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EMKNI - 26.05.2003   Zurück zur Übersicht

USA: Burnouts und Depressionen bei Pfarrern

„Du kannst nicht immer nur geben, manchmal musst Du auch empfangen,“ sagt ein Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), der plötzlich merkte, dass er psychische Probleme hatte und Hilfe benötigte.
Es ist nicht ungewöhnlich für Pfarrer, wenn sie sich bei ihrer einzigartigen Verantwortung überlastet fühlen. Die Anzahl von Burnouts und Depressionen bei Pfarrern wächst in den Vereinigten Staaten, viele zögern aber, Hilfe zu suchen - ein problematischer Trend, seit sich viele Amerikaner zuerst an ihren Pfarrer wenden, wenn sie seelische Betreuung nötig haben.
Während viele Pfarrer glücklich und mit ihren Aufgaben zufrieden sind, finden andere die Anforderungen erbarmungslos. Es wird erwartet, dass die Pfarrer die Gemeindemitglieder durch Hochzeiten und Begräbnisse, Kirchenessen und persönliche Probleme führen und jeden Sonntag eine Predigt liefern, die die ganze Woche als Inspiration dienen soll. Viele Pfarrer kämpfen, um genügend Zeit für sich und ihre Familien zu finden und mit den idealisierten Vorstellungen der Gemeinde. Oft glauben sie, dass ihre Gefühle das Ergebnis eines geistlichen Versagens seien, das nur mit noch stärkerer Hingabe und Gebet gelöst werden kann. Oder sie sind beunruhigt, dass das Offenlegen ihrer Gefühle ihre Führung innerhalb ihrer Gemeinden gefährden könnte.
„Was auch immer dem Fall ist, Pfarrer stellen die Gemeinden häufig vor die eigenen Anliegen und fahren fort, geistliche und emotionale Hilfe zu geben, sogar wenn sich die eigene Situation verschlechtert,“ sagt Andrew Weaver, Pfarrer der EMK und ausgebildeter Psychologe, der die Geistlichen und ihre mentale Gesundheit seit mehr als einem Jahrzehnt untersucht hat.
An der Duke University Divinity School fand man im Jahr 2001 bei rund 2’800 Pfarrern, anhand eines Forschungsprojekts von „Pulpit & Pew“, heraus, dass grob ein Viertel bei den Ergebnissen zu Fragen betreffend der mentalen Gesundheit wesentlich unter dem öffentlichen Allgemeinwohl lagen. Dass heisst, Pfarrer antworteten auf solche Fragen, als ob sie sich in letzter Zeit traurig oder angeschlagen gefühlt hätten, obwohl die Studie nicht darauf ausgerichtet war, mögliche mentale Beeinträchtigungen bei Geistlichen zu ermitteln. Viele Pfarrer empfanden, gemäss der Untersuchung, ihre Arbeit als wirkungslos und hatten Zweifel an ihrer Berufung.
Die Anzahl dieser Pfarrer scheint zu wachsen, meint John Arey in Charlotte, N.C. Er ist verantwortlich für ein ökumenisches pastorales Betreuungsteam, das von der EMK unterhalten wird. Pro Woche trifft er bis zu fünf Pfarrer. „Es ist sehr schmerzhaft zu hören, was sie mit sich herumtragen und wie lange sie schon damit gerungen haben,“ sagt er.
„Einige Pfarrer finden es einfach schwer, mal eine Auszeit zu nehmen und sich ihren Problemen zu stellen,“ sagt Jim Schlottman, Verantwortlicher eines ökumenischen pastoralen Betreuungsteams in Denver. Pfarrer zu sein, kann eine sehr einsame Position sein, glaubt er und fragt: „Wer ist der Pfarrer für die Pfarrer?“
Das Problem bleibt nicht unbeachtet: Mehr als 150 Verantwortliche der EMK werden sich diesen Sommer zu einer Konferenz in Syracuse, Ind., treffen. Ein Teil der Diskusssion wird sein, wie die geistliche Führung und die mentale Gesundheit verbessert werden können. In New Jersey hat die Frau des Bischofs eine Hilfsgruppe gebildet, die sich speziell um den Ehepartner bei einer Stresssituation kümmert, da sich dies auch auf die Pfarrerin oder den Pfarrer auswirkt.
Eine Hoffnung besteht: Da die Akzeptanz von Burnouts und Depressionen bei Pfarrern zunimmt, bekommen immer mehr Geistliche den Mut, Hilfe zu suchen. Dabei können sie aus einem wachsenden Hilfsangebot auswählen.


Quelle: United Methodist News Service / EMKNI

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