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EMKNI - 31.03.2004   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Schweizerische Allianz veröffentlicht Thesen zur Zukunft des Religionsunterrichts

Die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) veröffentlichte in diesen Tagen "Thesen zur Zukunft des Religionsunterrichts in der multireligiösen Gesellschaft".
Aus freikirchlicher Sicht besonders interessant ist die Forderung der 10. These, dass auch Freikirchen, die dem "Verband evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz" (VFG) angehören, den konfessioneller Religionsunterricht an den Schulen erteilen sollen.
Weiter wird dem interreligiösen Religionsunterricht eine Absage erteilt und dem Christentum Priorität beim Unterrichtsstoff eingeräumt.
Im Folgenden finden Sie die 10 Thesen im Wortlaut. Sie können auch mit vier erläuternden Texten als Arbeitspapiere beim Sekretariat der SEA bestellt oder über http://www.each.ch herunter geladen werden.

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"1. Aufgrund der Glaubens- und Gewissensfreiheit haben alle Menschen Anrecht auf die Ausübung von Religion.

2. Erziehung und Bildung haben mit tiefen religiösen und weltanschaulichen Fragen zu tun. Wird die Behandlung religiöser Fragen aus dem Bildungsauftrag gestrichen, können Gesellschaft und Staat bei ethischen Entscheiden nicht auf gemeinsame Grundwerte zurückgreifen.

3. Die Eltern sind für die religiöse Erziehung ihrer Kinder verantwortlich. Die Schule kann dabei eine unterstützende Funktion wahrnehmen.

4. Religiöse Identität entsteht aus selbst gelebter Religion. Sie bildet die Voraussetzung zum echten Dialog mit Menschen verschiedener Religionen.

5. Die Schule soll dem in der Schweiz geschichtlich gewachsenen Konsens in ethischen Grundfragen und der abendländischen Kultur Rechnung tragen. Der Person von Jesus Christus, dem Welt- und Menschenbild des Christentums und seinen Werten, die unsere Kultur bis heute prägen, gebührt ein besonderer Stellenwert: Der Staat ist angewiesen darauf, dass Menschen Nächstenliebe und Solidarität üben, Böses mit Gutem vergelten, Verantwortung übernehmen und nach Gerechtigkeit streben.

6. Wo Kinder aus verschiedenen Kulturen miteinander zur Schule gehen, darf dem Religionsunterricht nicht die primäre Verantwortung für den Umgang mit dieser Vielfalt aufgebürdet werden. Der Religionsunterricht kann aber zu gegenseitigem Verständnis beitragen.

7. Wenn der Staat einen religiösen Bildungsauftrag im Vermitteln von christlichen Werten übernimmt, muss dies durch sachliche Wissensvermittlung geschehen. Die öffentliche Schule soll grundlegende Kenntnisse über die Religionen vermitteln (‚teaching about religion’) – primär über das Christentum. Einen Unterricht, der die Weltreligionen grundsätzlich gleich behandelt, lehnen wir ab. Die Auseinandersetzung mit anderen Religionen soll auf der Oberstufe stattfinden.

8. Das Zusammenfügen und Mischen von Elementen verschiedener Religionen im Sinn einer Patchwork-Religiosität wird dem Selbstverständnis der Religionen nicht gerecht. Werden existentielle Fragen und sinnstiftende Antworten abwechselnd aus der Sicht verschiedener Religionen behandelt, sind Schüler überfordert. Sollte ein derartiger interreligiöser Unterricht eingeführt werden, ist ein Obligatorium nicht zu rechtfertigen.

9. Da es für die Glaubensentwicklung identitätsstiftende Angebote braucht, die der Staat selbst nicht anbieten kann, soll er an den öffentlichen Schulen den christlichen Konfessionen Zeiten und Unterrichtsräume für Religionsunterricht (‚teaching in religion’) zur Verfügung stellen.

10. Die SEA erwartet, dass der konfessionelle Unterricht sowohl von der reformierten und der katholischen Landeskirche als auch von evangelischen Freikirchen, die dem Verband evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz (VFG) angehören, wahrgenommen werden kann."


Quelle: Schweizerische Evangelische Allianz (SEA)

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