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EMKNI - 11.03.2003   Zurück zur Übersicht

USA: Anmerkungen von Jim Winkler, Generalsekretär des GBCS, zu einem möglichen Irak-Krieg

Wir veröffentlichen untenstehend die Anmerkungen von Jim Winkler, Generalsekretär des General Board of Church and Society (GBCS) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), vom 26. Februar 2003 zu einem möglichen Krieg im Irak:

„Die vorherrschende Annahme der Regierung in den Vereinigten Staaten ist, dass ein Krieg mit dem Irak unvermeidlich ist. Als Christ empfinde ich dies als unannehmbar. Viele von uns fahren fort, inbrünstig an einer friedlichen Lösung in dieser Krise zu arbeiten und sind an zahlreichen Gebetstreffen und Gottesdiensten, Märschen und Versammlungen, Friedenskonferenzen und Besprechungen mit Regierungsbeamten beteiligt, um einen beabsichtigten Krieg abzuwenden.

Ich bin dankbar, dass die Schwestern und Brüder aus Europa dazu gekommen sind, solidarisch mit uns gegen einen Krieg zu sein. Vor zwei Wochen traf ich den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder, um seine Anstrengungen zu unterstützen, einen Krieg zu verhindern. Ich habe bei den Bemühungen um ein Treffen von Religionsführern mit dem Präsidenten Bush geholfen. Durch den Nationalen Rat der Kirchen waren mehrere von uns daran beteiligt, Treffen zwischen US-Kirchenleitern und Regierungsbeamten und Kirchenleitern im Irak, Grossbritannien, Deutschland, Russland, Frankreich und Italien zu arrangieren. Die einzige Regierung, die sich weigert, mit Kirchenleitern zu sprechen, ist unsere eigene.

Nichts, was ich von Jesus Christus verstehe, führt mich dazu zu glauben, dass eine Unterstützung von Krieg und Gewalt notwendige oder tolerierbare Taten für Christen seien. Eines Tages werden Christen vor die Wahl gestellt sein, zu wählen zwischen ihrem Glauben an Gott und dem Friedensfürsten und ihrer Bereitschaft, am Krieg teilzunehmen. Warum nicht heute? Krieg ist eine unmoralische Wahlmöglichkeit. Dies bedeutet nicht, dass ich nicht für diejenigen bete, die sich freiwillig in den Dienst der Armee gestellt haben. Ich arbeite für den Frieden, so dass sie nicht töten müssen oder möglicherweise getötet werden.
Die vorgeschlagene nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten stellt eine dunkle Vision des ewigen Kriegs dar. Die neue Doktrin eines Präventivkriegs ist unmoralisch und eine Übertretung der internationalen Gesetzgebung. Wir, die Jesus Christus folgen, können diesen Verlauf nicht unterstützen. Die Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten den Irak durch eine militärische Invasion und die ganze Region in eine demokratische, pro-westliche Zone wieder herstellen können, ist eine Fantasie. Ich bin besorgt, wie wenig Amerikaner einen Sinn für den Nahen Osten und die islamische Geschichte und Kultur haben. Ganz gleich, wie verachtenswert Saddam Hussein ist, das irakische Volk will keinen US-Armeegeneral als ihren neuen Diktator, Vizekönig oder Statthalter. Weiter verheisst der fast vollständige Mangel an Bereitschaft unserer Regierung, die ursprünglichen Ursachen für den israelisch-palästinensischen Konflikt anzusprechen, nichts Gutes für die Besiedlung der ganzen Region.

Stellen Sie sich vor, wenn die mächtigsten Nationen in der Welt beschliessen würden, dass die Regierung der Vereinigten Staaten mit Gewalt zu Fall gebracht werden und durch eine auswärtige Herrschaft ersetzt werden müsste, weil wir gewaltige Mengen von Massenzerstörungswaffen produzieren und besitzen würden, einen ungewählten Führer hätten, die grössten Zerstörer der globalen Umwelt wären und weit mehr von den Ressourcen der Welt verbrauchen würden, als uns zustehn, uns mit verdeckten Aktionen beschäftigen würden, die zum Sturz und zur Destabilisierung von souveränen Nationen führen, unseren Reichtum an Reiche auf Kosten der Armen verteilten würden und eine gewalttätige, rassistische Gesellschaft wären. Selbst wenn dies alle wahr wäre und eine Invasion berechtigt wäre, um eine nahe bevorstehende Bedrohung für den Weltfrieden abzuwenden, würde sie ernsthaft unsere Gesellschaft verzerren und unsere Bevölkerung daraus folgern lassen, dass wir ausserstande seien, unsere eigenen Probleme anzugehen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass eine solche Invasion Verzweiflung, Ärger und gewalttätige Antworten bei unserern Leuten hervorrufen würde.

Weiter bin ich zutiefst besorgt wegen der Wirkung einer Invasion auf das irakische Volk. Die Hälfte der irakischen Bevölkerung sind Kinder. Denken Sie über das nach. Die Vereinten Nationen haben ermittelt, dass 1,26 Millionen irakischer Kinder im Fall eines Kriegs in Gefahr sind. Unser Militär beabsichtigt, in den ersten Tagen der Invasion Hunderte von Marschflugkörpern einzusetzen. Ein militärischer Sprecher ist zitiert worden, der sagte, dass es keinen sicheren Ort in Bagdad während der Angriffe mit Marschflugkörpern geben wird. Wir beabsichtigen, die Hölle auf den Irak und auf all diese Leute, nicht nur Saddam Hussein, loszulassen. Ich habe mit irakischen Christen Gottesdienste abgehalten und bin durch die Strassen von Bagdad gegangen. Die Menschen im Irak sind nicht unsere Feinde. Die Leute, die die fürchterlichen Angriffe vom 11. September ausführten, waren ernsthaft fehlgeleitet. Fundamentalismus in allen Religionen rund um die Welt ist eine gefährliche Kraft. Wir müssen die Organisationen und Führer, die den Terrorismus unterstützen, vor Gericht bringen. Diese Art von Auffassungsvermögen und die Polizeiarbeit sollten unterstützt werden. Ich bin vom Wunsch erfüllt, zu sehen, dass das Netz von Al-Qaida demontiert wird.

Mein Widerstand gegen einen Krieg ist zutiefst in meinem Glauben verwurzelt. Ich kann mich nicht zu Christus als meinen Heiland bekennen und gleichzeitig einen Präventivkrieg unterstützen. Ich kann Jesus leugnen und Krieg unterstützen, aber ich werde es nicht tun. Mein Glaube an Gott, von einigen als unwissenschaftlich angesehen, ist echt und erfahrbar für mich. Mein Widerstand gegen einen Krieg ist nicht ein idealistischer Wunschtraum, sondern eine Antwort aus dem Glauben. Wir sind heute hier, weil uns Jesus einen besseren Weg gezeigt hat.“

Prof. Dr. Helmut Nausner von der EMK in Österreich hat uns auf zwei interessante Texte hingewiesen, die sich inhaltlich auch gegen einen möglichen Krieg im Irak richten. Die beiden Texte sind im Internet in englischer Sprache abrufbar. Der erste Text ist die Abschrift einer Rede des US-Senators Robert Byrd vom 12. Februar 2003, der zweite Text ist das Rücktrittsschreiben des US-Diplomaten John Brady Kiesling vom 27. Februar 2003, der als politischer Berater in der amerikanischen Botschaft in Athen tätig war, an US-Aussenminister Colin L. Powell.


Quelle: EMKNI

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