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EMKNI - 21.12.2005   Zurück zur Übersicht

Sri Lanka: Ein Jahr nach dem Tsunami – Methodistische Kirche hilft nach wie vor

Vor einem Jahr hätte sich der methodistische Pfarrer Anil Silva und seine Gemeinde in Matara im Süden von Sri Lanka nicht vorstellen können, welche Aufgaben auf sie zukommen würden. Beinahe ein Jahr, nachdem der Tsunami mit voller Wucht das Land traf, stehen immer noch jeden Tag Menschen in einer Schlange vor der Kirche und fragen Pfarrer Silva: „Warum tun Sie das?“ Und er antwortet konstant: „Es ist meine Pflicht als Christ.“

Die Menschen sind überrascht, dass die Kirche den Menschen ohne Ausnahme hilft und dass jene, die Hilfe erhalten, nicht darum gebeten werden, Mitglied der Kirche zu werden. Silva ist hierbei konsequent und bewahrt den Respekt gegenüber den anderen Religionen.

Kurz nach der Katastrophe durch den Tsunami haben Pfarrer Silva und die Gemeindemitglieder begonnen, den Menschen zu helfen, so gut sie konnten. Meist waren es kleine Dinge, wie Waagen für die Verkäufer auf den Märkten, Ausrüstungsgegenstände für Zimmerhandwerker oder Wasserbehälter. Bald war jedem in dieser Gemeinschaft klar, dass niemand von ihnen zuerst ganz realisiert hatte, wie riesig die Katastrophe gewesen war, oder wie lange es dauern würde, bis diese Menschen, dank Unterstützung, ihr Leben wieder aufgebaut haben würden.

Denn noch immer kommen Menschen und bitten um die Unterstützung der Kirche und immer noch tut diese kleine Gemeinde, was sie kann. Nur sind es heute wesentlich grössere Bitten als am Anfang, nun geht es um Fischerboote, Häuser oder Land. Viele Menschen haben riesige Verluste erlitten, wie zum Beispiel ein Lehrer, der kurz vor dem Tsunami sein eigenes Haus gebaut hatte. Alles, was er heute noch hat, ist eine grosse Hypothek und die Bank verlangt die monatliche Rückzahlung des Darlehens. So wandte er sich an Pfarrer Silva und bat ihm um Rat. Aber wie so oft bei solchen Katastrophen, übersteigen die Bedürfnisse der Menschen die Möglichkeiten jener, die versuchen, diese Bedürfnisse zu decken. „Ich kann sie nicht beantworten,“ erklärt Silva. „Ich gab ihm einen Schrank und einen Tisch für sein temporäres Haus. Das ist alles, was ich tun konnte.“

Silva schätzt, dass noch etwa 300 Familien in den sechs Flüchtlingslagern in Matara leben. Obwohl die Verhältnisse im Lager nicht die Besten sind, werden die Menschen von verschiedenen Komitees recht gut betreut. Der tägliche Bedarf der Menschen wird gedeckt und es sind keine Krankheiten ausgebrochen. Viele Menschen, die durch den Tsunami vertrieben wurden, haben ihre Arbeit wieder aufgenommen, aber es gibt nach wie vor solche, die arbeitslos sind. Um jenen zu helfen, sich wieder eine Existenz aufzubauen, hat die methodistische Kirche begonnen, ein kleines Beschäftigungsprogramm anzubieten. So lernen Menschen, wie sie Möbel für ihre Bleibe im Flüchtlingslager herstellen.

Aber was die Menschen wirklich brauchen, ist letztendlich ein eigenes Zuhause. Das ist der Grund, warum die Kirche Geld sammelt, um Land für 15 Familien zu kaufen. Sie möchte ein Selbsthilfeprogramm finanzieren, dass es den Menschen ermöglicht, ihre eigenen Häuser zu bauen. Land für Häuser ist aber in Matara, wie in vielen Orten in Sri Lanka nach dem Tsunami, ein Problem.

„Das Problem ist, dass vor dem Tsunami mehrere Familien in einem Haus wohnten. Der Besitzer des Hauses kann nun von der Regierung oder einer Nichtregierungsorganisation ein neues Haus erhalten, aber die anderen Familien, die vorher darin lebten, erhalten nichts,“ erklärt Pfarrer Silva. „Darum sind für die Leute Selbständigkeit und Einkommen durch Entwicklungsprojekte jetzt so wesentlich.“


Quelle: EMKNI / United Methodist News Service

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