Alte Version dieser Seite EMKNI en français
-
EMKNI - 02.06.2004   Zurück zur Übersicht

Österreich: Bericht von der Jährlichen Konferenz 2004

Ein Bericht samt persönlichen Eindrücken von Sebastian Meisel von der Jährlichen Konferenz 2004 der Evangelisch-methodischen Kirche (EMK) in Österreich, die vom 19. Mai bis 23. Mai unter dem Thema »Der Geist weht, wo er will« in Salzburg stattfand.

Die Konferenz begann am Mittwoch, 19. Mai 2004, am Abend, mit einem Gottesdienst. Wir hörten gemeinsam die Predigt von Superintendent Lothar Pöll zu Joh 3,1-8, jener Geschichte, der das Konferenzthema entnommen ist. Die Geschichte von dem Pharisäischen Lehrer Nikodemus, der mit Jesus ins Gespräch kommen möchte, und der von Jesu mit der Forderung konfrontiert wird, neu geboren zu werden. Unsere leibliche Geburt legt uns fest: auf ein Volk, eine Gesellschaftsschicht, eine Familie, ein Geschlecht. Sie legt uns auch fest auf ein Leben, das mit dem Tod endet. Die Geburt aus dem Geist befreit zu einem Leben, ohne Woher und Wohin, ein Leben, das im Jetzt, in der Gegenwart Gottes stattfindet, ein Leben das keine Grenzen hat.

Der Donnerstag abend war geprägt von grenzloser Gastfreundschaft: Unsere Gaumen erfreuten sich, fremdartiger Köstlichkeiten! Sie gaben ein Bild von der Vielfalt der Gemeinde, die sich stark für Flüchtlinge einsetzt, die hier eine Heimat finden. Sie empfangen nicht nur, sondern sie dürfen auch geben. So bereicherten sie die Konferenz immer wieder mit afrikanischer Musik. Gäste aus der Ökumene führten uns vor Augen, dass niemand den Geist für sich in Anspruch nehmen kann. Der Geist weht ungern durch geschlossene Türen. Der Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Dr. Claude Ozankom, von der Universität Salzburg konfrontierte uns aber mit der These, dass der Geist sich auch auf die Kirchen nicht festlegen lässt. Der Geist weht wo er will: auch bei Buddhisten, im Islam, bei Atheisten und in Freikirchen. Und wer weiss, ob er die etablierten Kirchen nicht längst verlassen hat, um anderswo zu wehen, wo man keine Angst vor Zugluft hat.

Ein ganz anderer Wind wehte am Freitag abend: Wir wurden bewegt von ganz persönlichen Zeugnissen. Es waren Geschichten, wie aus einem gefürchteten Messermacher in Bulgarien, dessen Haus sich kaum einer wagt zu betreten, ein liebevoller methodistischer Prediger wird. Oder von »Onkel Joe« der im Alter seine Heimat in den USA verliess, um in Makedonien zu leben und den Menschen dort zu helfen. Er fand eine Heimat in einem Land, dessen Sprache er nicht verstand.

Esther Handschin wurde in die volle Verbindung der Jährlichen Konferenz aufgenommen und in einem feierlichen Gottesdienst am Sonntag zur Ältesten ordiniert. Möge Gott ihren Dienst segnen und möge der Geist Gottes sie beflügeln.

Eine geistreiche Idee hatte die Konferenz bei ihrem Geschenk für Bischof Bolleter: Wohin der Geist in auch treiben mag, ein Reiseföhn mit internationalem Stecker wird stets für frischen Wind sorgen.

Berichte und Entscheidungen

Pastor Robert Hunt kehrt nach 7 Jahre Dienst in der englischsprachigen Gemeinde in Wien mit seiner Familie in die USA zurück. Er nimmt dort einen Lehrauftrag an der Perkins-University in Dallas, Texas, an. Dankbar schauen wir auf die letzten Jahre zurück. Er hat nicht nur in der Gemeinde gute Arbeit geleistet; er hat auch die Konferenz durch seine Sichtweise bereichert. Pastorin Laura Trent aus der Holston-Konferenz in den USA wird seine Nachfolge antreten. Alle freuen sich schon sehr auf die Zusammenarbeit.

Die EMK in Österreich wächst beständig. Das weiss der Statistiker der Konferenz Berhard Pöll zu berichten. In sehr vielen Gemeinden wächst die Teenagerarbeit. Das ermöglicht auch einen guten Austausch auf der Konferenzebene. Das macht Hoffnung, dass auch in Zukunft immer ein frischer Wind in unserer Kirche weht.

Diskutiert wurde, wie die Schwellenangst vieler Mitbürger zu nehmen sei. Ältere Leute haben oft Vorurteile gegen die »Freikirche«, während junge Leute oftmals generell mit der Institution Kirche nichts zu tun haben wollen. Dem kann man nur durch Aufklärung und Offenheit begegnen, und dadurch dass man »weg von den Hinterhöfen« und an die Strasse kommt; und sei es, wie in Salzburg, mit einem Leuchtschild.

Das Studienprogramm in Graz/Waiern ist nach wie vor ein erfolgreiches, wenn gleich schwieriges Projekt. Seit der Generalkonferenz ist es noch schwieriger geworden, da die Gelder zur Förderung von Ausbildungsstätten massiv gekürzt wurden. Dies betrifft sehr stark alle Ausbildungsprojekte der Zentralkonferenz. Trotzdem geht es weiter - mit viel Phantasie und Geist. »Wir studieren wie im Zelt«, so beschreibt Wilfried Nausner das Lehr- und Lernkonzept von Waiern, dass bemüht ist bedarfsorientiert und (notwendigerweise) günstig auszubilden. Das Studienprogramm ist in jedem Fall eine Bereicherung für Österreich.

»Wir jammern auf hohen Niveau, aber wir jammern«, so stellt sich die Situation der Buchauslieferung in Wien »BMK-Wartburg GesmbH« dar. Das Jahr der Bibel hat zu einem unerwarteten Umsatzanstieg geführt. Auch der Lutherfilm war hilfreich. Aber das Geschäft ist und bleibt hart.

Das Zentrum Spattstrasse wächst und wächst. Die Auslastung liegt je nach Bereich zwischen 90% und 100%. Offensichtlich ist der Bedarf für diese Art der Betreuung sehr hoch. Direktor Gottfried Fux, Primar Dr. Werner Gerstl und das ganze Spatti–Team leisten hier wirklich Grosses.

Die Konferenz bestätigte die neuen Richtlinen des Frauendienstes. Dabei wurde betont, dass frau nicht vorhabe, etwas dagegen zu unternehmen, dass die Bibel von Männern geschrieben wurde, aber frau setzt sich dafür ein, dass sie für Frauen gelesen wird. Das beinhaltet vor allem gerechte Sprache in Gottesdienst und Schriftlesung.

Die Konferenz hat auch einstimmig das neue Konzept zur Gemeindeentwicklung angenommen. Es handelt sich dabei nicht etwa um einen Aufgabenkatalog für die Gemeinden. Sie sollen nicht bevormundet werden. Vielmehr werden sieben Merkmale einer Gemeinde beschrieben. An Hand dieser Merkmale sollen die Gemeinden prüfen, wo sie stehen und wohin sie sich entwickeln möchten. Dabei wird auch ein Austausch der Gemeinden über ihre Erfahrungen angeregt.

Der Name »Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich« ist nun offiziell.

von Superintendent Lothar Pöll

Nachdem die Evangelische Generalsynode A. und H.B. am 29. Oktober 2003 beschlossen hat, dass keine Einwändungen mehr gegen die Bezeichnung »Evangelisch-methodistische Kirche« bestehen, hat das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur am 3. Mai 2004 die Verordnung erlassen, dass an die Stelle der bisherigen Bezeichnung »Methodistenkirche in Österreich« nunmehr der neue Name tritt: »Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich«. Anlässlich der Jährlichen Konferenz überbrachte Ministerialrat Univ.-Prof. Dr. Karl Schwarz vom Kultusamt offiziell den Text der Verordnung und gab seiner Freude Ausdruck, dass es nun nach langer Zeit gelungen sei, diese Namensänderung positiv zum Abschluss zu bringen.


Quelle: Sebastian Meisel / Lothar Pöll

-----------
Veröffentlichung nur mit Quellenangabe "EMK News" gestattet!
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"emknews-redaktion at umc-europe punkt org"