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EMKNI - 02.08.2004   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Die Roma von Medjitlija – ein Jahr danach

Vor einem Jahr sassen rund 700 Roma an der Grenze zwischen Makedonien und Griechenland in Medjitlija fest (siehe EMKNI-Meldung vom 23.07.2004 und weitere EMKNI-Meldungen). Sie hofften, in einem EU-Staat eine bessere Zukunft zu haben. Diese Hoffnung hat sich jedoch nicht erfüllt, war wohl von Anfang an unrealistisch. In den Kosovo - ihre ehemalige Heimat - zurückkehren konnten sie aus Sicherheitsgründen aber auch nicht. So leben sie immer noch im Dorf Suto Orizari in der Nähe der makedonischen Hauptstadt Skopje. Die Lebensumstände sind nach wie vor schlecht, auch wenn punktuell Verbesserungen ihrer Situation erzielt werden konnten.

Am 22. Juli 2004 wurden wieder 150 Pakete mit Lebensmittel und Hygieneartikeln verteilt. Solche Aktionen sind noch immer notwendig, weil die Mieten für die Zimmer gemäss bitteren Klagen der Roma derart hoch seien, dass für Nahrung, Kleidung und Hygiene kaum noch Geld bliebe.

Mihail Cekov, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Makedonien, hat bei seinen wiederholten Besuchen in Suto Orizari festgestellt, dass die Nerven der Roma immer mehr blank liegen. Verbale Attacken und hysterische Ausbrüche treten in zunehmender Häufigkeit auf. Viele Roma leiden zudem unter einer sehr labilen Gesundheit.

Die vom UNHCR zur Verfügung gestellten Ärzte haben in den vergangenen Wochen gut gearbeitet. Seit ein paar Tagen geben sie aber wieder kaum noch Medikamente ab — schon gar nicht jene der oberen Preisklasse, von welchen einige Roma dringend bräuchten. Die Ärzte begründen dies mit dem Fehlen entsprechender finanzieller Mittel.

Zwar wurden verschiedene Hilfsprojekte angekündigt, mit denen die Roma ihre Situation hätten verbessern können (z.B. ein Projekt zur Erlernung des Barbier-Berufes oder Kurse zur Alphabetisierung). Gemäss Aussagen der Roma fanden diese allerdings wiederholt entweder gar nicht statt, oder dann wurden sie nach kurzer Zeit wieder abgebrochen.

Bisher gab es ein «Komitee der Romaflüchtlinge aus dem Kosovo». Dieses Komitee existiert aber nicht mehr, seit sich kürzlich zwei Gruppen der Roma gebildet haben: auf der einen Seite die Askali und die Egipetjani (sie sind eher pro-albanisch ausgerichtet), auf der anderen Seite die Roma. Letztere bilden unter der Leitung von Djulisen Muslija ihren eigenen Verein, um — wie sie sagen — die religiösen und kulturellen Werte der Roma zu erhalten. Pfarrer Mihail Cekov, der mit Vertretern beider Gruppen Gespräche führte, hat aber den Eindruck gewonnen, dass zumindest die Gruppe der Roma bereit ist, weiterhin mit der anderen Gruppe zusammenzuarbeiten.

Pfarrer Mihail Cekov sieht folgende Grundprobleme der Roma:

• Verbreiteter Analphabetismus
- Vorschlag zur Hilfe: Projekt zur Alphabetisierung von Kindern und Jugendlichen
• Mangelhafte Versorgung mit Medikamenten
- Vorschlag zur Hilfe: Erwerb dringend benötigter Medikamente
• Verheiratung Minderjähriger
- Vorschlag zur Hilfe: Aufklärungsprojekt
• Vermehrtes Auftreten von Alkoholismus unter den Jugendlichen
- Vorschlag zur Hilfe: Aufklärungsprojekt; Verbesserung der Zukunftsperspektiven
• Verbreitung von Prostitution unter den jungen Mädchen und Frauen
- Vorschlag zur Hilfe: Aufklärungsprojekt; Verbesserung der Lebenssituation, damit niemand aus existenziellen Gründen gezwungen ist, seinen Körper zu verkaufen
• Fehlen von Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln
- Vorschlag zur Hilfe: Fortsetzung der Paketaktionen
• Belastende Wohnsituation (die Aufenthaltsgenehmigung wurde nur bis Oktober 2004 verlängert, und die UNHCR möchte die Roma zur Rückkehr in den Kosovo bewegen)
- Vorschlag zur Hilfe: Erarbeitung von Plänen, die Roma in den ruhigen Nordosten des Kosovo umzusiedeln und ihnen in der Gegend von Gnjilani — unter serbischer Aufsicht — Häuser mit der notwendigen Infrastruktur zur Verfügung zu stellen Es wird sich zeigen müssen, welche dieser Vorschläge umgesetzt werden können. Sicher ist jedoch eines: Ohne Hilfe internationaler Organisationen wird die EMK in Makedonien bezüglich der Hilfe für die Roma sowohl personell als auch finanziell überfordert sein.

Dank finanzieller Unterstützung der EmK-Weltmission in Deutschland können in diesem Jahr erstmals auch zehn Jugendliche der Roma-Flüchtlinge am internationalen, ökumenischen Jugendlager der EMK in Makedonien teilnehmen. Dieses wird — unter anderem geleitet von zwei jungen Schweizer EMK-Pfarrern, Simon Zürcher und Stefan Werner, — vom 16. bis 23. August 2004 am Prespasee stattfinden.


Quelle: Urs Schweizer

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