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EMKNI - 04.09.2003   Zurück zur Übersicht

Italien: Abschied von den Waldenser-Spitälern

Vom 24. - 29. August 2003 tagte in Torre Pellice (Piemont) die Synode der seit 1979 durch eine Integrationsvereinbarung verbundenen Waldenser- und Methodistenkirchen in Italien.
Die Synode stimmte dem Entscheid zu, die drei Spitäler in Turin, Pomaretto und Torre Pellice an die Region Piemont abzutreten, zur Überführung ins öffentliche Gesundheitswesen. Durch Veränderungen im Gesundheitswesen waren die Spitäler in dramatische finanzielle Schwierigkeiten geraten. Eine ausserordentliche Synode vom März 2003 beauftragte die Tavola Valdese (Exekutiv-Organ) nach Lösungen für die Krise zu suchen. Die Abtretung an die Region zeigte sich als einziger Weg, ein „Grounding“ per 1. Juli 2003 zu verhindern, den Dienst der Spitäler aufrecht zu erhalten, Entlassungen zu vermeiden und ein grosses finanzielles Desaster für die ganze Kirche abzuwenden. Die der Genehmigung vorausgegangene Debatte war intensiv und leidenschaftlich. Sie berührte einen für das Leben und den Dienst der Kirche extrem delikaten Punkt. „Ohne die Spitäler sind wir eine amputierte Kirche“, war eine der Aussagen. Es wurde die Zuversicht geäussert, dass die künftigen Verantwortlichen für die Spitäler „in grosser Gewissenhaftigkeit mit dem Erbe umgehen werden, das sie erhalten haben“.
Die Trennung von den Spitälern löste Fragen nach der zukünftigen Gestalt der Diakonie aus. Es wurden Massnahmen eingeleitet zur Sicherung des Dienstes der Altersheime. Ebenso wurde ein Prozess eingeleitet, in Gemeinden und Kommissionen nach den Bedürftigen von heute zu fragen und nach der spezifischen Diakonie einer Kirche in der Diaspora mit reformatorischem Bekenntnis.
Weitere Diskussionspunkte der bewegten Synode waren:

„Gemeinsam Kirche sein“. Durch die verstärkte Immigration von Menschen evangelischen Glaubens nach Italien treffen in vielen Gemeinden zwei christliche Kulturen aufeinander: das bedächtige, intellektualisierte und aufgeklärte Christentum westlicher Prägung und das sprudelnde, emotionale und eher konservativen Werten zugewandte Christentum afrikanischer und asiatischer Prägung. Es sind Modelle entstanden, wie trotz Unterschiedlichkeit gemeinsam Kirche gelebt werden kann, Modelle, die auch für die Gesellschaft als wegweisend betrachtet werden. Vor Kurzem hat ein methodistischer Pfarrer aus Ghana ein „Pfarramt für Integration“ angetreten mit dem Auftrag der Sammlung der afrikanischen Christen und der „kulturellen Mediation“ der italienischen und afrikanischen Komponenten in den Gemeinden des Nordens.

Die Beziehungen zum Staat. Es fielen harte Worte zum Entwurf eines neuen Gesetzes über die Religionsfreiheit. „Lieber kein Gesetz für die Religionsfreiheit als dieses schlechte“. „Religion wird hier als ‘gefährliche Aktivität‘ betrachtet, die man einer ‘überwachten Freiheit‘ unterstellen muss.“ „Mit diesem Gesetz hat man die Polizei in der Kirche wie zu Zeiten des Faschismus“. Belastet wird die Beziehung zum Staat durch den Rückstand von 12 Millionen Euro bei der Auszahlung des Otto per mille (Italienische Kirchensteuer). Die Behörden haben den Vollzug einer von der Synode 2001 beschlossenen Änderung verschlampt (Beanspruchung von Geldern auch aus dem Topf der nicht einer bestimmten Institution zugewiesenen Kirchensteuern).

Der bedrängende Pfarrermangel, und auf dessen Hintergrund Fragen nach der Ausbildung und nach der Begleitung von Studierenden und in den Dienst Eintretenden. Ebenso sollen Bemühungen verstärkt werden, in den Gemeinden Begabungen zu finden und zu fördern, die für die Verkündigung fruchtbar gemacht werden können, im Sinne des in Methodisten- und Waldensergemeinden lebendigen Tradition des „Priestertums aller Gläubigen“.

Die seit längerem bestehende Krise der Casa Materna, einem methodistischen Werk mit Kinderheim und Schulen in Portici bei Neapel, beschäftigte auch diese Synode. Die Situation ist komplex und sehr ernst. Im Gespräch mit allen beteiligten Seiten werden Wege gesucht, die Schwierigkeiten der letzten Jahre zu bewältigen und geordnete Lösungen für das Werk zu finden.


Quelle: Theo Rickenbacher

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