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EMKNI - 30.10.2003   Zurück zur Übersicht

Makedonien: EMK kümmert sich weiter um die Roma-Familien

Seitdem die Roma von Medjitlija (an der Grenze zu Griechenland) nach Suto Orizari, Kumanovo und Katlanovo gebracht worden sind (siehe EMKNI-Meldung vom 19.08.2003), ist es stiller um sie geworden. Die Schlagzeilen - auch jene der methodistischen Presse - gelten anderen Menschen. Dies bedeutet aber nicht, dass sich Verantwortliche der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Makedonien nicht mehr um die Roma kümmern würden. Die provisorisch in Privatunterkünften in Suto Orizari lebenden Roma-Familien haben beispielsweise im Rahmen zweier Aktionen 50 bzw. 105 grosse Schachteln mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln erhalten. Drei Roma-Kinder, welche seit einem Monat in die Schule nach Skopje gehen, erhalten eine Reisekostenerstattung. Auch ein Arzt konnte gefunden werden, der die Roma medizinisch betreut. Und die Verantwortlichen der EMK in Makedonien bleiben mit den Roma im Kontakt, um gemeinsam mit ihnen und anderen Institutionen eine für ihre Situation und Problematik angebrachte Lösung zu suchen.

Gegenwärtiges Umfeld
Das makedonische Parlament hat ein neues Asylgesetz verabschiedet. Dieses Gesetz besagt, dass alle "vorübergehend ausgesiedelten Personen" (und dazu gehören auch die Roma aus dem Kosovo) bis Ende Oktober 2003 einen Asylantrag für die Republik Makedonien ausfüllen müssen, wenn sie im Land bleiben wollen. Im Gespräch mit den Roma hat EMK-Pfarrer Mihail Cekov aber deutlich herausgespürt, dass sich viele vor diesem Schritt fürchten. Setzen sie nämlich ihre Unterschrift unter einen ausgefüllten Asylantrag, erhalten sie einen neuen Status. Damit ist verbunden, dass nicht mehr länger die internationale Gemeinschaft bzw. das UNHCR für sie verantwortlich ist, sondern das makedonische Parlament. Inwiefern dieses angesichts der gegenwärtigen Probleme und Herausforderungen im Land die Versorgung der Roma tatsächlich sicherstellen kann und will, ist für die Kosovo-Roma höchst fraglich. Zwar hat das UNHCR unterdessen versprochen, es werde den Roma auch weiterhin helfen. Das fehlende Vertrauen zu dieser Organisation hindert aber viele Roma daran, diesen Versprechungen Glauben schenken und deshalb die Angst vor dem Einreichen eines Asylantrages überwinden zu können. Einige haben bereits deutlich erklärt, sie würden keinen Asylantrag unterschreiben. Dies allerdings wird ihren Rücktransport in den Kosovo zur Folge haben, wo - wie schon früher berichtet - derzeit niemand für ihre Sicherheit garantieren kann. Neben den 700 Asphalt-Roma von Medjitlija befinden sich noch weitere rund 1'600 Roma aus dem Kosovo in Makedonien (total also rund 2'300). Gut 30% von ihnen sind mit makedonischen Staatsbürgerinnen und -bürgern verheiratet. Es wird deshalb erwartet, dass nach Annahme des Asylantrages noch ungefähr 1'200 Roma in Makedonien bleiben werden.

Geplante Massnahmen
Unter den 700 Asphalt-Roma gibt es über 200 schulpflichtige Kinder. Diese besuchen jedoch nur in den wenigsten Fällen regelmässig einen Schulbesuch, weil es ihnen an Kleidung, Schuhen und Schulmaterial fehlt. Mihail Cekov hat die Verantwortlichen der Roma-Gruppe beauftragt, eine Liste aller Schulkinder anzufertigen. Mit der Umsetzung dieses Auftrags wurde bereits begonnen, und es ist zu erwarten, dass im Verlauf dieser Woche ein Überblick über die schulpflichtigen Kinder vorliegen wird. Die Liste wird Grundlage einer Schulmaterial-Hilfsaktion sein, die von Verantwortlichen der EMK in Makedonien geplant wird.

Daneben ist der Arzt gegenwärtig damit beschäftigt, einen Bericht über den Gesundheitszustand der Roma zu verfassen und eine Liste der am dringendsten benötigten Medikamente zu erstellen. Diese sollen - soweit sie nicht anderweitig organisiert werden können - von Verantwortlichen der EMK in Makedonien eingekauft und den hilfsbedürftigen Roma zur Verfügung gestellt werden.

Und schliesslich ist für die kommende Zeit eine dritte Verteilung von Lebensmitteln und Hygieneartikeln geplant. Weil die Gruppe der in Suto Orizari untergebrachten Asphalt-Roma noch einmal angewachsen ist, wird diese Aktion rund 150 grosse Pakete umfassen.

Diese Hilfe kann geleistet werden, weil sich Männer und Frauen in Makedonien tatkräftig für die Roma engagieren und weil Christen in Europa und den USA bereit sind, diese Aktionen gelebter Nächstenliebe finanziell zu unterstützen. Dafür sind wir von Herzen dankbar.


Quelle: Urs Schweizer, Bischofssekretariat

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