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EMKNI - 05.04.2005   Zurück zur Übersicht

Deutschland: Offener Brief an die EMK-Gemeinden wegen Amoklauf in Stuttgart

Wegen des Amoklaufs in Stuttgart wendet sich Rosemarie Wenner, Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Deutschland, und Dr. Hans-Martin Niethammer, Superintendent der EMK, in einem offenen Brief an die Gemeinden der EMK in Deutschland.
Wir veröffentlichen untenstehend den ganzen Text, so wie er auf der Website der EMK in Deutschland zu finden ist:

An die Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland

Stricke des Todes hatten mich umfangen,
des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen,
ich kam in Jammer und Not.
Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,
meine Augen von den Tränen,
meinen Fuß vom Gleiten.

Psalm 116, 3.8

(Wochenpsalm zu dieser zweiten Woche nach Ostern)

Liebe Schwestern und Brüder,

In großer Betroffenheit nehmen wir Anteil an den grausamen Ereignissen, die sich am gestrigen Sonntag in der Evangelisch-methodistischen Christuskirche in Stuttgart-Zuffenhausen zugetragen haben und sprechen der tamilischen Gemeinde unsere tiefe Anteilnahme und unsere Verbundenheit in geschwisterlicher Liebe aus. Wir sind bestürzt, dass eine Kirche, die ein Ort des Friedens sein soll, zu einer Stätte der Gewalt werden konnte.

Seit ungefähr fünfzehn Jahren genießt die Gemeinde baptistisch-charismatischer Prägung Gastrecht in den Räumen der Gemeinde in Zuffenhausen. Jeden Sonntagnachmittag versammeln sich 60-80 Menschen aus Stuttgart und Umgebung zum Gottesdienst. Einige gottesdienstliche Begegnungen auch über Sprachgrenzen hinweg und manche persönlichen Beziehungen sind in dieser Zeit entstanden. Dies verpflichtet uns, auch in der Situation der Not und Trauer zusammenzustehen.

Wie in den Medien berichtet, betrat kurz vor 16 Uhr ein 25jähriger Mann, ebenfalls tamilischer Herkunft die Kirchenräume. Da er bereits eine Woche zuvor durch störendes Verhalten in der Gemeinde auffällig geworden war, versuchten Gemeindeglieder ihn abzudrängen. Dabei zog er ein sog. "Samuraischwert", und schlug damit wahllos auf die Umstehenden ein. Er verletzte eine Frau tödlich, drei weiter Menschen wurden z.T. lebensgefährlich verletzt, bevor die Mehrzahl der Gottesdienstbesucher fliehen konnte und der Täter in der Kirche von der Polizei überwältigt werden konnte.

Eine besondere Tragik liegt darin, dass einige der Gemeindemitglieder erst zum Jahreswechsel durch den Tsunami in Sri Lanka viele Angehörige verloren hatten und sich stark für den Wiederaufbau engagiert hatten. Zum Zeitpunkt der Tat waren sie gerade dabei, sich durch einen Augenzeugen über das Ausmaß der Katastrophe und erste Früchte ihrer Unterstützung informieren zu lassen.

Unser tiefes Mitgefühl und unsere Fürbitte gilt nun insbesondere den Angehörigen der Opfer. Für die Verletzen beten wir um Genesung. Für alle, die durch diesen Ausbruch von Gewalt in der Tiefe ihrer Seele Schaden genommen haben, erbitten wir Gottes heilende und segnende Kraft. Wir schließen auch den Täter in unser Gebet mit ein. Wir beten auch für alle, die den unmittelbar Betroffenen beistehen in der ärztlichen, pflegerischen und psychologischen Betreuung und in der tatkräftigen Hilfe.

Soweit es in unseren Kräften steht, wollen wir als Evangelisch-methodistische Kirche den Betroffenen zur Seite stehen und ihnen unsere Unterstützung zukommen lassen. Wir sind dankbar, dass unmittelbar nach der Tat alle verfügbaren Pastoren der Evangelisch-methodistischen Kirche aus Stuttgart und Umgebung vor Ort waren, um zusammen mit Seelsorgern und Seelsorgerinnen anderer Konfessionen Notfallseelsorge zu leisten. In einem gemeinsamen Gottesdienst mit der tamilischen Gemeinde am kommenden Sonntag in der Christuskirche in Stuttgart-Zuffenhausen werden wir im Hören auf Gottes Wort und im Gebet den Trost Gottes erbitten. Möge Gott die unmittelbar Betroffenen und uns alle die Kraft der Auferstehungshoffnung erfahren lassen.

Wir fordern unsere Gemeinden auf, sich unseren Gebeten anzuschließen und die Opfer der Gewalttat in ihre Fürbitte aufzunehmen.

Bischöfin Rosemarie Wenner / Superintendent Dr. Hans-Martin Niethammer


Quelle: EMK Deutschland

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