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EMKNI - 16.12.2005   Zurück zur Übersicht

USA: Rechtsrat entscheidet zugunsten Pfarrer Johnson wegen Nichtaufnahme einer homosexuellen Person in die Mitgliedschaft der EMK

In der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in den Vereinigten Staaten haben zwei Entscheidungen des Rechtsrats (Judicial Council), dem höchsten Gericht der EMK, die er Ende Oktober fällte, Diskussionen in der Kirche ausgelöst.

Und zwar geht es um den Fall von Pfarrer Ed Johnson aus dem US-Bundesstaat Virginia. Pfarrer Johnson hatte einem Mann die Aufnahme in die Mitgliedschaft der EMK verweigert, da dieser in einer homosexuellen Beziehung lebe. Daraufhin wurde er von der Jährlichen Konferenz der EMK in Virginia, unter der Leitung von Bischöfin Charlene P. Kammerer, beurlaubt. Der Rechtsrat hat nun entschieden, dass erstens Bischöfin Kammerer ihre Amtsbefugnisse dabei überschritten hat und zweitens Pfarrer Johnson richtig gehandelt hat und er somit wieder ins Amt eingesetzt wird.

In einem Kommentar, den United Methodist News Service veröffentlichte, schreibt Brenda A. Menzies, Laie und zweimalige Delegierte an der Generalkonferenz, dazu: „Indem es die Entscheidung des Bischofs aufgehoben hat, hat das Gericht das existierende Kirchenrecht aufrechterhalten, wie es durch mehrere Generalkonferenzen bestätigt wurde. Die Entscheidungen enthielten nichts Neues. Aber trotzdem hat es eine Menge Debatten und Interpretationen in der Kirche dazu gegeben. Was bedeuten die Entscheidungen? Was bedeuten sie nicht? Wie sollten wir die Auswirkung dieser Entscheidungen über die Nuancen in der Debatte über Homosexuellen in der Kirche verarbeiten?“. Menzies erinnerte daran, dass die Kirchenordnung („Book of Discipline“) nicht zwingend vorschreibe, dass alle Personen, ungeachtet ihrer Bereitwilligkeit, die Mitgliedschaftsfragen einzuhalten, in die Mitgliedschaft aufgenommen werden müssen. „Wir alle erkennen das Bedürfnis, unsere homosexuellen Brüder und Schwester in Gastfreundschaft und geistlicher Zuwendung aufzunehmen, und auch geliebt und im Glauben bestätigt zu sein, an. Das ist genau das, was Pfarrer Johnson getan hat,“ so Menzies und gab zu bedenken, dass die Person, die Pfarrer Johnson beraten hat, nicht diejenige war, die die Klage eingereicht hatte.

Mehr als 100 Pfarrpersonen, einschliesslich Bischof Warner H. Brown Jr., der Jährlichen Konferenz der EMK von Rocky Mountain haben auf eigene Kosten ein Inserat in zwei Zeitungen von Denver am 6. Dezember 2005 veröffentlicht, worin sie öffentlich gegen die Entscheidungen des Rechtsrats Stellung nahmen. Sie sind der Ansicht, dass die EMK eine „inklusive Kirche“ sei und Inklusivität jeden Anschein von Diskriminierung verurteile.

Dazu ein Kommentar von Jörg Niederer*:

Der Entscheid des Judicial Councils im Fall von Pfarrer Johnson ist nur konsequent, auch wenn er einige Fragen aufwirft.

Wenn jemand Mitglied (nach neuer Schreibweise: Bekennendes Glied) in der Evangelisch-methodistischen Kirche wird, so wird von ihm ein Bekenntnis erwartet. Jedes Bekennende Glied verspricht, den christlichen Glauben anzunehmen und zu bekennen, so wie er in der Schrift Alten und Neuen Testaments enthalten ist.
Zugleich findet sich in den Sozialen Grundsätzen folgende Aussage: "Die United Methodist Church duldet keine praktizierte Homosexualität und betrachtet diese Handlungsweise als unvereinbar mit der christlichen Lehre."
Pfarrer Johnson hat daraus den berechtigten Schluss gezogen, dass ein praktizierender Homosexueller nicht in der Lage ist, das Bekenntnis ohne Vorbehalte zu sprechen. Mit dessen Leben widerspreche ein praktizierender Homosexueller willentlich der Schrift, so wie sie in der EMK verstanden wird (oder werden kann).

Trotzdem bleiben offene Fragen:

1. In den Allgemeinen Regeln hält John Wesley fest: "Von denen, die in die Gemeinschaft aufgenommen werden wollen, wird als erstes nur erwartet, dass sie ein Verlangen haben, dem zukünftigen Zorn zu entfliehen und von den Sünden erlöst zu werden." Die methodistisch verstandene Kirche ist also als eine Gemeinschaft von Suchenden und Glaubenden. Mit dem Entscheid des Judicial Councils wird der Schwerpunkt aber verschoben in Richtung Gemeinschaft von Rechtgläubigen. Ist das wirklich hilfreich für den Missionsauftrag der Kirche?
2. Einem Pfarrer der EMK wird das abschliessende Recht gegeben, zu entscheiden, ob jemand bekennendes Glied der EMK werden kann oder nicht. Tatsächlich scheint die neu auch in Europa in Kraft getretene Kirchenordnung keine Einschränkung zu machen, was dieses Recht der EMK-PfarrerInnen betrifft. In der alten Kirchenordnung musste zumindest noch die Kommission für Geistlichen Dienst einer Mitgliederaufnahme zustimmen. Erst wenn es um die Löschung der bekennenden Gliedschaft geht, oder bei einem Wiedereintritt nach einer Löschung oder Überweisung in eine andere Kirche, ist in der neuen Kirchenordnung vorgesehen, dass der Bezirksvorstand aktiv wird. Man kann sich streiten, ob es klug ist, in der heutigen Zeit dem Pfarrer oder der Pfarrerin die Verantwortung in dieser Sache alleine aufzubürden.
3. Wie gross ist der Ermessensspielraum eines Pfarrers, einer Pfarrerin bei der Zulassung von Menschen als bekennende Glieder? Was ist, wenn in einer anderen Gemeinde bekennende Homosexuelle aufgenommen werden, und dem zuständigen Pfarrer vorgeworfen wird, er komme seiner Aufsichtspflicht nicht im Sinne der Kirchenordnung nach?

Unsere weltweite Kirche bewegt sich zurzeit in Richtung einer doktrinäreren Haltung gegenüber suchenden Menschen. Ob sie da nicht den berühmten Zeitgeist reitet, statt konsequent ihren wesleyanischen Wurzeln treu zu bleiben und der Gnade viel Raum zu geben vor dem Recht?

Zum Glück ist das Verfahren um Pfarrer Johnson im deutschsprachigen Raum nicht wirklich drängend. Oder?

*Pfarrer Jörg Niederer ist Vorsitzender des Ausschusses Kirche und Gesellschaft der EMK Schweiz-Frankreich.

Hinweis: Mit "Kommentar" deklarierte Texte müssen nicht mit der offiziellen Haltung der Evangelisch-methodistischen Kirche oder der Redaktion von EMKNI übereinstimmen.


Quelle: EMKNI / United Methodist News Service / Newscope

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