischof Sprague eingereicht

Eine Gruppe von Geistlichen und Laien der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in den USA hat eine Beschwerde gegen den Bischof von Chicago, C. Joseph Sprague, eingereicht. Der Grund sind Äusserungen Spragues im vergangenen Jahr über das göttliche Wesen Christi.
28 Personen aus elf Jährlichen Konferenzen haben die Beschwerde unterzeichnet. Thomas Lambrecht, Sprecher der Gruppe und Pfarrer der methodistischen Gemeinde in Greenville (Wisconsin), veröffentlichte das Schreiben am 7. Januar 2003.
Die Gruppe zitiert zum einen Äusserungen aus einer Rede, die Sprague am 28. Dezember 2002 an der EMK nahestehenden Iliff-Hochschule für Theologie in Denver gehalten hat, und aus seinem Buch "Affirmations of a Dissenter", das im Abingdon-Verlag erschienen ist.
"In seiner Rede und in seinem Buch verneint Bischof Sprague das apostolische, orthodoxe und ökumenische Verständnis der Trinität, die Jesus als Gott-gleich versteht. Dagegen bevorzugt er eine Form des Unitarismus oder "Adoptianismus", die die Jungfrauengeburt und die volle Göttlichkeit Christi ablehnt," erklärt Lambrecht. "Er verneint die körperliche Auferstehung Christi. Er vertritt die Meinung, dass Jesus Christus nicht der einzige Weg zur Rettung ist und lehnt die Lehre vom Stellvertretertod Christi am Kreuz ab. Diese Positionen des Bischofs stehen gegen die Lehre der EMK, die in den Glaubensgrundsätzen und im Glaubensbekenntnis festgelegt sind," so Lambrecht.
In seiner Rede an der Iliff-Hochschule für Theologie diskutierte Sprague die Frage, "wer der auferstandene Jesus Christus für mich ist" – ein vollständig menschlicher Jesus. Er räumte ein, dass seine Äusserungen herausfordernd klingen könnten, doch er habe niemanden abschrecken wollen. "Ich hoffe, dass ich verwirrte Gläubige oder die, die noch auf dem Weg zum Glauben sind, ermutigen kann – diejenigen, die mit der altertümlichen und gestelzten Sprache der Kirche nichts anfangen können," sagte er.
In seiner Stellungnahme zu der Beschwerde erklärte er: "Es wäre vieles zu sagen, aber ich bin der Meinung, dass der Beschwerdeprozess vertraulich ablaufen sollte. Deshalb werde ich nichts dazu sagen."
Spragues Ansichten haben eine erregte Debatte innerhalb der Kirche ausgelöst. Eine der am weitesten verbreiteten Positionen kam von Bischof Timothy Whitaker aus Florida.
"Ich habe eine Antwort an Bischof Sprague geschrieben und eine Kopie davon an Mitglieder des Bischofsrats geschickt," sagte Whitaker dem United Methodist News Service. "In dem Schreiben habe ich mich gegen das Beschwerdeverfahren ausgesprochen. Ich lehne es vor allem ab, weil nicht klar ist, ob Bischof Sprague tatsächlich die Lehre unserer Kirche zur Göttlichkeit Christi verletzt hat. Natürlich habe ich genau nachgefragt und denke, dass er schon Dinge gesagt hat, die die Leute verwirrt haben. Aber ich glaube, er sollte die Gelegenheit haben, selbst Stellung zu diesen Fragen zu beziehen."
Bischof i.R. Richard B. Wilke, angesprochen auf Spragues Buch, sagte: "Das beanstandete Buch ist zuallererst ein soziales Bekenntnis, die Aufregung resultiert aus Spragues Christologie, seinem Verständnis von Jesus." Und er meinte weiter: "Das Buch erklärt, wie Sprague sich aus einer sehr konservativen Erziehung den Weg zu einem neuen Verständnis des Glaubens als Erwachsener erkämpfen musste." Wilke: "Aus der Sicht von vielen Theologen, mich inbegriffen, würde ich sagen, dass Spragues Christologie – inklusive dem Verständnis der Jungfrauengeburt und der Auferstehung – nicht meine oder die der meisten Methodisten ist. Aber an dem Buch hat mich das soziale Bekenntnis sehr fasziniert. Ich glaube, er versteht den Geist Christi, und darum geht es in dem Buch."
Wilke sagte, Sprangue sei "unter dem Einfluss Christi" und fügte hinzu, dass sein soziales Bekenntnis mit vielen sozialen Prinzipien der EMK übereinstimme. "Meine Hoffnung ist, dass die Leser des Buches, auch wenn sie nicht mit allem übereinstimmen, seine ausserordentliche soziale Weisheit erkennen."
Pat Miller, die Direktorin der Confessing Movement, erklärte, sie habe zahlreiche Anrufe von normalen Gemeindegliedern erhalten, die über Spragues Äusserungen aufgebracht waren. Ihre Organisation ist eine inoffizielle Gruppe von Methodisten, die sich selbst als Erneuerungsbewegung innerhalb der Kirche versteht. Miller fügte hinzu, dies habe viele motiviert, sich engagierter für die EMK einzusetzen. "Auf eine Art stärkt es den klassischen, biblisch fundierten Glauben in der Kirche, wenn die Leute sagen: Das ist nicht das, was wir glauben. Wir glauben, dass die Bibel Gottes Wort ist, dass Jesus der Sohn Gottes und Jesus der Weg zur Erlösung ist."
Die Beschwerde wurde von Bischof Bruce R. Ough, dem Präsidenten des Bischofskollegiums des nördlichen Zentralbezirks, entgegengenommen. Die Beschwerdeführer verlangen, dass der Fall untersucht wird und, sollte die Beschwerde gerechtfertigt sein, dass "Bischof Sprague sich entweder öffentlich von seinen umstrittenen Äusserungen distanziert oder dass er entlassen wird und seine Ordinationsurkunde zurückgeben muss."
Das Book of Discipline, die Kirchenordnung der weltweiten EMK, sieht vor, dass im Falle einer Beschwerde gegen einen Bischof der Präsident des Rechtsausschusses des Bischofskollegiums eine Stellungnahme abgeben muss. Die Antwort soll zu einer Lösung oder einem gerechten Ausgleich zwischen den beteiligten Parteien führen. Das kann auch eine Verhandlung mit dem Rechtsausschuss sein oder auch ein freiwilliges Schlichtungsverfahren, in das ein neutraler Mediator eingeschaltet wird. Nach der Kirchenordnung ist die Stellungnahme noch kein rechtliches Verfahren. Wenn die Stellungnahme nicht zu einer Lösung führt, kann der Fall über mehrere Instanzen weitergehen bis zu einer allfälligen Einberufung eines Gerichts, dass im Extremfall zum Ausschluss des Beschuldigten aus der Kirche führen kann.
Bischof Whitaker sagte, der Rechtsweg sei nicht ideal für den Fall Sprague, aber das geltende Recht lasse keinen anderen Weg zu, um zu klären, ob sich jemand an die Lehrsätze der Kirche halte. "Wir müssen prüfen, ob es nicht andere Verfahren gibt, die es uns erlauben, in den Dialog einzutreten, bevor der Rechtsweg beschritten wird."


Quelle: United Methodist News Service

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