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EMKNI - 14.06.2003   Zurück zur Übersicht

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der methodistischen Arbeit in Frankreich sowie in Nordafrika

Oben: Grégoire Chahinian und Daniel Husser - Unten: Bernhard Lehmann und Grégoire ChahinianAm Samstag morgen stand zuerst die kirchliche Situation in Frankreich sowie in Nordafrika an der Tagung der Jährlichen Konferenz (JK) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) im Vordergrund.

Grégoire Chahinian gab in seinem mündlichen Bericht Einblick in den Weg der Eglise Méthodiste de France (EMF), deren Präsident er ist:

1791, im Todesjahr von John Wesley, kamen Französisch sprechende Missionare von den Kanal-Inseln nach Frankreich, um innerhalb der protestantischen Kirche in Frankreich eine methodistische Arbeit zu beginnen. Weil es zum damaligen Zeitpunkt in der protestantischen Kirche personelle Lücken gab, waren diese methodistischen Mitarbeiter durchaus willkommen. Mit dem Wachstum der methodistischen „sociétés“ wurde eine Zusammenarbeit mit der protestantischen Kirche aber immer schwieriger, weshalb 1852 die Eglise Evangélique Méthodiste de France gegründet wurde. In ihrer Blütezeit – 1870-1900 – umfasste sie 180 Kapellen, 30 Pastoren, 22 Evangelisten und rund 100 Laienprediger.
1935/1936 wurde der Wunsch immer stärker zum Ausdruck gebracht, die verschiedenen Zweige des Protestantismus in Frankreich wieder zu vereinigen – ein Projekt, das auch die methodistischen Missionare aus England unterstützten. Als Folge davon vereinigte sich die Eglise Evangélique Méthodiste de France am 20. Juni 1939 mit der Eglise Réformé de France. Sechs Delegierte der Eglise Evangélique Méthodiste de France verweigerten aber ihre Zustimmung zum Zusammenschluss und beschlossen ihrerseits im Jahr 1940 die Gründung der Eglise Méthodiste de France (EMF). Seither entstanden durch die missionarische Tätigkeit der EMF in Paris-Gennevilliers, Montélimar, St. Jean de Valériscle und Narbonne neue Gemeinden.
Im Rückblick auf diese bewegte Geschichte stellte Chahinian fest, dass sich die methodistischen Gemeinden in der Vergangenheit – gerade auch in ihrer Zusammenarbeit mit der Eglise Réformé de France - an vielen Orten segensreich eingebracht hätten: Bildung einer nationalen Jugendorganisation und eines Sonntagschulverbandes, Gründung der Evangelischen Allianz und der Fédération Protestante de France, Einrichtung der Evangelischen Fakultät in Vaux-sur-Seine wie auch missionarische Tätigkeiten in Kabylien (Algerien) und in Frankreich usw. Selbstkritisch merkte Chahinian aber auch an, dass sich die Verkündigung in den letzten Jahrzehnten an vielen Orten institutionalisiert hätte, und dass die Gemeinden die „Strasse“ und die „Bevölkerung der Strassen“ verlassen hätten.
Heute funktioniert die EMF nach einem halb-synodalen System, d.h. jede Gemeinde entscheidet in ihren Belangen autonom; für Fragen hingegen, die alle Gemeinden betreffen, ist die Synode zuständig. Nach vielen Jahren einer gewissen „Ausrichtung auf den eigenen Nabel“ ist nun eine deutliche Öffnung für das methodistische Werk jenseits der eigenen Haustür festzustellen. Auch diese Tatsache – neben der schwierigen finanziellen Situation der Gemeinden der EMF – trägt entscheidend dazu bei, dass eine Annäherung an die Union de l’Eglise Evangélique Méthodiste (UEEM) stattgefunden hat, die im optimalen Fall im Jahr 2005 zu einer Vereinigung führen wird.
Die EMF bringt auf den Weg in die Zukunft die wichtige Erfahrung mit, ihre Arbeit und die Gründung neuer Gemeinden nicht immer davon abhängig gemacht zu haben, über genügend vollzeitliche Angestellte zu verfügen. Ebenfalls zukunftsrelevant ist das Engagement der EMF für junge Menschen aus Nordafrika, wie es beispielsweise in einem Projekt für junge muslimische Frauen mit ihren Kindern zum praktischen Ausdruck kommt (die personelle Seite dieses Projekts ist bereits sichergestellt; es fehlt aber noch eine geeignete Liegenschaft).

Union de l’Eglise Evangélique Méthodiste (UEEM)

Bernard Lehmann, der Präsident der Union de l’Eglise Evangélique Méthodiste (UEEM) nannte in seinen Ausführungen ebenfalls einige wichtige Daten auf deren Weg aus der Vergangenheit in die Zukunft:
1856 entstanden im Elsass erste Gruppen von Menschen, die aufgrund des Wirkens der Evangelischen Gemeinschaft ihr Leben Jesus anvertrauten und den dringenden Aufruf in die Schweiz, nach Deutschland sowie in die USA sandten, man möge ihnen Missionare senden, „damit wir die gute Nachricht hören und nicht in unseren Sünden sterben“. 1868 war dieser Ruf beantwortet, und verschiedene Missionare hatten ihre Tätigkeit aufgenommen. Als Folge davon wurden an verschiedenen Orten Gemeinden gegründet und Kirchen gebaut.
1969 bildete sich in der Folge der Vereinigung der Methodistenkirche mit der Evangelischen Gemeinschaft die „Union de l’Eglise Evangélique Méthodiste“ (UEEM) in ihrer heutigen Form, d.h. als Distriktskonferenz innerhalb der Jährlichen Konferenz Schweiz/Frankreich. 1985 und 1987 antwortete die UEEM auf einen Hilferuf aus Südwest-Frankreich und sandte zwei Pastoren nach Fleurance und Mont-de-Marsan, wo sich mittlerweile zwei Gemeinden etabliert haben – nicht zuletzt auch dank der finanziellen Unterstützung aus der Schweiz.
Der Dienst der UEEM spielt sich nicht nur in den 12 Gemeinden ab (darunter eine Kambodschaner-Gemeinde in Paris), sondern beispielsweise auch im Diakonat Bethesda mit seiner Klinik und den Altersheimen (seit 1892), im Centre de Vacances in Landersen (seit 1939) und in verschiedenen CERTITUDE-Buchhandlungen (seit 1975). Einen Reichtum der UEEM stellen auch die ausländischen Christen dar (Koreaner, Kambodschaner, Chinesen), die eigene Gemeinschaften bilden und sich mit grossem missionarischen Eifer ihrer Landsleute annehmen.
Lehmann brachte seine Freude zum Ausdruck, zum einen über die positive Entwicklung des Centre de Vacances in Landersen in jüngster Vergangenheit, ganz besonders aber auch über die viele Freiwilligenarbeit, die überall geleistet wird, und über die zeugnishafte Tätigkeit der ausländischen Kirchenglieder. Er schloss seinen Bericht mit einem herzlichen Dank für alle Unterstützung und mit dem Gebet, der Hoffnung und der Erwartung, Gott möge „jeden Tag neue Menschen hinzufügen“.

Algerien

Daniel Nussbaumer informierte in einem kurzen Beitrag über die Situation der Arbeit in Nordafrika:
Das jüngste Erdbeben hat – ganz im Gegensatz zur römisch-katholischen Kirche – die methodistischen Gemeinden insofern nicht getroffen, als dass Liegenschaften eingestürzt wären. Die Pfarrhäuser in Algiers und Fort National sind aufgrund diverser Schäden aber renovationsbedürftig. Die Gemeinden sind nun damit beschäftigt, Hilfe für Bedürftige zu organisieren und zu koordinieren – der Grund, weshalb beispielsweise der Verantwortliche der Gemeinde in Les Ouadhias, Abdelkader Saim, nicht an die Tagung der Jährlichen Konferenz reisen konnte.
Die Gemeinde in Ouadhias, die zu einem grossen Teil aus kabylischen Christen besteht, engagiert sich neben ihrer ordentlichen Gemeindearbiet auch in der Übersetzung der kabylischen Bibel. Darüber hinaus hat sie die Verantwortung dafür übernommen, regelmässig eine Gruppe nach Constantine zu senden, um die dortige Arbeit sicherzustellen (es gibt dort verschiedene Menschen, die sich durch Radio- und TV-Sendungen bekehrt haben und nicht wissen, wo sie Gemeinschaft mit Christen finden können).
Die Gemeinde in Algiers ist die internationalste Gruppe; Nussbaumer nannte als Beispiel einen Gottesdienst, an dem er teilnahm, und dessen Besucher aus 14 bis 15 Nationen kamen.
Die Gemeinde in Oran schliesslich besteht ebenfalls grösstenteils aus kabylischen Christen; mit einer englischsprachigen Bibliothek hat die Gemeinde aber eine grosse Zeugnismöglichkeit gegenüber rund 300 Studenten der Stadt.
In Fort National schliesslich ist das Ehepaar Aït-Abdelmalek teilzeitlich stationiert, um die theologische Ausbildung der einheimischen Christen voranzutreiben.
Gegenwärtig absolvieren Hamid Guernine (in der Schweiz) sowie Djamila und Hocine Kaciamer (in Frankreich) ihre theologische Studien.


Quelle: EMKNI - Urs Schweizer

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