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EMKNI - 03.08.2004   Zurück zur Übersicht

USA: Erneut ein kirchlicher Prozess wegen einer lesbischen Pfarrerin

Die 34-jährige Pfarrerin Irene Elizabeth (Beth) Stroud von der First United Methodist Church of Germantown in Philadelphia wird sich vor einem kirchlichen Gericht verantworten müssen. Sie hatte in einer Predigt am 27. April 2003 erklärt, dass sie lesbisch sei und mit ihrer Partnerin seit zweieinhalb Jahren in einer festen Beziehung leben würde.

Die Kirchenordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) verbietet eine „selbsterklärte, praktizierende Homosexualität“ bei ordinierten oder eingesetzten Pfarrpersonen. Ein Komitee der Jährlichen Konferenz von Eastern Pennsylvania hat den Fall nun untersucht und sich mit 5 zu 3 Stimmen für einen kirchlichen Prozess entschieden, wie er im „Book of Discipline“ (Kirchenordnung) der EMK beschrieben ist. In der Kirchenordnung wird ein solcher Prozess als "letzter Ausweg" beschrieben, wenn eine Beschwerde gegen eine Person nicht anderweitig gelöst werden kann. Stroud sagte gegenüber “United Methodist News Service”, dass der Vorsitzende des Komitees sie „persönlich angerufen habe, um ihr das Resultat mitzuteilen und er sei sehr pastoral und besorgt gewesen.“

Im März hatte der Fall der lesbischen Pfarrerin Karen Dammann aus der Region Seattle Aufsehen erregt, die bei einem solchen kirchlichen Prozess von einer Jury als nicht schuldig, „bei der Ausübung von Handlungen in der Evangelisch-methodistischen Kirche, die mit der christlichen Lehre nicht vereinbar seien,“ befunden wurde (siehe EMKNI-Meldung vom 23.03.2004). Der Fall wurde danach auch an der Generalkonferenz 2004 in Pittsburgh aufgegriffen mit der Anfrage an den Rechtsrat (Judicial Council), das höchste Gericht der EMK, den Fall noch einmal zu überprüfen. Der Rechtsrat teilte am 4. Mai 2004 mit, dass er keine Berechtigung habe, den Fall von Karen Dammann noch einmal zu überprüfen, doch er bestätigte, dass ein Bischof keine Pfarrperson einsetzen darf, bei dem ein Gericht festgestellt hat, dass sie „selbst praktizierend homosexuell“ sei.

Das Verhandlungsdatum im Fall Stroud wird nun bestimmt werden, sobald durch Bischof Peter Weaver, der die Aufsicht über diese Jährliche Konferenz inne hat, ein Bischof im Ruhestand bestimmt ist, der das Präsidium für die Verhandlung übernehmen soll. Laut Bischof Weaver sei ein Jahr lang versucht worden, mit Pfarrerin Stroud eine Lösung zu finden, doch sei es zu keiner Lösung wegen der Beschwerde gekommen. So wurde dann, gemäss Kirchenordnung, ein Komitee zur Untersuchung des Falls eingesetzt. Pfarrerin Stroud sagte, dass sie sich mit dem Bischof getroffen habe, bevor sie es in ihrer Predigt erwähnt habe und sie sei „sehr offen zu ihm gewesen, über das, was sie gefühlt habe, zu tun.“

„Ich liebe die Evangelisch-methodistische Kirche,“ sagte Pfarrerin Stroud und bemerkte, dass sie in der Jährlichen Konferenz von Eastern Pennsylvania aufgewachsen sei. „Ich fühle mich auch dazu berufen, die Wahrheit über das zu sagen, was ich bin,“ so Stroud. Sie fügte an, dass sie hoffe, im Gebet und rücksichtsvoll, weiter ihren Assistenzpfarrdienst mit Kindern und Jugendlichen der First United Methodist Church of Germantown fortzusetzen. Hauptpfarrer der Gemeinde ist Pfarrer Fred Day, der mit ihr seit drei Jahren zusammenarbeitet und sagt, dass die Gemeinde mit 1'000 Gliedern hinter ihr stehen würde.


Quelle: EMKNI / United Methodist News Service

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