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EMKNI - 18.03.2003   Zurück zur Übersicht

Welt/Schweiz: Bischof Heinrich Bolleter zum bevorstehenden Krieg im Irak

Bischof Heinrich BolleterAngesichts des bevorstehenden Krieges wendet sich Bischof Heinrich Bolleter von der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) an die Mitglieder der EMK. In seinem Aufruf fordert er die Christen auf, nicht antiamerikanischen und antiirakischen Gefühlen nachzugeben, sondern ganz besonders an die 1,26 Millionen Kinder im Irak zu denken, und an die Angehörigen der Armee, die grosse Ängste durchleben werden. Im Folgenden der Wortlaut des Schreibens von Bischof Bolleter, das in ein Gebet und Schrei zu Gott mündet.

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Ein Wort zur Lage für die Mitglieder der Evangelisch-methodistischen Kirche in Mittel- und Südeuropa

Am frühen Dienstagmorgen (Europäische Zeit) hat Präsident Bush in einer Ansprache an die Nation dem Irak mit einem 48 Stunden Ultimatum praktisch den Krieg erklärt.
Trotz der weltweiten Demonstrationen für den Frieden, trotz aller politischer und diplomatischer Anstrengungen, trotz des Mahnens und trotz des politischen Einsatzes des Papstes und aller Christlicher Führer, trotz der Interventionen der United Methodist Church und ihrer Bischöfe in den USA und weltweit (das ist die Kirche, der Präsident Bush noch angehört) soll es nun zur militärischen Intervention und zum Krieg kommen. Wir beklagen das Versagen der Diplomatie und den Sieg der politischen Unvernunft.
Wir beklagen noch vielmehr die Renitenz eines Saddam Hussein im Blick auf eine Zusammenarbeit mit der UNO, und dessen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Wir beklagen die Missachtung des Völkerrechts und die Unfähigkeit der Verantwortungsträger in der Politik einen Konsens über weitere politische Massnahmen in der Irak-Kontroverse zu finden.
Angesichts des bevorstehenden Krieges bitten wir die Kriegsparteien um Schonung der Zivilbevölkerung und um einen Verzicht auf eine sinnlose und nachhaltige Zerstörung der Schöpfung und der Ressourcen, die Menschen und Tiere zum Leben brauchen.
Wir weigern uns, diesen Krieg als einen Kampf der Kulturen oder der christlichen gegen die islamische Welt zu verstehen. Andere Motive wie Machtansprüche, wirtschaftliche Interessen, Angst vor Waffenarsenalen in den Händen eines Diktators und Unverstand provozieren diesen Krieg. Wir glauben nicht, dass man mit einem Krieg "das Böse" überwinden und eine bessere oder demokratischere Gesellschaftsordnung aufbauen kann. Wir erwarten deshalb weiterführende Massnahmen für eine Veränderung der bedrohlichen Zustände im Mittleren Osten und sind auch bereit aufbauende und friedensfördernde Massnahmen mit zu tragen.
Wir beten für alle, deren Leben durch diesen Krieg in Gefahr ist. Wir lassen uns hier auf dem Europäischen Kontinent nicht in eine anti-amerikanische Haltung drängen. Wir sehen in der irakischen Bevölkerung jedoch auch nicht unsere Feinde. Wir denken in besonderer Weise an die 1,26 Millionen Kinder im Irak, deren Leben durch den Krieg bedroht ist. Wir denken an die tiefen Ängste, welche die Familien, Frauen, Mütter und Kinder der Soldaten durchleben müssen. Darum beten wir:


Gebet
Herr, unser Gott!
Wir sind zutiefst erschrocken über den Krieg, der mit dem Ultimatum eine kaum mehr vermeidbare Wirklichkeit geworden ist. Gib allen Beteiligten die Einsicht, dass Krieg kein Mittel der Konfliktlösung ist. Herr Jesus Christus! Du Friedefürst, lass Deinen Frieden stärker sein, als die Kräfte des Bösen, des Hasses und der Vergeltung. Gib Nüchternheit und einen neuen Willen zu Deinem Schalom. Du Geist der Wahrheit, lass uns nicht nur deshalb den Frieden wollen, weil der Friede unser erworbenes Stück an Wohlstand sichert. Lass uns nicht ruhen, bis auch die anderen Brot und Frieden bekommen haben. Amen.


Lied:
Gib uns Frieden jeden Tag! GB 591,1-3

Zürich, den 18. März 2003
Heinrich Bolleter, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche


Quelle: Bischofssekreariat, Urs Schweizer

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