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EMKNI - 02.07.2004   Zurück zur Übersicht

USA: Der Tod von drei Bürgerrechtsaktivisten in den 60er Jahren und eine kleine EMK-Gemeinde

Seit Jahrzehnten dachten die Mitglieder der kleinen afro-amerikanischen Gemeinde Mount Zion der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Philadelphia im US-Bundesstaat Mississippi, dass sie wenig tun könnten, um Gerechtigkeit für den Tod von drei Bürgerrechtsaktivisten zu erlangen. Doch jetzt könnte Licht in eine dunkle Vergangenheit kommen.

Vor vierzig Jahren kamen drei junge Bürgerrechtsaktivisten, der Afro-Amerikaner James Chaney und die beiden Weissen Michael Schwerner und Andrew Goodman, in die kleine Stadt Philadelphia, um den Afro-Amerikanern zu ihrem Wahlrecht zu verhelfen und zu untersuchen, wer die Kirche Mount Zion der EMK niedergebrannt hatte. Es war das Jahr 1964; eine Zeit der Rassenunruhen im Süden der Vereinigten Staaten. Eine ganze Reihe von Kirchen und Wohnhäusern von Afro-Amerikanern waren durch Rassisten, mit grosser Wahrscheinlichkeit von Mitgliedern des berüchtigten Ku-Klux-Klan, niedergebrannt worden.
Als die drei Bürgerrechtsaktivisten am 21. Juni in die Stadt kamen, wurden sie, laut einem Polizeibeamten, verhaftet, ins örtliche Bezirksgefängnis gebracht und sechs Stunden später wieder freigelassen mit der Aufforderung, die Stadt zu verlassen. Dann verschwanden die drei Bürgerrechtsaktivisten spurlos. Sie wurden geschlagen, erschossen und verbrannt. Ihre Leichen wurden sechs Wochen später in einem Erddamm gefunden.
Sieben Personen wurden danach zu Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie an einer Verschwörung des Ku-Klux-Klan beteiligt waren, der das Wahlrecht der Afro-Amerikaner verhindern wollte. Doch keiner dieser Personen sass länger als ein paar Jahre im Gefängnis und es wurde nie eine Anklage wegen Mordes erhoben. Der Fall erregte weltweit Aufsehen und bildete im Jahr 1988 auch den Hintergrund des bekannten Films „Mississippi Burning“ von Alan Parker mit den Schauspielern Gene Hackmann und Willem Dafoe.

Jetzt, 40 Jahre später, bittet eine breite Bürgerkoalition aus Philadelphia das amerikanische Justizministerium, die Mordfälle wieder zu untersuchen. Die Koalition glaubt, dass es auch nach vier Jahrzehnten immer noch genügend Beweise für die Mordfälle gibt. „Die Zeit ist gekommen,“ sagt der Methodist David Vovell, ein Mitglied der Koalition. Er glaubt, dass die Mordfälle „eine dunkle Wolke über unseren Bezirk und unsere Gemeinde“ gelegt haben und findet: „Wir wollen alles unternehmen, was wir können, um Gerechtigkeit zu erlangen.“ Die EMK-Gemeinde Mount Zion hat vor kurzem einen speziellen Gottesdienst zum 40. Jahrestag gestaltet. David Goodman, der Bruder des getöteten Andrew Goodman, sagte, dass es Zeit sei, „diese Wunden zu heilen“ und herauszufinden, wer verantwortlich für diese Morde ist.

Die Menschen aus der EMK-Gemeinde erinnern sich noch heute schmerzlich an diese Zeit. In der Nacht vom 17. Juni 1964, als die Kirche Mount Zion der EMK niederbrannte, wurden verschiedene Gemeindemitglieder, als sie gerade nach einer Besprechung aus der Kirche kamen, durch Mitglieder des Ku-Klux-Klan geschlagen und bedroht. Jewel Rush McDonald sagt, ihre Mutter und ihr Bruder seien von Klanmitgliedern verfolgt und angegriffen worden. Sie verliess danach Philadelphia und kam während Jahrzehnten nicht zurück. „Ich ging weg für 30 Jahre; ich vermute, ich habe mich während 30 Jahren versteckt,“ sagt sie. „Und jetzt ist es sehr emotional für mich, aber wir werden da hindurchgehen.“

Ihr Bruder, Pfarrer George Rush, lobt die Anstrengungen der Koalition, dass der Fall wieder eröffnet werden soll. „Meine Mutter sprach darüber und brach jeweils zusammen und weinte,“ sagt Pfarrer Rush. „Was erzählte sie uns? Wie sie geschlagen wurden, was sie sagten, mit welchen Namen sie betitelt wurden, wie sie getreten wurden.“

Auch Elsie Kirksey, Bezirkslaienführerin der EMK Mount Zion und Leiterin der Telekommunikation bei der Polizei von Philadelphia, findet, dass, wer auch immer verantwortlich für die Morde sei, bestraft werden sollte. Für sie ist eine allfällige Wiederaufnahme des Falls auch „keine Show“. Kirksey: „Wir sind zusammen gesessen, haben mit den Koalitionsmitgliedern geredet und gemeinsam geweint.“ Dankbar ist Kirksey für den damaligen Einsatz der Bürgerrechtsaktivisten: „Ich selber will nie vergessen, was sie für uns getan haben. Sie gaben ihr Leben, so dass wir heute die Möglichkeit haben, wählen zu gehen.“ Die Bemühungen der drei Bürgerrechtsaktivisten, die getötet wurden, reichten, so Kirksey, weit über ihre lokale Kirche hinaus und wurden zu einem Symbol für die Bürgerrechtsbewegung. „Es hat die Gemeinde total verändert. Es hat Mount Zion verändert. Es hat den örtlichen Bezirk verändert. Ich denke, man kann sagen, es hat die Nation verändert.“

United Methodist Communications hat einen Filmbeitrag über die Geschehnisse bei der EMK Mount Zion gedreht.
Im Internet finden sich weitere Informationen zu den Geschehnissen in Philadelphia und der damaligen Gerichtsverhandlung.


Quelle: EMKNI / United Methodist News Service / Div. Quellen

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