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EMKNI - 31.01.2003   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Immer mehr Menschen sind konfessionslos

Die Schweiz gehört zu den wenigen Ländern Europas, die bei einer Volkszählung die Frage nach der Religionszugehörigkeit stellen. Gemäss den nun vorliegenden Angaben des Bundesamts für Statistik (BFS) sind in der Schweiz, laut der Volkszählung aus dem Jahr 2000, immer mehr Menschen konfessionslos. So gaben fast 810’000 Personen, dass heisst rund 11,1% der Wohnbevölkerung, an, keiner bestimmten Kirche oder Religionsgemeinschaft anzugehören. Der Anteil ist damit von 1,1% im Jahr 1970 auf 11,1% im Jahr 2000 angestiegen. Das Bundesamt schreibt von einer „Konfessionslosigkeit als Lebensstil“. Besonders hoch ist der Anteil der Konfessionslosen bei den 30- bis 50-jährigen, die, so das BFS, im Zenit ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivität stehen. Männer bezeichnen sich häufiger als keiner Kirche oder Religionsgemeinschaft zugehörig als Frauen. Im städtischen Gebiet ist der Anteil der Konfessionslosen doppelt so hoch wie in den ländlichen Regionen. Durch die Zunahme der Personen ohne Konfession, die wachsende Bedeutung der nicht traditionellen Religionen, die geografische Mobilität und die Zunahme der Mischheiraten haben sich die alten religiösen Grenzen der Schweiz weiter aufgelöst. In einem breiten, mehrheitlich städtischen Gürtel, der vom Genfersee entlang der Jurakette bis zum Bodensee und ins St. Galler Rheintal reicht, gibt es keine deutlich dominierenden Kirchen und Religionsgemeinschaften mehr, so das BFS.

Gewachsen sind hingegen die "neuen Religionsgruppen", während die Landeskirchen Anhänger verlieren. 3'047'887 Personen, 41,8% der Bevölkerung, bezeichneten sich in der eidgenössischen Volkszählung 2000 als römisch-katholisch und 2'408'049 Personen, 33% der Bevölkerung, als evangelisch-reformiert. Die beiden grossen Landeskirchen haben gegenüber 1990 nicht nur relativ sondern auch absolut an Anhängern verloren (- 363'000 Personen). Konstant blieb der Anteil der evangelischen Freikirchen und der übrigen protestantischen Gemeinschaften (2,2%) und der jüdischen Glaubensgemeinschaft (0,2%). Den grössten Anteil der "neuen Religionsgruppen" stellen die Muslime mit 311’000 Personen oder 4,3% sowie die Christlich-orthodoxen mit 132’000 Personen oder 1,8% dar. Die Verdoppelung der Zahl der Muslime und der Orthodoxen seit 1990 ist hauptsächlich auf die Einwanderung aus den Ländern des früheren Jugoslawien zurückzuführen, so das BFS. Als Gründe, warum die Landeskirchen Mitglieder verloren haben, werden die Zunahme der Konfessionslosen, die Zuwanderung von Menschen aus Ländern mit anderen religiösen Traditionen sowie die demografische Alterung der Landeskirchen angegeben. So sind zum Beispiel bei der Evangelisch-reformierten Landeskirche 26,6% der Kirchenmitglieder 60-jährig und älter, 28% sind zwischen 40- und 60-jährig. Die evangelischen Freikirchen sowie andere protestantische Gemeinschaften sind wesentlich jünger, stärker familienorientiert und haben mehr Kinder. Nur 18,2 % sind über 60-jährig. Diese Gruppen haben auch deutlich mehr ausländische Mitglieder integriert als die Evangelisch-reformierte Landeskirche.
Gemäss Tabelle 5 des BFS, „Evangelische Freikirchen und übrige protestantische Gemeinschaften“, gehören 161'075 Menschen einer solchen Kirche oder Gemeinschaft an.
Wie Livenet schreibt, ist die Erhebung aus Sicht der evangelischen Freikirchen ihrer Mitglieder zu tief. Der Verband evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz (VFG) geht von einer Zahl von 150'000 Mitgliedern und Freunden aus. Die Differenz käme daher, dass nicht alle Freikirchen eine offizielle Mitgliedschaft haben.

Die Anzahl der Methodisten wird beim BFS mit 8'411 angegeben. Gemäss Statistik der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) für das Jahr 2000 betrug die Anzahl der Mitglieder in der Schweiz 7'976 sowie die Anzahl der Freunde 4'688.

Die Zahlen des BFS sind mit einer gewissen Vorsicht zu behandeln. So haben fast 316'000 Personen oder 4,3% der Bevölkerung bei der Volkszählung im Jahr 2000 keine Angaben zu Religion gemacht. Das BFS schreibt, als einer der Gründe, dass – trotz der Garantie des Datenschutzes – die Religionszugehörigkeit oft als Privatsache betrachtet wird.


Quelle: Bundesamt für Statistik/Livenet/sda/EMKNI

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