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EMKNI - 07.03.2003   Zurück zur Übersicht

Algerien/USA: Brief der Protestantischen und Katholischen Kirche an US-Präsident Georg W. Bush

Bereits am 9. Januar sandten Monsignor Henri Teissier, Erzbischof der Eglise Catholique d’Algérie und Pfarrer Dr. Hugh G. Johnson, Präsident der Eglise Protestante d’Algérie einen beeindruckenden Brief an den US-Präsidenten Georg W. Bush, indem sie auf die seit langem anhaltenden Friedensbemühungen im eigenen Land hinweisen. Als Menschen zeigen sie sich erschüttert "...von der Aussicht auf die tiefen Zerwürfnisse, die ein solcher Krieg in der Region verursachen würde." Wörtlich fahren die beiden Kirchenvertreter in ihrem Schreiben fort: "Solch eine schwer wiegende Handlung würde die Bemühungen um Frieden und Versöhnung für viele kommende Generationen schwer stören... Wir sind überzeugt, dass das Ergebnis eines solchen Krieges einen dauerhaften Graben zwischen den Menschen dieser Region und den westlichen Nationen aufreißen würde und darüber hinaus zur Entfremdung derjenigen in der Region führen würde, die lange Zeit dem Westen gegenüber freundlich gesonnen waren."
Nun liegt die deutsche Übersetzung des in französischer und englischer Sprache abgefassten Briefes vor. Sie finden diese deutsche Übersetzung nachfolgend, und alle drei Sprachversionen auf der Homepage des Ausschusses für soziale Fragen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) unter http://www.umc-europe.org/sozialefragen/direkt/fr-irakkonflikt.htm.
Die Eglise Protestante d'Algérie ist ein Zusammenschluss verschiedener protestantischer Kirchen in Algerien. Dazu gehören auch Gemeinden, die aus der Arbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche entstanden sind.

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Sehr geehrter Herr Präsident,
als christliche Gemeinschaften, die an der vordersten Front im Zusammentreffen von Religionen und Kulturen in einer Region stehen, in der Christen und Moslems, nach Jahrhunderten der Gewalt, nun seit vielen Jahren den Prozess des Friedens und der Verständigung zwischen den monotheistischen Religionen vorantreiben, sind wir tief besorgt über die Art und Weise, dass Präventivangriffe als Instrument internationaler Beziehung in Erwägung gezogen werden. Eine solche Politik ist ein Rückschlag im mühsamen Prozess zu einem international verbindlichen Recht und internationaler Beziehungen, der von engagierten Männern und Frauen über Jahrzehnte vorangetrieben wurde, besonders seit dem Ende der Feindschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Wir sind absolut überzeugt, dass dieser Prozess des Friedens und der Gerechtigkeit und die Suche nach friedlichen Mitteln fortgesetzt werden muss.
Angesichts der Tatsache, dass diese katastrophale Option unabwendbar erscheint, beschäftigt uns die Gefahr eines Krieges in unserer Region außerordentlich, nicht nur als christliche Führer, die gemäß grundlegender christlicher Prinzipien lange Zeit einbezogen sind in den Friedensprozess, sondern auch als Menschen, die erschüttert sind von der Aussicht auf die tiefen Zerwürfnisse, die ein solcher Krieg in der Region verursachen würde. Solch eine schwer wiegende Handlung würde die Bemühungen um Frieden und Versöhnung für viele kommende Generationen schwer stören. Nicht nur die Gegner eines Friedens würden ermutigt, auch die Friedensaktivisten in der Region würden entmutigt oder gar ganz zum Aufgeben gebracht.
Wir sind überzeugt, dass das Ergebnis eines solchen Krieges einen dauerhaften Graben zwischen den Menschen dieser Region und den westlichen Nationen aufreißen würde und darüber hinaus zur Entfremdung derjenigen in der Region führen würde, die lange Zeit dem Westen gegenüber freundlich gesonnen waren. Eine lang andauernde Instabilität ist die fast sichere Folge. Wir fordern eine tiefere und ernsthaftere Analyse der schwer wiegenden Folgen, die eine solche Politik hätte. Nach Ansicht der internationalen Gemeinschaft und insbesondere dieser Region ist bisher nicht überzeugend dargelegt worden, dass ein Präventivangriff gerechtfertigt ist, um eine schmerzliche Situation zu beseitigen. Wenn es einen Beweis gibt, wie Sie behauptet haben, der einen Angriff rechtfertigt, dann muss er klar und überzeugend der internationalen Gemeinschaft präsentiert werden.
Wir meinen, es ist wichtig, dass alle Entscheidungen, die schwer wiegende internationale Probleme betreffen, auch gemeinsam von allen Nationen, insbesondere durch die Gremien der Vereinten Nationen, getroffen werden.
Seien Sie sich, Herr Präsident, unserer unaufhörlichen Fürbitte um Weisheit und Mut in der Suche um die bestmöglichen Lösungen in der Förderung des Friedens und der Gerechtigkeit für die Menschen in der Region und damit in der ganzen Welt sicher.
Hochachtungsvoll

Monsignor Henri Teissier
Erzbischof von Algerien

Rev. Dr. Hugh G. Johnson
Präsident der Protestant Church of Algeria


Quelle: EMKNI

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