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EMKNI - 04.07.2003   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Kirchen tun gemeinsam Gutes an einem Fest

Kurz vor den Sommerferien verwandelt sich die Stadt Solothurn jedes Jahr für ein Wochenende in einen riesigen Festbetrieb, dem Märet Fescht. Die ganze Innenstadt ist überfüllt mit Marktständen, Bars, Fest-Beizen von Vereinen und Fasnachtszünften, einem Trödlermarkt usw. Es wird getrunken und gegessen, aus vielen Boxen dröhnt Musik und auf Haupt- und Nebenbühnen treten Bands auf. Tausende von Menschen strömen in die Stadt, gegen Abend gibt es fast kein Durchkommen mehr.

Vor fünf Jahren fragten die Pfarrerinnen und Pfarrer der Landes- und Freikirchen, u.a. auch die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK), in Solothurn die Organisatoren an, ob sie am Sonntag nicht die Infrastruktur nützen könnten, um einen Gospel-Gottesdienst in der Innenstadt durchzuführen. Das Organisationskomitee war zuerst skeptisch, entschloss sich jedoch, dies als Erweiterung des Märet Feschts anzugehen. Einzige Bedingung war, dass alle Kirchen mit dabei sind.

So war es in diesem Jahr, am 29. Juni 2003, inzwischen der vierte Gospel-Gottesdienst, der durchgeführt wurde. Der Märetplatz ist jeweils ganz überfüllt. Es finden sich ca. 700 - 800 Gottesdienstbesucher zusammen aus den verschiedenen Landes- und Freikirchen. Gerade für Menschen, welche nicht regelmässig in den Gottesdienst gehen, bietet sich hier ein ideales Angebot. Dieses Jahr predigte Andy Hostettler, der Praktikant der EMK Solothurn, zum Thema “Ist mein Leben haltbar.”

Vor zwei Jahren wurde in der Zeitung berichtet, dass das Märet Fescht im Abfall versinkt. Die Abfallkübel quillen über, in den Gassen bildet sich ein Scherbenteppich. An einer Pfarrsitzung machte einer den Vorschlag, ob nicht die Pfarrerinnen und Pfarrer zusammen mit Gemeindemitgliedern den Abfall wegzuräumen könnten. Einfach als Diakonie im Sinne des biblischen Wortes “Seid um das Wohl der Städte besorgt, in die ich euch verbannt habe, und betet für sie! Denn wenn es ihnen gutgeht, dann geht es auch euch gut.” (Jer 29,7). Das Organisationskomitee war sehr überrascht. Aber gemeinsam wurde der Vorschlag umgesetzt. So waren letztes und dieses Jahr ständig drei Teams im Einsatz. „Meine Schicht war von elf Uhr nachts bis morgens um halb vier. Ausgerüstet mit T-Shirts, Handschuhen und einem speziellen Transportwagen zogen wir durch die Massen und sammelten volle Abfall-Säcke ein, befreiten Simse, Treppen und leere Stände vom Kehricht und brachten alles zu den vier Kehrrichtwagen, welche um die Stadt verteilt standen,“ schilderte Richard Hürzeler, Pfarrer von der EMK Solothurn, den Einsatz.

In diesem Jahr wurde von den Kirchen auch noch ein drittes Projekt umgesetzt. Fünf Jungscharen führten gemeinsam ein ChinderFescht durch. Den ganzen Samstag Nachmittag lang konnte man klettern, Speckstein gestalten, fischen, jonglieren usw. Es gab ein Puppen-Theater, ein Leiterli-Spiel usw. Wiederum wurden die Kirchen vom Organisationskomitee stark unterstützt. Für Werbung, Sponsoring und Infrastruktur waren sie besorgt und stellten den Kirchen einen ganzen Platz zur Verfügung.

In allen Zeitungsartikeln, den offiziellen Flyern und den Plakaten am Stadteingang werden die Kirchen inzwischen erwähnt. Während dem Eröffnungsapéro wurde gesagt: “Wir haben schon mit etlichen Vereinen gearbeitet - und dann war niemand da. Doch bei den Kirchen sind über 100 Personen mit dabei.” Der Präsident der Stadtvereinigung (Gewerbeverein) bedankte sich letztes Jahr für die Abfallentsorgung mit den Worten “Ihre Leute haben dies zuverlässig, mit Engagement und viel Liebe getan.”

„Momentan staunen wir als Pfarrer nur noch, wie viel Resonanz unser Einbringen in die Stadt hat. Menschen nehmen uns wahr und sprechen positiv über die Kirchen. Immer mehr Türen gehen auf und die Akzeptanz wächst. Gerade das gemeinsame Engagement aller Kirchen macht uns glaubwürdig. Und wir gehen zu den Menschen, in ihre Welt, in ihre Problematik und geben uns mit hinein. Damit fällt es auch Menschen leichter, zu uns zu kommen,“ so Richard Hürzeler.


Quelle: EMKNI - Richard Hürzeler

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