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EMKNI - 23.09.2004   Zurück zur Übersicht

Belgien/Europa: Brüsseler Church and Society Commission der Konferenz Europäischer Kirchen will näher zur Basis

Bilder von der CSC-Tagung der KEK in BrüsselNach Brüssel lud die "Church and Society Commission" (CSC) der "Konferenz Europäischer Kirchen" (KEK) die zuständigen Personen ihrer Mitgliedskirchen ein. Vom 20. bis 22. September tauschten sich gegen siebzig Frauen und Männer über ethische, europapolitische und soziale Themen aus.
Aus der Schweiz mit dabei waren vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) Pfarrer Richard Fischer, stellvertretender Leiter für Aussenbeziehungen; Pfarrer Luca Negro, Kommunikationssekretär bei der KEK in Genf sowie Jörg Niederer, Pfarrer und Ausschussleiter Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich. Aus dem Fürstentum Lichtenstein beteiligte sich Dr, André Ritter, Vertreter der Evangelischen Kirchen im Fürstentum.
Aus der EMK auch mit dabei war Pfarrerin Helen Byholt Lovelace aus der Ukraine. Sie vertrat die EMK in den nordischen und baltischen Staaten.
Pfarrer Rüdiger Noll, Direktor der CSC in Brüssel, betonte bei der Begrüssung der Teilnehmenden, dass dieses Treffen speziell das Treffen der Beteiligten sei, und dass es sowohl um Networking wie auch um Informationsaustausch gehe.
Die ersten beiden Tage standen denn auch im Zeichen des Informationsaustauschs und der Suche nach den wesentlichen Themen. Als Ergebnis dieses Prozesses wurden die folgenden Bereichte hervorgehoben: Migration und der Umgang mit Minderheiten, Globalisierung, Bioethik, sowie immer wieder die mögliche Aufnahme von Gesprächen zu einer Aufnahme der Türkei in die Europäische Union (EU). Auch sehr intensiv besprochen wurde die in der EU-Verfassung neuen Festschreibung der Kirchen als Gesprächspartner der EU-Gremien.
Gelegentlich schien es Teilnehmenden aus Nicht-EU-Ländern, als würde zu EU-lastig beraten. In der Tat war die EU allgegenwärtig, sei es in den Gesprächen, Referaten, oder auch konkret durch die EU-Architektur Brüssels sowie EU-Parlamentsabgeordnete. Am Mittwochmorgen stellten sich drei hochkarätige EU-PolitikerInnen den Kirchenvertretern. Besonders die polnische Delegation freute sich über Jerzy Bozek, ehemaliger polnischer Premierminister und Solidarnosc-Aktivist der ersten Stunde. Der Wissenschaftler warnte davor, zu sicher zu sein bei Entscheiden. Von der Logik her sei es richtig, so Bozek, der Umwelt zuliebe von der Kohle wegzukommen. Doch sei es alles andere als einfach, die von der Kohleindustrie abhängigen 500'000 Polen davon zu überzeugen und ihnen ein alternatives Erwerbseinkommen zu sichern.
Angelika Beer, Vorsitzende des Bundesvorstands der Grünen Deutschlands und "Chefin von Joschka Fischer" wie sie schmunzelnd bemerkte, gab Bozek im Grunde recht. Besonders beeindruckte ihr Votum für die Aufnahme der Gespräche für eine Mitgliedschaft der Türkei in der EU. Sie erinnerte daran, dass sie seit Jahren erleben musste, wie türkische Freunde unter Menschenrechtsverletzungen zu leiden hatten und ins Gefängnis kamen. Auch die Unterdrückung von Minderheiten und die Leugnung des Armeniergenozids seien ein offensichtliche Ärgernisse. Doch seit drei Jahren habe sich die Lage in der Türkei dramatisch zum Besseren gewandelt. Natürlich müsse noch einiges geschehen. Doch die positive Entwicklung sei wirklich bemerkenswert, und müsse weiter unterstützt werden.
Das unterstrich auch Margrete Auken, Pfarrerin und EU-Abgeordnete aus Dänemark. Sie warnte davor, in dieser Sache zu sehr die Angst vor einer Islamisierung Europas ins Spiel zu bringen. Die EU brauche die Türkei, um ein starke Gesprächspartnerin zu sein für die USA und andere Organisationen. Das gelte besonders bei Sicherheitsfragen.
Am Dienstagabend wurde gefeiert. In der Auferstehungskapelle auf dem Gelände der EU wurden in einem feierlichen Gottesdienst Pfarrer Matthew Ross und Pfarrer Dr. Dieter Heidtmann von der EKD in ihre neuen Aufgaben als Sekretäre bei der CSC in Brüssel eingesetzt. Mit Matthew Ross haben Methodisten nun auch einen Vertreter bei dieser wichtigen kirchlichen Organisation in Brüssel, wurde er doch von der Church of Scottland, der Methodistenkirche Grossbritanniens, der Presbyterian Church in Irland und der Heilsarmee von Grossbritannien und Irland für diese Aufgabe freigestellt.
Das Ergebnis dieser Tagung kann sich sehen lassen. Nebst der Tatsache, dass sich Menschen unterschiedlichster kirchlicher Traditionen näher gekommen sind, haben VertreterInnen von Georgien bis Irland, von Italien bis Finnland und Russland ihre Sorgen und Anliegen miteinander geteilt und sind im Gebet damit vor Gott getreten.
Konkret wird die CSC-Vertretung in Brüssel in Zukunft versuchen, eine interaktive Webseite bereitzustellen für den Austausch der CSC-Verantwortlichen in den Mitgliedkirchen. Auch will man neu durch ein unregelmässig erscheinendes kurzes Bulletin die Ansprechpersonen in den Mitgliedskirchen in wichtigen Themen einbeziehen, bevor die fertige Stellungnahme dazu verfasst sei. Mit diesen Plänen will die CSC in Brüssel näher zur Basis rücken. Rüdiger Noll ermunterte auch dazu, es den Kirchen am Rhein gleich zu tun, welche schon einige Zeit eine Regionalstelle in Strasbourg, Frankreich, finanzieren, die von Richard Fischer kompetent ausgefüllt wird. So können den Anliegen im Bereich Kirche und Gesellschaft vor Ort mehr Aufmerksamkeit zuteil werden.

Die Webseite der CEC findet man unter http://www.cec-kek.org.


Quelle: EMKNI – Jörg Niederer

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