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EMKNI - 14.03.2003   Zurück zur Übersicht

Argentinien/USA: Brief eines Bischofs an die amerikanischen Methodisten

Wir veröffentlichen untenstehend einen Brief des methodistischen Bischofs Aldo M. Etchegoyen aus Argentinien an die Methodisten in den Vereinigten Staaten wegen des drohenenden Kriegs im Irak. Bischof Etchegoyen ist im Ruhestand und Generalsekretär des Council of Evangelical Methodist Churches of Latin America and the Caribbean.

“An die Methodisten in den Vereinigten Staaten

Liebe Brüder und Schwestern im Glauben

Wir leben in einem schwierigen und gefährlichen Augenblick für die ganze Welt, aber besonders für die mit den Vorbereitungen eines Krieges direkt involvierten Länder. Ich möchte zu Ihnen aus einer tiefen christlichen Überzeugung sprechen, nicht mehr, als ein Bruder im Glauben. Ich kenne und habe viele wunderbare Menschen in Ihrem Land gekannt. Viele von ihnen haben mein Leben geformt und beeinflusst. Ich könnte eine lange Liste dieser lieben Menschen machen und sagen: “Danke, oh Gott, für das Leben dieser Menschen.” Vor mehr als 150 Jahren wurde die methodistische Kirche in Argentinien durch die Arbeit der Methodist Episcopal Church in the United States gegründet. Alle methodistischen Kirchen in Lateinamerika bilden einen Teil dieser reichen Geschichte, wo immer Ihre Kirche den Pfad öffnete.

Ein breites Spektrum der Menschheit hat von der Arbeit von Führern und Wissenschaftlern aus den Vereinigten Staaten profitiert. Viele Empfänger von Nobelpreisen in verschiedenen Sparten geben Zeugnis dieser Tatsache. Ihr Land hat sowohl viele berühmte Staatsmänner und Frauen als auch hervorragende internationale Leiter hervorgebracht. Jeden Sonntag geben Millionen von Menschen ihre Kollekte für die missionarische Arbeit und für die Entwicklung von armen Kirchen und Gemeinschaften.

Ich weiss vom Schmerz wegen den Terrorangriffen auf die Zwillingstürme und von den Tausenden von Famlilien, die eines ihrer Glieder am Familientisch oder in der Kirche verloren haben.
Wir im Süden haben unsere Probleme, unsere Ungerechtigkeiten und unsere Korruption. Wir haben die Reichen, die krankhaft mit ihrem Reichtum protzen und die Armen, die nichts zu essen haben. Wir haben Millionen von Kindern, die auf den Strassen wohnen, und Millionen von jungen Menschen ohne eine Zukunft.

Aber ich bin mir auch der vielen Wege bewusst, wobei ein Netz für die Geschäfte der Vereinigten Staaten geschaffen wurde, damit die Ressourcen dieser Welt nur zum Nutzen dieses Landes herausgezogen wurden. Ich könnte eine Liste der Invasionen Ihrer Militärstreitkräfte präsentieren, die seit 1824 die Länder von Lateinamerika und der Karibik angegriffen haben. Die Liste würde 73 Invasionen in 13 verschiedenen Ländern umfassen. So wie Schmerz, als Folge des Angriffs auf die Zwillingstürme, entstand, gab es in jenen Invasionen auch viele Todesfälle und Familien, die ihre geliebten Glieder durch illegale Militäraktionen ohne legale Gesetze oder Rechte verloren haben. Können wir das Terrorismus nennen? Was kann darüber gesagt werden, wie Ihre Regierung Tausende von lateinamerikanischen Militärpersonen in Führungsverantwortung trainierte, um einen Staatsterrorismus auszuführen und Experten im Foltern und dem Verschwinden von Personen zu werden.

Ich bin überrascht, zu erfahren, dass die Vereinigten Staaten das Dokument der Vereinten Nationen über die Rechte von Kindern nicht ratifiziert haben und gegen die Bildung eines internationales Gerichts für Gerechtigkeit sind, um Verbrechen zu beurteilen, die gegen die Menschlichkeit sind, und wovon es so erbärmlich viele gibt. Wir wissen auch von den falschen Reden von Verantwortlichen Ihrer Regierung mit Worten über Freiheit und Rechte, Demokratie und das Wohl der Nationen und wie wichtig es sei, sich nicht in auswärtige Angelegenheiten von anderen Ländern einzumischen. Wir sind von der Verwendung des Namens Gottes überrascht, um einen Hauch von Religiosität auf all dies zu legen. Vor einigen Wochen sagte Ihr Präsident, als er sich auf den Konflikt bezog, in dem er engagiert ist, dass Gott nicht neutral sei. Das Militär von Lateinamerika sagt das Gleiche, um seine Verbrechen gegenüber den Menschen zu rechtfertigen. Ist es ein Zusammentreffen einer Form von “Christentum”, um eine solche Gewalt zu rechtfertigen?

Ja, Ihr Präsident hatte recht! Gott ist nicht neutral. Gott ist für Frieden, Wahrheit, Gerechtigkeit und die Würde jeder Person und Gemeinschaft, ungeachtet der Hautfarbe, Religion oder Staatszugehörigkeit. Gott ist nicht neutral. Gott weist alle Gewalttätigkeit und allen Krieg zurück. Niemand kann sich das Recht verleihen, ein Instrument von Gott zu sein, um Gewalt zu “rechtfertigen”, wenn wir wissen, dass das Zeichen von Gottes Liebe ein neugeborenes Kind in der Krippe war.
Lasst uns daran erinnern, wie gesegnet die Friedensstifter sind, sie werden Kinder Gottes genannt werden. Wie nennt man jene, die heute Krieg rechtfertigen? Ich höre immer und immer wieder, dass ein neuer Name Ihrem Land gegeben wird. Er heisst: “Das Imperium”. Und was mich mehr schmerzt, ist, dass Ihr Imperium mit Christentum identifiziert wird. Nie hat es in dieser Welt zuvor Kundgebungen gegen einen angekündigten Krieg gegeben. Ich bin beleidigt, dass Ihre Regierung droht, dass dieser Krieg mit oder ohne das Einverständnis der Vereinten Nationen geschieht. Wie können wir diese Tat nennen? Imperialer Terrorismus?

Ich versichere Ihnen, dass meine Worte nicht provozieren wollen, lieber sollen sie mehr “Sandkörner” sein, damit der Berg der Wörter wächst, der “Nein” sagt, bitte verursacht dieses Massaker nicht. Was wird später geschehen?

Ich bitte darum, dass Ihre Söhne und Töchter, die in den Krieg geschickt worden sind, nach Hause zurückgebracht werden. Dies sollte nicht als eine Niederlage, sondern als eine bedeutsame und werte Geste von Frieden und menschlicher Würde betrachtet werden. Dies ist ein Krieg zwischen den Mächtigen, wo es darum geht, wer das Öl kontrollieren wird. Millionen von Fässern des “schwarzen Goldes” sind auch nicht den Verlust eines Leben Ihrer oder von jenen, die Sie “Feinde” nennen, wert. Ich weiss, dass Tausende und Tausende von Briefen und Bitten Ihrem Präsidenten zugesandt worden sind, die um Ruhe und Frieden bitten. Krieg bringt eine Gewalttätigkeit mit sich, die unvorstellbar ist. Tausende und Tausende von Familien werden zerstört werden und Dutzende von Vereinbarungen und internationalen Vereinbarungen für eine bessere Welt werden zerbrochen werden.

Immer noch bitte ich Gott darum, Erbarmen mit Ihnen und mit allen Menschen zu haben. Ich bitte Gott darum, Unordnung in die Pläne zu bringen, die für die Vorbereitung des Kriegs gemacht werden. Ich bitte Gott darum, himmlischen Regen zu senden, um das Feuer auszumachen, das im Begriff ist, aufzuflammen.

Mit Aufrichtigkeit und Liebe, Ihr Bruder im Glauben,

Bischof Aldo M. Etchegoyen, Buenos Aires”


Quelle: EMKNI

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