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EMKNI - 08.03.2004   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Präsident Trajkovski beerdigt

Der am 26. Februar bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommene makedonische Präsident Boris Trajkovski ist am letzten Freitag beerdigt worden. Am Donnerstag und am Freitagmorgen war Präsident Trajovski im Parlamentsgebäude in Skopje aufgebahrt. Neben Delegationen aus Europa, vor allem den Ländern Südosteuropas, legten jene aus den USA, Russland, China sowie von Organisationen wie EU, NATO und OSZE am Sarg Kränze nieder. Über 200 000 Makedonier haben sich aufgemacht, um dem Präsidenten die letzte Ehre zu erweisen. Es machte den Eindruck, dass vielen erst jetzt bewusst wurde, was sie an diesem Präsidenten verloren haben, nämlich einen Mann der Versöhnung und des Friedens.

Am Freitag wurde dann der Sarg durch die grossen Menschenmengen, welche die Strassen säumten zum Friedhof gefahren. Dort wurde der Präsident mit allen Staats- und militärischen Ehren beerdigt. Zehntausende Bürger Makedoniens und hochrangige Politiker aus über 60 Ländern nahmen an der Beerdigung teil.

"Makedonien, die ganze Region und ganz Europa haben einen aufgeklärten Führer verloren, der weit über die Tagespolitik hinausblickte," sagte EU-Kommissionspräsident Romano Prodi in seiner Grabrede. Er forderte die makedonische Führung auf, das europäische Projekt, das der verunglückte Präsident so vehement verfolgte, umzusetzen.

Der makedonische Regierungschef Branko Crvenkovski erinnerte an die grossen Verdienste von Trajkovski während der zwischenethnischen Konflikte im Jahre 2001. Ihm gebühre der Verdienst, dass ein Bürgerkrieg verhindert werden konnte. Wörtlich sagte Crvenkoski: „In den vergangenen vier Jahren hat unser verdammter Beruf, der sich Politik nennt, uns dazu gezwungen, gleichzeitig Freunde und Gegner, Mitarbeiter und Kritiker zu sein. Oft bist Du gegen den Strom geschwommen - unverstanden, beschuldigt, ohne Unterstützung. 2001 warst Du derjenige, der den grössten Verdienst daran hat, dass wir nicht in eine Katastrophe geschlittert sind. Du hast allen Kritiken standgehalten. Sie beschuldigten Dich, ein Verräter zu sein? Du aber hast das Patriotischste für Makedonien getan. Sie beschuldigten Dich, ein Angsthase zu sein? Du aber hast den meisten Mut gezeigt. Du hast den Krieg gestoppt und uns den Frieden zurückgebracht. In Zeiten des Wahnsinns hast Du Besonnenheit und Verstand gezeigt. Dem Hass hast Du Dich mit Deinen Predigten über die Liebe, Vergebung und gegenseitiges Verständnis entgegengestellt... Tragisch ist für uns, dass Dein früher Tod uns mehr vereint hat, als all Deine Anstrengungen als Präsident. Tragisch ist für uns, dass wir wissen, dass Du in der Welt mehr geachtet wurdest als im eigenen Land. Du hast weitergeschaut, tiefer überlegt, mehr geglaubt...Es gibt grosse Menschen, neben denen alle anderen sich klein fühlen. Es gibt noch grössere Menschen, neben denen sich alle Menschen gross fühlen. Du, Boris, warst einer von ihnen. Ruhe in Frieden, grosser Mensch...“

Heinrich Bolleter, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) von Mittel- und Südeuropa, leitete den kirchlichen Teil des Staatsbegräbnisses. Seine Ansprache wurde sehr positiv aufgenommen. Sie wurde auch auf den Kanälen des Makedonischen Fernsehens übertragen. Für viele Menschen in Makedonien war es die erste Erfahrung eines protestantischen Begräbnisses, da ihr Hintergrund orthodox oder muslimisch ist. Es war eine einmalige Gelegenheit für die Minderheitskirche in Makedonien, von allen wahrgenommen zu werden und aus dem Schatten einer oft als Sekte gebrandmarkten Kirche heraus zu treten. Obschon die Kirche schon mehr als 100 Jahre in Makedonien präsent ist sowie offiziell registriert und verfassungsmässig im Lande anerkannt ist.

Die makedonischen Zeitungen kommentierten den kirchlichen Beitrag an der Beerdigung äusserst positiv. Viele haben die Ansprache des Bischofs praktisch vollständig abgedruckt. Als Folge des Ereignisses und der Berichterstattung in den Medien nehmen Menschen mit der Evangelisch-methodistischen Kirche in Makedonien Kontakt auf. Sie bitten um Bibeln und eine von der EMK herausgegebene Andachtshilfe.

Am späteren Abend besuchten die anwesenden Vertreter der EMK aus Bulgarien, aus Serbien-Montenegro, aus den USA und der Schweiz die trauernde Präsidentenfamilie. In geschwisterlicher Verbundenheit wurde dieser Besuch mit einem Bibelwort, einem gemeinsam gesungenen Lied und einem Segenswort des Bischofs beschlossen. Die Präsidentengattin und die zwei Kinder haben schwere Tage hinter sich und wohl auch Tage vor sich, die mancherlei Entscheidungen mit sich bringen werden. Sie brauchen unsere Fürbitte.


Quelle: Bischof Heinrich Bolleter / Christina Cekov / EMKNI

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