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EMKNI - 23.03.2004   Zurück zur Übersicht

USA: Homosexuelle Pfarrerin von kirchlicher Jury freigesprochen

Karen Dammann (rechts) und ihre Partnerin Meredith Savage an einer Pressekonferenz nach der Urteilsverkündung, Photo: Les Fetchko, UMNSIn der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in den USA hat ein kirchlicher Prozess zur Frage der Homosexualität im Pfarramt Aufsehen erregt. So war eine Beschwerde gegen die EMK-Pfarrerin Karen Dammann aus Ellensburg aufgrund einer Mitteilung, die sie während eines Familienurlaubs im Jahr 2001 an ihren Bischof Elias Galvan gemacht hatte, eingereicht worden. Pfarrerin Dammann hatte damals mitgeteilt, dass sie in einer „partnerschaftlichen und vereinbarten homosexuellen Beziehung“ leben würde. Laut dem „Book of Discipline“, der Kirchenordnung der weltweiten EMK, sind praktizierende und bekennende Homosexuelle vom Pfarramt in der EMK ausgeschlossen.

Die Beschwerde gegen die 47-jährige Karen Dammann wurde letzte Woche im Gemeinschaftsraum der EMK in Bothell, in der Nähe von Seattle, in Form einer kirchlichen Gerichtsverhandlung behandelt. In der Kirchenordnung der EMK wird ein solcher Prozess als "letzter Ausweg" beschrieben, wenn eine Beschwerde gegen eine Person nicht anderweitig gelöst werden kann.

Eine kirchliche Jury, bestehend aus dreizehn Pfarrerinnen und Pfarrern der Jährlichen Konferenz der EMK von Pacific Northwest, hatte über den Fall von Karen Dammann zu entscheiden. Nach Ende der Gerichtsverhandlung mit Ankläger und Verteidiger hatte sich die Jury zurückgezogen, anderthalb Tage intensiv darüber nachgedacht und Pfarrerin Dammann am letzten Samstag für nicht schuldig, „bei der Ausübung von Handlungen in der Evangelisch-methodistischen Kirche, die mit der christlichen Lehre nicht vereinbar seien,“ erklärt.

Pfarrerin Judy Schulz, Vorsitzende der Jury, erläuterte das Urteil: „Ausgehend vom Festhalten an der Aussage, dass Pfarrerin Karen Dammann eine selbst bekennende praktizierende Homosexuelle ist, konnten wir keinen Beweis finden, um eindeutig überzeugt zu sein, dass Karen Dammann „Handlungen vorgenommen hätte, die in der Evangelisch-methodistische Kirche nicht vereinbar mit der christlichen Lehre“ seien.“ Sie sagte weiter: „Wir können die Beschwerde nicht aufrecht erhalten.“ Elf der dreizehn Jurymitglieder stimmten für „nicht schuldig“, zwei Jurymitglieder enthielten sich der Stimme. Niemand stimmte für „schuldig“. Laut der Kirchenordnung der EMK braucht es neun Stimmen für einen Schuldspruch.

Als das Urteil verlesen wurde, beugte Dammann ihren Kopf. Ihre Partnerin Meredith Savage legte ihren Arm um Dammanns Schultern. Die beiden hatten letzte Woche in Portland legal geheiratet. Ein Seufzer war im Gerichtssaal zu hören, sonst blieb es ruhig. Bischof Willam Grove, der Vorsitzende der Verhandlung, hatte gebeten, „Stille zu bewahren beim Bericht über die Arbeit des Gerichts.“ Danach kündigte Bischof Grove an, dass nun ein Gottesdienst in der Kirche stattfinden würde.

Der Fall von Karen Dammann war öffentlich verhandelt worden und hatte ein reges Medieninteresse ausgelöst. Vor dem Kirchengebäude kam es während der Verhandlung auch zu Protestkundgebungen. Während der Verhandlung sagte Karen Dammann gegenüber der Presse auf Fragen zu ihren persönlichen Absichten oder Hoffnungen, dass sie frustriert über die Länge und Komplexität des Prozesses sei. Sie bedaure ihre Handlungsweise nicht, mit der sie alles ausgelöst habe. „Gott rief mich ins ordinierte Amt und ich kann nicht glauben, dass er einen Fehler macht,“ so Dammann. Dass sie lesbisch wäre, hätte sie erst ein Jahr nach ihrer Ordination als Pfarrerin realisiert. Sie hoffe, dass ihre Erfahrung ein Licht auf dem Weg für andere entzünde, denen es ähnlich gehe und die auch den Ruf ins Pfarramt verspüren würden.

Dass Karen Dammann von der Jury nun freigesprochen wurde, ist erstaunlich, weil es im Jahr 1987 einen ähnlichen Fall gegeben hatte, bei dem Rose Mary Denman aus New Hampshire verlor und das Amt als Pfarrerin in der EMK niederlegen musste. Die Urteilsbegründung zum Fall von Karen Dammann, die im Internet nachgelesen werden kann, lässt Raum für Spekulationen offen. Eine Vermutung wäre, dass sich der Anklagepunkt wohl zuwenig deutlich auf die Kirchenordnung der EMK bezogen hat; so könnte es sich hier um einen Verfahrensfehler handeln. Gemäss Kirchenordnung der EMK hat der Ankläger oder Verteidiger das Recht, gegen das Urteil der Jury Berufung einzulegen.


Quelle: EMKNI / United Methodist News Service

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