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EMKNI - 16.01.2004   Zurück zur Übersicht

Makedonien: UNHCR schränkt Hilfe für Roma stark ein

Aus Gesprächen zwischen Mihail Cekov, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Makedonien, und den beiden Roma-Führern in den ersten beiden Januar-Wochen 2004 ergibt sich folgendes Bild:

Für die Roma, welche den Asylantrag unterschrieben haben, ist die Situation immer noch nicht geklärt. Sie wissen nicht, wer jetzt für sie zuständig ist. Das UNHCR hat per 1. Januar 2004 alle makedonischen Mitarbeitenden entlassen, mit den Folgen, dass die Kontakte zwischen dem dreiköpfigen UNHCR-Team mit Mitgliedern aus den USA, Griechenland sowie Indien und den Roma praktisch abgebrochen sind. Die Roma haben eine Aufenthaltsgenehmigung in Makedonien, die bis im Mai 2004 gültig ist. Wer jedoch Asyl erhält und für wie lange, ist unklar.

Die aktuelle Versorgungslage der Roma wird eine erneute Verteilung von Lebensmittelpaketen durch die EMK in Makedonien erforderlich machen. So hat das UNHCR auch per 1. Januar 2004 die Lebensmittelhilfe für die vertriebenen Roma eingestellt. Auch die minimale finanzielle Hilfe haben die Roma bisher noch nicht erhalten. Damit geraten die Roma unter starken Druck, in den Kosovo zurückzukehren, wo indessen immer noch niemand für ihre Sicherheit garantieren kann. Und wenn sie doch gehen würden, dann wäre immer noch die Frage: Wohin?

Schliesslich hat das UNHCR per 1. Januar 2004 auch die minimale medizinische Versorgung abgebrochen, die nach Aussagen der Roma aber in den meisten Fällen nur aus der Aussage «Für euch gibt es ohnehin keine Medikamente!» bestanden hätte. Es gibt zwar noch einen Arzt in Suto Orizari, doch dessen Dienstleistungen und die von ihm verschriebenen bzw. abgegebenen Medikamente müssen bezahlt werden, was für die Roma praktisch unmöglich ist. Pfarrer Mihail Cekov hat deshalb mit den Ärzten des Medizinischen Zentrums in Bitola Kontakt aufgenommen. Sie sind bereit, nach Skopje zu kommen und die Roma zu untersuchen. Danach wird ein genauerer Überblick über die gesundheitliche Situation der Roma vorliegen.

Ein von der UNHCR organisierter rechtlicher Dienst, der die Roma in rechtlichen Fragen — besonders im Blick auf das Asylverfahren — unterstützte, ist markanten Änderungen unterzogen worden. Die beiden Rechtsanwälte, die sich bisher für die Roma und ihre Rechte eingesetzt haben, sind vom UNHCR suspendiert und durch einen Mann ersetzt worden, der wegen seiner politischen Zugehörigkeit nicht eben das Vertrauen der Roma geniesst.

Die Frage nach einer allfälligen Rückkehr in den Kosovo wird von den meisten Roma positiv beantwortet; dies unter der Voraussetzung, dass neben der Gewährleistung der Sicherheit auch die notwendige Infrastruktur vorhanden wäre. Die Roma denken, dass sie bis spätestens 2005 Makedonien werden verlassen müssen; deshalb ist zu prüfen, wann, wo und wie ein Projekt im Kosovo realisiert werden könnte, um der Odyssee dieser Menschen ein glückliches Ende zu bereiten.

UNHCR und UNICEF haben Schulmaterial für die Kinder versprochen. Bisher haben diese aber nichts erhalten. Deshalb wird die EMK in Makedonien noch einmal eine diesbezügliche Aktion durchführen. In den ersten beiden Dezemberwochen 2003 hatten Verantwortliche der EMK an die Kinder der Kosovo-Roma in Suto Orizari Kleidung und Schulmaterial verteilt. Damit sollten die Kinder ermuntert werden, eine Schule zu besuchen (siehe auch EMKNI-Meldung vom 18.12.2003). Insgesamt wurden 150 Pakete verteilt. In diese Aktion waren auch Kinder von örtlichen sozial schwachen Familien mit eingeschlossen. Am 23. Dezember 2003 organisierte die EMK in Makedonien ein Treffen mit dem Ärzteteam und dem medizinischen Personal des Erste-Hilfe-Zentrums in Bitola, das unter der Leitung von Dr. Liljana Kocankovska die Roma versorgte, während diese wochenlang an der Grenzstation von Medjitlija gestrandet waren. An dieser Begegnung nahm neben Vertretern der EMK auch der Direktor des Medizinischen Zentrums sowie dessen Oberschwestern teil. Alle erhielten ein Dankesschreiben von der Thomas Kemper von der EMK Weltmission, eine Auszeichnung und ein kleines Geldgeschenk als Zeichen der Anerkennung ihres freiwilligen Einsatzes für die Roma.


Quelle: Mihail Cekov/Urs Schweizer

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