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EMKNI - 29.07.2003   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Die Situation der Asphalt-Roma von Medjitlija hat sich nicht verbessert

Am 24./25. Juli 2003 fand in Skopje ein von der OSZE organisierter «Runder Tisch» zum Thema «Displaced Roma, Ashkalie and Egyptians of Kosovo — Perspectives on Local Integration in Host Countries and Sustainable Return — Sharing recent best practicies in the countries of South Eastern Europe» statt. Votanten an diesem Treffen waren unter anderem: Harald Schenker, politischer Berater der Mission der OSZE in Skopje, Nikolae Gheorghe, Berater für Fragen der Roma und Sinti in der OSZE, Christos Theodoropoulos, UNHCR in Skopje, Suzana Mikodievik vom Innenministerium der Republik Makedonien, Vertreter der Roma-Gruppe in Medjitlija und Mihail Cekov, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Makedonien.

Cekov berichtete, dass lange Diskussionen über den rechtlichen Status der Flüchtlinge und über das neue Flüchtlings- und Asylgesetz der Republik Makedonien geführt worden seien, dass damit seiner Meinung nach aber völlig an der Realität der Menschen in Medjitlija vorbei geredet worden sei. Er hatte den Eindruck, diese Veranstaltung würde vor allem dazu dienen, die bisherige Vorgehens- und Handlungsweise der involvierten Organisationen und Gremien zu legitimieren. Auf seine konkrete Frage hin zeigte sich, dass ausser Nikolae Gheorghe keine Person die Situation in Medjitlija aus erster Hand, dass heisst aufgrund eines Besuches vor Ort, kannte. Als Mihail Cekov um die Erlaubnis nachsuchte, den Roma Obst und Gemüse bringen zu dürfen, wurde er unterbrochen und abgeblockt. Ein Vertreter des Innenministeriums drohte gar mit dem Verlassen der Sitzung und erwähnte, für solche Hilfe seien die humanitären Organisationen in Makedonien zuständig. Gemäss Cekov ist von dieser Zuständigkeit aber nichts zu spüren. Er unterstreicht noch einmal, dass ohne schnelles Handeln eine humanitäre Katastrophe drohe.

Schliesslich wurde ein Dokument verabschiedet, dass unter anderem folgende Punkte enthält:

1. Gegenseitige Respektierung aller Involvierten als Basis für eine Zusammenarbeit
2. Kollektive Rückkehr der Roma nach Skopje
3. Unterstützung derjeniger Roma, die einen Asylantrag stellen wollen
4. Hilfe für jene Roma, welche keinen Asylantrag stellen wollen, d.h. die Suche nach Möglichkeiten für eine Ausreise in Drittländer oder zurück in den Kosovo
5. Sofortige humanitäre und medizinische Hilfeleistung in Medjitlija

Gemäss Aleksandar Krzalovski, dem Programme Coordinator des Macedonian Center for International Cooperation (MCIC), sei damit ein Durchbruch erzielt worden. Die Roma könnten gemeinsam an einen Ort in Makedonien fahren, an dem sie viel bessere Lebensbedingungen vorfinden würden als bisher. Es scheine alles unter Kontrolle zu ein; die schwierige Situation sei auf positive Art und Weise sowie im Einvernehmen mit den Roma in Medjitlija gelöst worden. Ein weiteres Handeln von MCIC sei im Moment deshalb nicht notwendig.

Anders tönt es von den Vertretern der Roma in Medjitlija. Bei einem Besuch von Mihail Cekov am letzten Sonntag sagten zwei Koordinatoren der Roma-Gruppe übereinstimmend, die Situation hätte sich nicht verändert — ausser der Tatsache, dass die Lebensmittel-Rationen gekürzt worden seien. Der diensthabende Arzt, Dr. Sotir Nikolovski, sagte ebenfalls am gleichen Tag, dass die Roma vermehrt Lebensmittel verlangen würden, dass sie besonders an Darmerkrankungen leiden würden, und dass bei verschiedenen Kindern Verdacht auf Meningitis bestehen würde. Die Leiterin des Medizinischen Zentrums von Bitola, Dr. Liljana Kocankovska, fasste in einem Bericht zusammen, dass täglich 150 bis 200 Untersuchungen getätigt würden — und dies unter katastrophalen Bedingungen. Im Sanitätszelt (2,5x2,5 m) würden die Temperaturen bis zu 50 Grad erreichen. Verpflegung und Wasser gebe es keine. Die Roma würden ihnen von dem abgeben, was sie hätten.

Dr. Ulrich Meisel, Laienprediger der EMK, hat sich inzwischen an verschiedene Europa- und Bundestagsabgeordnete gewandt, dabei aber feststellen müssen, dass die meisten derzeit im Urlaub seien. Eine sehr kompetente Politikerin, langjährige Vorsitzende des Verbindungsausschusses EU-Balkanstaaten im Europäischen Parlament, sagte aber zu, sich umgehend zu engagieren.


Quelle: Bischofssekretariat, Urs Schweizer

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