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EMKNI - 15.11.2004   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Schweizerische Evangelische Allianz sagt Nein zum ebryonalen Stammzellenforschungsgesetz

Die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) sieht in der Forschung an adulten Stammzellen eine valable Alternative zur Forschung an embryonalen Stammzellen. Zur Gewinnung adulter Stammzellen müsse so kein Leben gefährdet, kein Embryo vernichtet werden. Und deshalb müsse auch niemand auf Stammzellenforschung verzichten, wenn das zur Abstimmung vorliegende Gesetz abgelehnt werde, sagt die SEA in einer Stellungnahme.
Im folgenden finden Sie den vollen Wortlaut der SEA-Stellungnahme:

Das Grundrecht auf Würde und Schutz des menschlichen Lebens soll erhalten bleiben. Darum Nein zum Stammzellenforschungsgesetz
In der Volksabstimmung vom 28. November 2004 wird über das Stammzellenforschungsgesetz entschieden. In diesem Gesetz wird geregelt, wieweit „überzählige“ Embryonen zu Forschungszwecken verwendet werden können. Die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) setzt sich weiterhin für die Unantastbarkeit menschlichen Lebens ein und lehnt das vorliegende Gesetz ab.

Ja zum Leben – nein zur willkürlichen Antwort auf die Frage, wer Mensch sein darf

Was menschliches Leben ist und wann dieses beginnt, steht im Zusammenhang mit diesem Gesetz zur Debatte. Das Verschmelzen der Keimzellen ist der willkürärmste Ansatz für den Beginn des menschlichen Lebens. Jeder Versuch einer anderen Definition setzt das menschliche Leben der Willkür aus. Der Entscheid, wer Mensch sein darf, kann nicht dem einzelnen und auch nicht dem gesellschaftlichen Gewissen überlassen werden. Sonst wird er letztlich von Kosten/Nutzen Überlegungen bestimmt sein. Dies gilt für Behinderte, Kranke, ältere Menschen, aber auch für Embryonen.
Die SEA stellt sich weiterhin für die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens von Anfang an ein, losgelöst von willkürlichen Auffassungen über den späteren Beginn des Lebens.

Ja zur Medizin – nein zur aktiven Sterbehilfe
Soll denn einem todkranken Menschen für medizinische Zwecke lebensnotwendige Organe entnommen und so sein Tod beschleunigt werden? Es gibt kein Recht auf eine medizinische Verwertung des lebenden Menschen. So wie der Schutz am Lebensende von geborenen Menschen nicht zur Debatte stehen darf, so darf er auch am Lebensanfang nicht aufgegeben werden. Ein möglicher medizinischer Nutzen überzähliger Embryonen durch die Entnahme von Stammzellen, bei welcher der Embryo „aktiv“ zerstört wird, ist deshalb zweitrangig.
Die SEA stellt sich weiterhin für den unantastbaren Schutz des menschlichen Lebens und der Menschenwürde ein – am Lebensende wie am Lebensanfang.

Ja zur Forschung – nein zum Menschen als Verbrauchsmaterial
Adulte Stammzellen sind eine viel versprechende Alternative zu den embryonalen Stammzellen. Zur Gewinnung adulter Stammzellen muss kein Leben gefährdet, kein Embryo vernichtet werden. Das medizinische Potenzial der adulten ist möglicherweise demjenigen der embryonalen Stammzellen ebenbürtig. Damit würde das wichtigste Argument für eine embryonale Stammzellenforschung wegfallen.
Die SEA sieht in der adulten Stammzellenforschung eine valable Alternative.

Ja zur Wirtschaft – nein zur Unverhältnismässigkeit
Die Wirtschaftlichkeit der Stammzellenforschung ist umstritten. In der Schweiz gibt es ein einziges Forschungsprojekt in dieser Richtung. Von 15'000 Anfragen für EU-Forschungsprogramme entfallen lediglich neun auf die embryonale Stammzellenforschung. Bei einem „Nein“ zum Stammzellenforschungsgesetz würde das Ausweichen auf adulte Stammzellen vermutlich kaum grossen Schaden anrichten. Gleichzeitig dürfte die Stammzellentherapie zur Luxusmedizin für reiche Bürger der ersten Welt werden. Die Finanzierungsschwierigkeiten unseres Gesundheitswesens sowie der marginale Zugang der allgemeinen Weltbevölkerung zu einer medizinischen Basisversorgung werfen die Frage nach der Verhältnismässigkeit dieses Forschungszweiges auf.
Die SEA stellt sich zu dem in der Präambel unserer Bundesverfassung verankerten Leitsatz: „Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen“ – national wie weltweit.

Ja zur Bundesverfassung – nein zum vorliegenden Gesetz
Der menschliche Embryo besitzt laut Bundesverfassung und Bundesgerichtsentscheid von 1993 Menschenwürde und ist deshalb zu schützen. Das vorliegende Gesetz widerspricht der Bundesverfassung.
Die SEA stellt sich weiterhin zu dem in der Bundesverfassung garantierten Grundrecht der Menschenwürde und dem Schutz des menschlichen Lebens.

Zürich, 4. November 2004
Zentralsekretariat der SEA


Quelle: Schweizerische Evangelische Allianz (SEA)

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