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EMKNI - 21.04.2004   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Roma werden wegen medizinischer Hilfe der EMK unter Druck gesetzt

Zwischen dem 29. März und dem 9. April 2004 gab es 146 Untersuchungen an 11 Tagen: die Ärztin Dr. Lidija Ristevska und die Krankenschwester Brankica haben sich mit ganzer Kraft für die in Suto Orizari gestrandeten Roma eingesetzt und dabei eine umfangreiche und sehr gute Arbeit geleistet (siehe auch EMKNI-Meldung vom 06.04.2004). Es gibt über jeden Patienten einen ausführlichen Krankenbericht mit Diagnose und Behandlung.

Die häufigsten Krankheiten waren Herzkrankheiten, hoher Blutdruck und verschiedenste Infektionen bei allen Altersgruppen. Viele Patienten leiden auch unter Stress und krankhaften psychischen Veränderungen. Ebenfalls häufig anzutreffen sind schliesslich Rheuma, Gastritis und Ohrenentzündungen. Leider ist auch ein neuer Fall von Tuberkulose aufgetreten.

Ein Teil der Patienten benötigt regelmässige medizinische Betreuung, entsprechende Medikamente und eine Beobachtung des Krankheitsverlaufes (letzteres insbesondere im Zusammenhang mit den alten und neuen Tuberkulose-Fällen, bei denen als Folge der Behandlung glücklicherweise ausnahmslos eine Besserung eingetreten ist).

Endlich kann den Roma also zumindest in medizinischer Hinsicht geholfen werden. Trotzdem herrscht bei den Verantwortlichen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Makedonien keine Freude.

Ein neues Problem ist aufgetaucht: Mihail Cekov, Pfarrer der EMK in Makedonien, hat in einem Gespräch mit dem Romaführer Djulisen Muslija erfahren, dass das UNHCR mit drastischen Massnahmen auf die von der EMK organisierte medizinische Hilfeleistung reagiert habe. Den Roma sei angedroht worden, dass ihr minimaler monatlicher Unterhaltsbeitrag gestrichen würde, sollten sie weiterhin eine medizinische Betreuung von Frau Dr. Ristevska in Anspruch nehmen. Andererseits würde der in Suto Orizari tätige Arzt sämtliche medizinische Hilfe (z.B. Verabreichung von Injektionen) verweigern. Auch das IKRK hätte den Abbruch seiner Bemühungen angedroht, sollte der Dienst der EMK fortgeführt werden.

Diese Drohungen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Aus Angst, den minimalen Beitrag zum Lebensunterhalt auch noch zu verlieren, sind die Roma nicht mehr in die Praxis von Dr. Ristevska gefahren. Selbst die Hilfebedürftigsten unter ihnen sind zwischenzeitlich daran gehindert worden, die Ärztin aufzusuchen und Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Der Romaführer Muslija und Pfarrer Cekov vereinbarten nach eingehender Diskussion, den medizinischen Dienst von Frau Dr. Ristevska weiterhin anzubieten. Pfarrer Cekov: «Wir sind entsetzt über das Vorgehen des UNHCR und des IKRK. Da sie sich — aus welchen Gründen auch immer — nicht adäquat um die Roma kümmern, sollten sie doch wenigstens anderweitig organisierte Hilfsaktionen nicht behindern. Wir lassen uns aber von ihnen nicht abhalten, den Roma auch weiterhin eine medizinische Betreuung anzubieten, solange diese von den Roma gewünscht und in Anspruch genommen wird.»


Quelle: Urs Schweizer / EMKNI

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