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EMKNI - 06.11.2003   Zurück zur Übersicht

Grossbritannien: Anglikaner und Methodisten haben Bündnis unterschrieben

Am 1. November 2003 haben die geistlichen Führer der anglikanischen Staatskirche von England (Church of England) und der Methodistischen Kirche von England (Methodist Church) in Anwesenheit von Königin Elizabeth II. eine Bündniserklärung unterzeichnet, die eine engere Partnerschaft zwischen den beiden Kirchen vorsieht (siehe auch EMKNI-Meldungen vom 29.09.2003, 03.07.2003 und 17.12.2001). Schon früher wurden Versuche einer Annäherung unternommen, die aber bis jetzt immer gescheitert waren. Somit war es jetzt ein historischer Tag für beide Kirchen.

Sven Büchmeier, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Baden/Schweiz, war am Tag der Unterzeichnung in London dabei:

„Der 1. November 2003 wird als ein historischer Tag, was die Beziehungen zwischen der Methodistischen Kirche von England und der Anglikanischen Kirche von England anbelangt, in die Geschichtsschreibung eingehen. Am Allerheiligentag diese Jahres wurde nämlich in London in der Methodist Central Hall und in Westminster Abbey der zwischen beiden Kirchen beschlossene Bund (Covenant) unterzeichnet und mit einem Dankgottesdienst gebührend gefeiert. Dass dieser Bund zustande kam, ist keineswegs selbstverständlich. Schon zweimal zuvor hatte die Methodistische Kirche von England der Anglikanischen Kirche eine ähnliche Vereinbarung vorgeschlagen. Dies wurde in der Vergangenheit aber jeweils von anglikanischer Seite abgelehnt. Dem dritten Anlauf, der jetzt allerdings auf einer beidseitigen Initiative beruhte, war nun also Erfolg beschieden. Das ist deshalb so bemerkenswert, weil zwischen beiden Kirchen in England eine schmerzhafte Trennungsgeschichte das bisherige Verhältnis belastete. Der Bedeutung dieses Ereignisses Rechnung tragend, gab sich Ihre Majestät Queen Elisabeth II. die Ehre, sowohl am Akt der Unterzeichnung in der Methodist Central Hall als auch dem anschliessenden Gottesdienst in Westminster Abbey beizuwohnen. Sie tat dies in ihrer Funktion als Oberhaupt der Kirche von England. Als Beinamen trägt sie ja auch den Ehrentitel „Defender of Faith“ (Verteidiger des Glaubens).

Inhaltlich stellt der Bund die Beziehung beider Kirchen auf eine ganz neue Grundlage. Es sind vor allem praktische Belange, wie zum Beispiel die gegenseitige Anerkennung des ordinierten Amtes oder Abendmahlsgemeinschaft und Kanzeltausch, die vereinbart wurden. Somit ist dieser Bund in etwa vergleichbar mit den Vereinbarungen, die die EMK in der Schweiz mit den Reformierten Kirchen der Schweiz schon seit geraumer Zeit getroffen hat.

In Vertretung unseres Bischofs Heinrich Bolleter, der zur Bischofskonferenz in den USA weilte, durfte ich an diesen Feierlichkeiten teilnehmen, die mich zutiefst beeindruckt haben.

Alle geladenen Gäste mussten bis spätestens eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung ihre Plätze in der Central Hall eingenommen haben. Das gehörte zu den umfangreichen Sicherheitsmassnahmen, die in diesen Zeiten bei solchen Anlässen leider getroffen werden müssen. Ohne spezielles Ticket und eine gründliche Leibesvisitation gab es keinen Zutritt. Die Stimmung in der Central Hall war von einer aufgeregten Gespanntheit geprägt, bis ein fulminantes Orgelspiel die Anwesenden auf das Kommende innerlich vorbereitete. Eine Orgelfanfare kündigte dann den Einzug der Queen in die Methodist Central Hall an, die durchaus ein geschichtsträchtiger Ort ist, da hier die erste UNO-Vollversammlung stattfand. Ein bewegender Moment war, als zwei Jugendliche der beiden Kirchen die in grosse schwarze Bücher gehefteten und zu unterzeichnenden Verträge hereintrugen und auf dem Altar ablegten. Nach dem die entsprechenden Repräsentanten der beiden Kirchen den Bund unterzeichnet hatten, gab es einen spontanen Applaus, was auch die Queen sichtlich erfreute.

In einer kurzen Ansprache ging Erzbischof Dr. Rowan Williams auf das grosse Erbe John Wesleys ein, lobte das Engagement der Methodisten und gab seiner Freude über den nun zustande gekommenen Bund Ausdruck. Bemerkenswert war seine Offenheit, so bezeichnete er es gewissermassen als eine Ironie des Schicksals, dass am heutigen Tag dieser Bund mit einer von der Anglikanischen Kirche getrennten Kirche unterzeichnet werde, während zur selben Zeit die Gefahr eine neuen Abspaltung bestünde, im Blick auf die bevorstehende Weihe eines Bischofs in den USA, der sich zu seiner Homosexualität bekannt hat.

Nach dem feierlichen Festakt in der Central Hall zog die ganze Festgemeinde in die gegenüberliegende Westminster Abbey, um dort einen Dankgottesdienst zu feiern. Auch dies ging nicht ohne grosse Sicherheitsvorkehrungen von statten. Wir mussten durch einen von Polizei und Sicherheitskräften sorgfältig abgeschirmten Korridor zur prachtvollen Hauptkirche der Church of England gehen. Jeglicher Kontakt mit den zahlreichen Zaungästen war allen Teilnehmern eindringlich untersagt.
Beim Einzug in die Kirche wurden wir vom bezaubernden Klang der Orgel mit Werken von Johann Sebastian Bach und Samuel Sebastian Wesley begrüsst. Der hervorragende Knabenchor der Westminster Abbey sang einen Choral aus Händels Messias. Spätestens jetzt wurde es jeder und jedem warm ums Herz. Der emotionalste Moment war für mich, als wir uns gegenseitig in liebevollen Worten die Gemeinschaft in Christus zusprachen und gegenseitig versicherten.
Die Kirche dürfe sich nicht um sich selbst drehen und auch ein solcher Bund sei kein Selbstzweck, sondern müsse Ausdruck dafür sein, dass wir nur gemeinsam dem Auftrag und der Botschaft Jesu gerecht werden, betonte Neil Richardson, der Präsident der Methodistischen Kirche von England.
Mit grosser Inbrunst wurde am Ende des Gottesdienstes im Beisein der Queen die National Hymne Englands gesungen.

Beim anschliessenden Mittagessen im „Church House“ leitete Erzbischof Williams das Tischgebet mit folgenden Worten ein: „Da wir jetzt mit den Methodisten zusammen sind, lasst uns das Tischgebet singen“. „Nun danket alle Gott...“

Alle Beteiligten, mit denen ich sprechen konnte, bezeichneten diesen Bund als einen grossen Schritt vorwärts, hin zur vollen und sichtbaren Einheit beider Kirchen, die aufgrund noch bestehender Differenzen sicherlich noch Zukunftsmusik ist, aber doch klar als gemeinsames Ziel formuliert ist.
Somit ist mit diesem Bund ein grosses ökumenisches Hoffnungszeichen gesetzt worden, dass auch seine Wirkungen in der weltweiten Ökumene haben wird. Vor allem der Dialog zwischen der United Methodist Church (UMC) und der Anglikanischen Kirche auf Weltebene kann und wird davon profitieren. Aber auch in der Schweiz können wir Zeichen setzen, zum Beispiel dass dort, wo anglikanische Gemeinden vor Ort sind (zum Beispiel in Zürich), der bilaterale Kontakt verstärkt und im Anschluss an den 1. November ein gemeinsamer Dankgottesdienst gefeiert wird.“


Quelle: Pfr. Sven Büchmeier / EMKNI

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