Alte Version dieser Seite EMKNI en français
-
EMKNI - 05.05.2004   Zurück zur Übersicht

Welt: Präsident Bush und der Irak-Krieg, die Homosexualität und der Fall Dammann an der Generalkonferenz

Logo der GeneralkonferenzAnlässlich einer Pressekonferenz am 4. Mai 2004 an der Generalkonferenz in Pittsburgh zeigten sich Methodisten und ökumenische Vertreter frustriert über die Weigerung von US-Präsident Bush, religiöse Stimmen bezüglich des Irak-Kriegs anzuhören.

Bischof McKinley Young von der African Methodist Episcopal Church sprach schon vor der Pressekonferenz, anlässlich seiner Predigt bei Morgengottesdienst, beim Irak von einem „auf Glauben basierenden Krieg.“ Young sagte an der Pressekonferenz, dass er diese Aussage gemacht habe, weil der US-Präsident im Gespräch mit dem Journalisten Bob Woodward von einem „höheren Vater“ als seinem eigenen Vater sprach, den er um Rat fragte, um in den Krieg zu ziehen. Diese Aussagen finden sich im neusten Buch von Woodward, der die Vorgänge und Entscheidungen, die zum Entschluss für einen Krieg im Irak führten, beleuchtet. Bischof Young stellte fest, dass Bush „nicht der Einzige sei, der von Gott hört“ und dies für den Krieg verwendet. „Wir haben ihn nicht als Pfarrer der Nation gewählt“, sagte Young. „Wir wählten ihn als Präsidenten.“

Bischof Melvin Talbert, ökumenischer Beauftragter des methodistischen Bischofsrats, sagte, dass er enttäuscht sei, wie Bush die Verantwortlichen der Kirche, der Bush selber angehöre, zurechtwies. „Was mich schmerzt, ist, dass er behauptet, sehr religiös zu sein, und keine Zeit fand, eine Delegation der Evangelisch-methodistischen Kirche zu empfangen.“ Talbert fügte hinzu, dass jeder andere US-Präsident, mit Ausnahme von Roland Reagan, eine solche Delegation empfangen habe.

Bischof Young sagte, dass Präsident Bush im letzten Frühling einen Brief von den Bischöfen der EMK und von drei schwarzen Methodistenkirchen erhalten habe. Zwar erhielt man eine Antwort, doch zeigte Bush keine Bereitschaft, dass Verantwortliche der Kirche ihn treffen könnten, um mit ihm ihre Sorgen zu teilen.

Bischof Talbert, der sich stark für eine friedliche Alternative statt eines Kriegs mit dem Irak einsetzte, wies darauf hin, dass die EMK eine klare Position in den Sozialen Grundsätzen der EMK bezüglich Krieg habe. „Krieg ist für uns nicht der erste Schritt, um Frieden zu bekommen, es ist der letzte Ausweg,“ so Talbert.

Die Kirchen fahren fort, sich für einen Frieden im Irak einzusetzen, sagte Robina Winbush von der presbyterianischen Kirche in den Vereinigten Staaten.

Haltung zu Homosexualtiät bleibt unverändert

In einer Abstimmung am 4. Mai 2004 hielten mit 579 Stimmen zu 376 Stimmen eine Mehrheit der Delegierten an der Generalkonferenz an der Aussage fest, dass das Praktizieren von Homosexualität nicht vereinbar mit der christlichen Lehre sei. Sprachlich etwas verändert wurde die gegenwärtige Formulierung in den Sozialen Grundsätzen der EMK und zwar, dass die Evangelisch-methodistische Kirche das Praktizieren von Homosexualität nicht billigen kann und diese Praxis nicht vereinbar mit christlicher Lehre sei. Es wurde auch ein Zusatz angefügt, dass die Evangelisch-methodistische Kirche dabei versuchen werde, in christlicher Gemeinschaft zusammen zu leben.
Als stiller Protest beteten vor dem Konferenzgebäude rund 200 Methodisten, die für die Integrierung von homosexuellen Personen sind.

Der Fall Dammann sowie die Frage der Einsetzung

Das höchste Gericht der EMK, der Rechtsrat (Judicial Council), gab am 4. Mai 2004 bekannt, dass er keine Berechtigung habe, den Fall der lesbischen Pfarrerin Karen T. Dammann noch einmal zu überprüfen (siehe auch EMKNI-Meldung vom 03.05.2004). Der Rat legte auch die Regel fest, dass ein Bischof keine Pfarrperson einsetzen darf, bei dem ein Gericht festgestellt hat, dass sie „selbst praktizierend homosexuell“ sei. Interessant war bei der Bekanntgabe dieser Entscheidungen des Rats, dass man sich innerhalb des Rats nicht in allen Punkten einig war, so äusserten sich öffentlich in Briefen je eine Gruppe von drei bzw. vier Ratsmitgliedern unterschiedlich zu einzelnen Punkten dieser beiden Entscheidungen.

In einem zweiten Teil seiner Antwort bezüglich der Regel gab der Rat bekannt, dass sich seine logische Grundlage nicht auf den Fall Dammann bezieht, sondern „vorsorglich“ und nicht rückwirkend angewandt werden soll. In der Antwort wird wiederholt, was der Rat schon früher bekannt gegeben hat, nämlich, dass das Praktizieren von Homosexualität ein pflichtiger Verstoss bezüglich Geistliche in der EMK sei. Ein Bischof darf keine Person einsetzen, bei der ein Gericht festgestellt hat, dass sich diese Person als selbst praktizierend homosexuell bezeichnet. „Es liegt jedoch beim Gericht, diese Feststellung zu machen.“ Die Anwendung der Regel bezieht sich auch auf den Artikel 31 der Kirchenverfassung, worin festgehalten ist, dass eine „Jährliche Konferenz die grundlegende Körperschaft der Kirche sei und als solche das Recht einer Wahl vorbehalten sei...in allen Angelegenheiten bezüglich Charakter und Konferenzzugehörigkeit seiner Geistlichen, und die Ordination von Geistlichen und anderer Rechte, die aufgrund der Verfassung nicht der Generalkonferenz zugewiesen werden müssen.“ In der Kirchenordnung steht unter Paragraph 328.1, so der Rat, dass „Älteste in voller Verbindung und Position der Jährlichen Konferenz für eine Einsetzung berechtigt sind. Ein Bischof hat nicht die Befugnis, irgend einem Ältesten in voller Verbindung und Position der Jährlichen Konferenz die Einsetzung zu verweigern.“

Der Rechtsrat der EMK, der aus neun Personen besteht, war von der Generalkonferenz am 1. Mai 2004, aufgrund eines Antrags von Pfarrer Maxie Dunnam, beauftragt worden, eine klärende Antwort zu diesen beiden Fragen zu geben.

Pfarrerin Karen T. Dammann war am 20. März 2004 durch eine Jury eines kirchlichen Gerichts der Jährlichen Konferenz der EMK von Pacific Northwest betreffend der Anklage, „Praktiken auszuüben, die mit einem christlichen Amt nicht vereinbar seien,“ freigesprochen worden. Das Gericht stellte dabei fest, dass Dammann sich öffentlich als selbst praktizierende Homosexuelle bezeichnet. Bischof Elias Galvan, zu dessen Jährlichen Konferenz Pfarrerin Dammann gehört, sagte nach dem Urteil: „Wir sind sorgfältig den Weg, wie er in der Kirchenordnung beschrieben ist, gegangen...und die Jury hat ein Urteil abgegeben, das wir akzeptieren müssen.“

Zu den nun bekannt gegebenen Äusserungen des Rechtsrats haben sich schon zwei methodistische Bischöfe geäussert. So findet Bischöfin Janice Rigglie Huie von der Jährlichen Konferenz der Region Arkansas, dass es viel klarer geworden sei. „Ob Sie nun der Position der Kirche bezüglich Homosexualität zustimmen oder sie ablehnen, diese Regeln machen klar, wie Einsetzungen in Zukunft berücksichtigt werden. Wenn ein Gericht feststellt, dass eine geistliche Person ‚selbst praktizierend homosexuell’ sei, so kann sie nicht eingesetzt werden. Das macht es absolut klar.“
Auch Joseph Yeakel, Bischof im Ruhestand, aus Hagerstown findet, dass die Regeln „Anweisungen für die Bischöfe gebe, dass sie keine Einsetzung bei „selbst praktizierender Homosexualität“ vornehmen dürfen." Bischof Yeakel: „Sobald meine Kollegen dies schriftlich haben werden, wird klar sein, was sie tun und nicht tun können und sie werden die Kirchenordnung richtig vollziehen.“

Yeakel findet, dass die Entscheidung vom 4. Mai klar mache, dass der Rechtsrat die Regel beim Fall von Karen Dammann nicht nachprüfen kann. „Wenn ich die Regel richtig verstehe,“ so Yeakel, „hat der Rechtsrat kein Recht, diesen Prozess nachzuprüfen.“ So würden Gerichtsprozesse von Jährlichen Konferenzen durchgeführt und der Rechtsrat könne nicht versuchen, jemanden zwei Mal für das Gleiche anzuklagen. „Die Regeln des Rechtsrats bedeuten,“ sagt Yeakel, „dass Karen Dammann für eine Einsetzung berechtigt ist.“

Bischöfin Huie ist sich weniger sicher wegen Dammanns Zukunft. „Die zukünftige Situation der Einsetzung ist klar,“ sagt sie und meint aber: „Die Situation wegen Dammann ist weniger klar.“ Auch Bischof Yaekel, der darüber nachdachte, fand dann: „Es ist sehr verzwickt.“


Quelle: EMKNI / UMNS / Generalkonferenz

-----------
Veröffentlichung nur mit Quellenangabe "EMK News" gestattet!
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"emknews-redaktion at umc-europe punkt org"