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EMKNI - 09.12.2004   Zurück zur Übersicht

Südafrika/Welt: Weltrat Methodistischer Kirchen äußert sich zum Verhältnis Christentum – Islam.

Der Weltrat Methodistischer Kirchen betont eine klare Haltung, geprägt von Achtung, Verständnis und christlichem Bekenntnis, gegenüber dem Islam. Bild: Kunstvoll geschriebene Koranseite.Am 18. September 2004 äusserte sich das Exekutivkomitee des Weltrates Methodistischer Kirchen (http://www.worldmethodistcouncil.org/) an seiner Tagung in Port Elizabeth, Südafrika in einer Verlautbarung zum eigenen christlichen Zeugnis in islamischen und christlichen Kulturen. Den englischsprachigen Text findet man unter http://www.umc.org/interior.asp?ptid=2&mid=5716. Nun ist die deutsche Übersetzung auch verfügbar. Wir geben sie im Folgenden vollständig wieder.


Das methodistisch-wesleyanische Zeugnis in christlichen und islamischen Kulturen
Eine Erklärung des Exekutivkomitees des Weltrates Methodistischer Kirchen
Viele Menschen sehen heute die beiden größten Religionen der Welt, das Christentum und den Islam, auf einem Kollisionskurs, und zwar sowohl in Folge eines militanten religiösen Fundamentalismus als auch eines aggressiven säkularen Militarismus.
Als methodistisch-wesleyanische Christen glauben wir, dass Christus der Herr der Schöpfung und der Geschichte und der Heiland der Welt ist. Als Menschen, die Jesus nachfolgen, glauben wir an das Liebesgebot, die Wertschätzung aller Menschen, die Toleranz gegenüber anderen und an Jesu Vision von einem Reich des Friedens. Deswegen respektieren wir vieles von dem, was uns im Islam begegnet. Wir teilen die starke Betonung von Gebet und Fasten im Islam, den Ruf zum Streben nach persönlicher Heiligkeit und die Konzentration auf praktische Barmherzigkeit und die Würde jedes einzelnen Menschen.
Es ist uns bewusst, dass der Islam ebenso wie die Christenheit sich in unterschiedlichen Kulturen auf sehr unterschiedliche Weise darstellt. Wir anerkennen die Treue der meisten Muslime, wie sie versuchen, ein Leben zu leben, das Allah verpflichtet und von den Perversionen dieser Welt frei ist. Wir schätzen die vielen bedeutenden Beiträge islamischer Kultur, von denen die Menschheit als Ganze profitiert hat.
Es ist uns schmerzlich bewusst, dass muslimische Menschen von den politischen, ökonomischen und militärischen Kräften der westlichen Nationen misshandelt, unterdrückt, gedemütigt und versklavt wurden und dass diese Nationen, obwohl sie primär als säkulare Größen gehandelt haben, mit der christlichen Gemeinschaft in Verbindung gebracht worden sind. Weiter anerkennen wir ganz offen, dass die schlechte Behandlung von Muslimen durch Menschen der westlichen Welt, wie sie mit den Kreuzzügen des Mittelalters, dem imperialen Kolonialismus des 18. und 19. Jahrhunderts und dem Militarismus des 20. und 21. Jahrhunderts verbunden waren, häufig sehr viel mehr von Gier, Selbstbehauptung und einer verdrehten Interpretation des christlichen Glaubens als von den friedensstiftenden und liebenden Geboten unseres Herrn und Heilands Jesus Christus bestimmt waren. Für dieses Fehlverhalten von Seiten der christlichen Gemeinschaft erbitten wir die Vergebung muslimischer Menschen in der ganzen Welt.
Wir sind uns auch bewusst, dass bei der Errichtung islamischer Reiche Christen unter Gewaltanwendung misshandelt und versklavt worden sind. Als Jünger und Jüngerinnen Jesu Christi verabscheuen wir den Terrorismus eines militanten Islam und den Militarismus westlicher Regierungen, die sich tragischerweise in eine eskalierende Spirale der Gewalt haben hineintreiben lassen, die immer wieder Leiden, Furcht und Schmerz rund um den Erdball verursacht. Wir schließen uns mit friedliebenden Menschen aus beiden Glaubensrichtungen zusammen, um den Missbrauch von Christentum und Islam zur Misshandlung und Versklavung von Menschen zurückzuweisen. Sowohl der Koran als auch die Bibel rufen uns auf, alle Menschen zu ehren und zu achten, sich Gottes Willen in allen Dingen zu unterstellen und eine gerechte und friedvolle Gesellschaft zu verwirklichen, in der Liebe und Toleranz Hass und Furcht überwinden.
Angriffe gegen Menschen oder Völker, sofern sie nicht der Notwendigkeit der Selbstverteidigung oder der Verteidigung anderer entspringen, stehen in Widerspruch zu den Lehren der Christenheit und des Islams, wie sie sowohl im Neuen Testament als auch im Koran zu finden sind. Wir rufen alle Christen und Muslime auf, dem Kreislauf von Hass und Gewalt ein Ende zu setzen, der alle Menschen und die ganze Schöpfung bedroht.
Obwohl wir manche Ähnlichkeiten zwischen Islam und Christentum und zwischen Koran und Bibel erkennen können und sie in ihrer Bedeutung bestätigen, halten wir doch auch die Unterschiede zwischen uns für wichtig.

Wir nehmen zur Kenntnis, dass Muslime glauben, Gott habe sich der Welt im Koran offenbart. Dem gegenüber halten wir fest, dass sich Gott in der Bibel offenbart hat und die endgültige Selbstoffenbarung Gottes in der Person Jesu Christi geschehen ist.
Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Muslime an der absoluten Einheit Allahs festhalten. Dem gegenüber glauben wir, dass Gott einer ist und sich in drei Personen offenbart hat: als Gott, der Vater, der uns das Leben gab, als Gott, der Sohn, in dem sich Gottes Wesen ganz erschließt, und als Gott, der Heilige Geist, der mit uns geht und uns immer wieder neu Kraft und Anleitung für alles schenkt, was wir tun.
Wir nehmen zur Kenntnis, dass Muslime glauben, alle Bereiche des Lebens, sei es Persönliches, Religiöses, Soziales, Familie, Politik, Wirtschaft und Militär, unter die Autorität Allahs kommen müssen. Demgegenüber bekräftigen wir als Christen Gottes Souveränität und die Herrschaft Jesu Christi über alles Leben.
Wir nehmen zur Kenntnis, dass Muslime glauben, das Heil komme durch die vollständige Unterwerfung unter Allah, und zwar durch die Bekräftigung des Bekenntnisses des Glaubens (shahada), durch die Teilnahme am täglichen Gebet (salat), durch Almosengeben (zakat), durch Beachten des Fastens im Ramadan (sawm), und durch die Teilnahme an der Pilgerfahrt (hajj). Demgegenüber glauben wir als wesleyanisch-methodistische Christen, dass Heil durch die Rechtfertigung aus Gnaden durch den Glauben an die Offenbarung Gottes in der Person Jesu Christi bewirkt wird. Dieses Heil, das allein aus Gnaden empfangen wird, wird in einem Leben der Nachfolge und des Strebens nach der Heiligkeit des Herzens und des Lebens gelebt. In einer Welt, die durch Sünde, Furcht, Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit zerrissen ist, glauben wir, dass Gottes Kommen in Jesus von Nazareth und die Lehre, der Opfertod und die wunderbare Auferstehung Jesu Heilung, Hoffnung und Heil für alle bringen. Dieses Heil schenkt allen, die auf den Herrn Jesus Christus vertrauen, Befreiung von der Fessel der Sünde, ein sinnvolles neues Leben, die Versöhnung zwischen Menschen, die Erneuerung der ganzen Schöpfung und die Hoffnung auf ewiges Lebens.

Wir glauben, dass Gott uns dazu ruft, die Würde und Unversehrtheit eines jeden Menschen zu wahren, und wir respektieren das Recht aller, Gott in der Weise anzubeten, die für sie am angemessensten ist. Deshalb hoffen wir und beten dafür, dass Regierungen keine Gesetze erlassen, die in die religiösen Rechte ihrer Bürger eingreifen. Wir sind überzeugt, dass, wenn es akzeptabel ist, Moscheen in einem christlichen Umfeld zu bauen, es auch akzeptabel sein sollte, christliche Kirchen in einem islamischen Umfeld zu bauen. Als Christen glauben wir auch, dazu berufen zu sein, Gottes Liebe, Vergebung und sein gnädiges Handeln in der Person Jesu Christi mit allen Menschen zu teilen.
Christen bemühen sich in einer Weltgemeinschaft zu leben, die von Gottes Herrschaft geformt ist, und wir beten darum und hoffen darauf, dass Gottes Reich in Gerechtigkeit, Frieden und Liebe auf die Erde kommt, wie es im Himmel schon verwirklicht ist.
Deshalb sind alle wesleyanisch-methodistischen Christen von Gott dazu gerufen, erstens, muslimische Brüder und Schwestern als Menschen des Glaubens zu akzeptieren, zweitens, Gewalt und Hass in allen ihren Formen entgegenzutreten, drittens, denen beizustehen, die verfolgt werden und um ihres Glaubens Willen leiden, und viertens, im Vertrauen auf die Kraft und die Führung des Heiligen Geistes mit allen Menschen, auch den Muslimen, die Liebe und Gnade unseres Herrn Christus mit Worten, Taten und durch die Kraft des Geistes gewirkten Zeichen zu teilen und sie in eine lebensverändernde Beziehung zu Gott durch Christus einzuladen.

Vom Exekutivkomitee des Weltrates Methodistischer Kirchen angenommen, am 18. September 2004, in Port Elizabeth, Südafrika


Quelle: Bischofssekreariat, Urs Schweizer

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