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EMKNI - 19.06.2003   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Delegierten des SEK tagten in Liestal

Vom 15. bis 17. Juni 2003 kamen in Liestal die Delegierten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) zu ihrer Sommer-Abgeordnetenversammlung zusammen. Themen waren unter anderem das neue Zusammenarbeitsmodell zwischen Kirchen, Hilfswerken und Missionen, die Anpassung des Schlüssels für Mitgliederbeiträge, eine Motion betreffend gerechterer Arbeitsverhältnisse Prostituierter in der Schweiz sowie das 30jährige Bestehen der Leuenberger Konkordie. Im «Wort des Ratspräsidenten» sprach Thomas Wipf über die Zukunft des Protestantismus in Europa.
Gastgeber der Abgeordnetenversammlung war die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Basel-Landschaft. Im Landratssaal im Zentrum von Liestal sind siebzig Delegierte aus 26 Mitgliedkirchen (u.a. auch die Evangelisch-methodistische Kirche) sowie je zwei Vertreter der Diakoniekonferenz und der Frauenkonferenz zusammengekommen. Ein wichtiges Traktandum war der Vorschlag des Rates SEK für ein neues Zusammenarbeitsmodell zwischen den Kirchen, den Hilfswerken und Missionen. Auf Antrag der Abgeordnetenversammlung wird die Zusammenarbeit nicht länger über die einzelnen Mitgliedkirchen, sondern über den SEK laufen. Die Vereine «Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz» (HEKS) und «Brot für alle» (BFA) werden in Stiftungen umgewandelt. Die Abgeordnetenversammlung und der Rat SEK werden Organe dieser Stiftungen, der Rat nimmt mit einer Vertretung Einsitz in dem Stiftungsrat. Die Missionsgesellschaften «Département Missionnaire» (DM) und «mission 21» werden ihrerseits zwei Mal jährlich mit dem Rat SEK zu einer table ronde zusammenkommen. Die Selbständigkeit der fünf Partnerorganisationen SEK, HEKS, BFA, DM und mission 21 soll auf diese Weise gewahrt und gleichzeitig sollen die gemeinsamen Ziele in koordinierter Weise verfolgt werden. Während das neue Zusammenarbeitsmodell die deutliche Zustimmung der Abgeordnetenversammlung erhielt, wurde eine Redimensionierung der daraus entstehenden Mehrkosten verlangt. Der revidierte Antrag wird den Abgeordneten bei der Herbst-Versammlung noch einmal zur Abstimmung vorgelegt werden.
Zweites wichtiges Traktandum war die Anpassung des Schlüssels für die Mitgliederbeiträge. Ausgehend von einer Motion der Eglise protestante de Genève (EPG) hatte 2002 eine zehnköpfige Arbeitsgruppe die Richtlinien eines neuen Beitragsschlüssels verfasst. Statt der bis anhin gültigen Kriterien Mitgliederzahl, Steuerkraft und Einnahmen der Mitgliedkirchen orientiert sich der SEK nun an den Faktoren Mitgliederzahl, AHV-pflichtige Lohnsumme und Finanzkraft der Kantone. Davon verspricht sich der SEK eine gerechtere Beitragspolitik, die insbesondere finanzschwache Kirchen entlastet. Mit klarer Mehrheit stimmten die Abgeordneten für eine Annahme der Änderung des Beitragsschlüssels.
Die Motion von Helmute Conzetti-Weise (Frauenkonferenz) betreffend gerechterer Arbeitsverhältnisse für Prostituierte wurde in ein Postulat umgewandelt. Der Rat des SEK wurde beauftragt, einen Bericht über die Arbeitssituation der in der Schweiz arbeitenden Prostituierten zu verfassen, in dem abgeklärt wird, inwiefern die Anerkennung der Prostitution als Beruf die Situation der betroffenen Personen verbessern würde. Berücksichtigt werden sollen dabei nicht nur die rechtlichen, sondern auch theologische, sozialethische und soziale Überlegungen. Der Rat des SEK wird sich für die Umsetzung auf der politischen Ebene einsetzen.
Am 16. März 1973 wurde auf dem Leuenberg bei Liestal die Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa (Leuenberger Konkordie) erstellt und den beteiligten Kirchen übergeben. Zwischen den verschiedenen Strömungen reformatorischer Kirchen wurde damit erstmals eine Kirchengemeinschaft geschaffen und eine mehr als 450 Jahre währende Spaltung überwunden. Bis heute haben 103 Kirchen aus Europa und Südamerika die Leuenberger Konkordie unterzeichnet. Anlässlich des dreissigsten Jahrestages der Konkordie zog Wilhelm Hüffmeier, langjähriger Sekretär der Leuenberger Kirchengemeinschaft, in einem Referat auf der Abgeordnetenversammlung positive Bilanz. Auch Thomas Wipf, Präsident des Rates SEK, verwies in seinem «Wort des Ratspräsidenten» auf die eminente Bedeutung des Leuenberger Kirchengemeinschaft, die er auch und gerade für die Zukunft des europäischen Protestantismus herausstellte. Von hoher Aktualität ist das vom Ratspräsidenten angeschnittene Thema der Ökumene: Entgegen der päpstlichen Enzyklika vom Gründonnerstag hielt Thomas Wipf an der grundsätzlichen Möglichkeit der gemeinsamen Eucharistie-Feier fest und regte zu einem vertieften Nachdenken über die Ökumene an.
Grussbotschaften überbrachten u. a. Amédée Grab, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), und Alfred Donath, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG).


Quelle: SEK

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