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EMKNI - 19.03.2004   Zurück zur Übersicht

USA: Mutters Stimme aus dem Gefängnis

Einer Frau im Gefängnis wird bei der Tonbandaufnahme geholfen, Foto: UMNS mit freundlicher Genehmigung der Berks County Prison SocietyAlthea Harmon aus der Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) von Reading im US-Bundesstaat Pennsylvania erfuhr an einem Workshop der Pennsylvania Prison Society, einer sozialen Gefängnisorganisation, von einem Programm namens „Mother’s Voice“. Bei diesem Programm können Frauen, die in einem Gefängnis inhaftiert sind und eine Haftstrafe verbüssen, ihre Stimme auf Tonband aufzeichnen und das Band samt einem Buch ihren Kindern, die in Freiheit leben, zukommen lassen.

Als Althea Harmon mit Hilfe der Prison Society diese Idee dem Direktor des Berks County Gefängnisses vorschlug, war dieser begeistert. "Er war begeistert, weil es bei ihm so viele Kirchen und Personen gibt, die zu den Insassen kommen und eine Predigt halten wollten. Aber dies war etwas anderes, weil es das Bedürfnis deckte, die Beziehung zwischen einer Mutter und ihren Kindern zu stärken,“ so Harmon.

Als Koordinatorin eines örtlichen sozialen Aktionsprogramms von Frauen der EMK erhielt Althea Harmon finanzielle Unterstützung von Frauen aus der Kirche. „Es war eine geistliche Möglichkeit, die ich in unserem Gefängnis ergreifen konnte – eine Möglichkeit für Mütter im Gefängnis, im Kontakt mit ihren Kindern zu bleiben – und die Frauen der EMK tragen dabei mit, indem sie die Bücher und Tonbandkassetten finanzieren,“ erzählt Harmon und meint weiter: „Momentan kostet ein Buch ein bis zwei US-Dollar und eine Tonbandkassette kostet einen US-Dollar“.

„Mother’s Voice“ erlaubt jeder inhaftierter Mutter mit kleinen Kindern, eine Geschichte aus einem Buch und eine persönliche Nachricht auf Band zu sprechen. Ein Mitglied der Prison Society hilft jeder Mutter während einem wöchentlichen Besuch bei der Tonbandaufnahme. Althea Harmon, die sich bei „Mother’s Voice“ engagiert, erzählt: „Wenn ich ins Gefängnis gehe, helfe ich der Mutter beim Lesen der Geschichte und bei der Auswahl der Literatur. Wir geben ihr auch Zeit, eine persönliche Nachricht auf das Band zu sprechen: ‚Ich liebe Dich, sei artig und Mami kommt bald nach Hause.“

Die Bücher und Kassetten werden den Kindern zugesandt, die nun jeden Tag die Stimme der eigenen Mutter hören können. Im Jahr 2003 hat „Mother’s Voice“ so 288 Müttern geholfen, für 529 Kinder ihre Geschichten und die persönlichen Nachrichten, die voller Liebe und Ermutigung sind, aufzuzeichnen.

Christine Reichardt, die Leiterin des Freiwilligenprogramms für das Berks County Gefängnisses, hat viele Rückmeldungen erhalten, dass sich das Leben von Kindern inhaftierter Mütter durch das Programm „Mother’s Voice“ verändert hat. "Die Grossmutter eines kleinen Mädchens schrieb uns, dass ihre Enkelin 'Mami, Mami, Mami' kreischte und das Buch tagelang mit sich herumtrug, auch wenn das Tonband nicht abgespielt wurde,“ sagte Reichardt. "Das Band brachte sie dazu, sich zu fühlen, als ob ihre Mutter immer noch bei ihr wäre, und wenigstens wusste sie nun, dass ihre Mutter sie immer noch liebte und vermisste." Eine Mutter sagte zu Reichardt, "dass sie vor ihrer Inhaftierung ihrem Kind wenig Beachtung geschenkt hatte. Durch die Reaktion ihres Kindes auf das Band realisierte sie, dass durch das Vorlesen ein grosser Schritt getan werden kann, die Beziehung zum Kind zu erneuern. Es sei etwas, dass sie sicher auch nach ihrer Entlassung tun werde.“ Diese Feststellung macht auch Althea Harmon: „Das Programm hilft nicht nur, die Beziehung zwischen Mutter und Kind während der Inhaftierung aufrecht zu erhalten, sondern es ist auch eine gute Angewohnheit, die die Mutter auch nach ihrer Zeit im Gefängnis fortsetzen kann.“


Quelle: United Methodist News Service / EMKNI

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