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EMKNI - 23.09.2003   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Eine längerfristige Lösung für die Roma fehlt noch

Seit die Asphalt-Roma von Medjitlija ihr Lager an der Grenze zu Griechenland verlassen mussten und auf drei Lager (Katlanovo, Kumanovo und vor allem Suto Orizari) verteilt wurden, ist zumindest vordergründig eine Reduktion des Engagements für eine zukunftsfähige Lösung für die 700 Menschen eingetreten. Aus dem Europäischen Rat ist zu hören, die Krise sei gelöst, und eine weitere Unterstützung würde sich vor allem in der Bereitschaft manifestieren, der Republik Makedonien bei der Umsetzung und Handhabung des neuen Asylrechts beizustehen. Ausserdem solle in etwa drei Monaten eine Sitzung der beteiligten internationalen Organisationen stattfinden, um die weiteren Entwicklungen betreffend dieser Flüchtlinge («refugees») zu untersuchen.

Die UNHCR gibt den Roma-Familien zwar eine monatliche Unterstützung, weil aber 70 bis 90 Prozent davon für die Miete der bescheidenen Unterkünfte eingesetzt werden müssen, sind die Roma weit davon entfernt, ihren Lebensunterhalt selber bestreiten zu können. Immerhin lebt inzwischen niemand mehr auf der Strasse; auch nicht jene Roma, die — nach eigenen Aussagen teilweise unter Zwang — vom Lager in Kumanovo nach Suto Orizari nachgekommen sind.

Die Lebensmittel-Unterversorgung bleibt also ein bedrängendes Problem. Deshalb hat die EMK in Makedonien den 105 Roma-Familien in Suto Orizari am 9. September 2003 erneut ein grosses Paket mit Lebensmitteln, Vitamintabletten und Hygieneartikeln verteilt. Diese Hilfe soll auch bis auf weiteres zweimal monatlich fortgesetzt werden. Ebenso unbefriedigend ist die medizinische Versorgung. Viele der Roma haben als Folge der Hitze in Medjitlija chronische Kopfschmerzen. Es sind auch einige Tuberkulosefälle aufgetreten. Die Verantwortlichen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Makedonien haben inzwischen einen jungen Arzt gefunden, der bereit ist, einmal in der Woche nach Suto Orizari zu gehen, um an Ort und Stelle die Roma zu betreuen. Wenn sich diese Lösung bewährt, wird die EMK auch wieder die für diesen Dienst benötigten Medikamente zur Verfügung stellen.

Das Hauptproblem, eine dauerhafte Unterbringung zu finden, bleibt damit aber ungelöst. Es zeigt sich inzwischen immer klarer: Wenn eine Rückkehr in den Kosovo nicht möglich ist - und so ist es nach wie vor -, muss eine Ansiedlung in der Nähe von Skopje gesucht werden, weil dort die Bedingungen, eine Arbeit zu finden, am besten sind. Ob sich ein solches Projekt auch realisieren lässt, ist zur Zeit aber alles andere als sicher. Denn zum einen muss eine Gemeinde gefunden werden, welche überhaupt bereit ist, die Roma aufzunehmen, und zum anderen muss wohl auch ein Niederlassungs- und Integrationsprogramm realisiert werden, von dem nicht nur die Roma, sondern auch die aufnehmende Gemeinde/Region profitieren kann. UMCOR, das Hilfswerk der EMK, hat in Bosnien und Herzegowina solche Projekte schon erfolgreich realisiert. Gemäss einer Schätzung müssen dafür aber mindestens 1,5 Mio USD in die Hand genommen werden. Dass jede humanitäre Hilfe Druck von der UNHCR oder von anderen nationalen/internationalen Organisationen nimmt, dauerhafte Lösungen zu suchen, macht die Tätigkeit der EMK in Makedonien nicht eben einfacher. Aber kann es eine Option sein, Menschen leiden zu lassen, damit mehr Bewegung in die Sache kommt?

Das Überleben der Roma ist also einigermassen sichergestellt — auch durch Hilfe der EMK. Ideen zu einer längerfristigen Lösung sind auf dem Papier ebenfalls vorhanden. Was im Moment fehlt, sind Orte, wo diese Ideen auch realisiert werden können.


Quelle: Urs Schweizer, Bischofssekretariat

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