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EMKNI - 12.01.2005   Zurück zur Übersicht

USA: Geistliche hatten kaum Einfluss bei den Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr

Im letzten Jahr fanden in den USA die Präsidentschaftswahlen statt, wobei der amtierende Präsident George W. Bush als Sieger hervorging. Haben nun Geistliche, die Direktiven von der Kanzel aus an Wahlberechtigte abgaben, das Ergebnis der Wahlen beeinflussen können?

“Eigentlich nicht”, sagte James Matthew Wilson, der Politische Wissenschaften an der Southern Methodist University in Dallas lehrt. „Ich bin der Meinung, der Einfluss der Geistlichen wird oft überschätzt,“ so Wilson. „Menschen, die kein Interesse an Glaubensfragen haben, betrachten religiöse Wähler oft als naiv. Sie sind in ihren Augen gedankenlose Automaten, die von ihren Pfarrern angewiesen werden, welchen Kandidaten sie die Stimme zu geben haben. Für die meisten Wähler aber gilt, dass sie keine bestimmten politischen Anweisungen der Geistlichen benötigen, um herauszufinden, welche Kandidaten am ehesten ihren Vorstellungen entsprechen.“

Scot Ocke, Pfarrer der First United Methodist Church in Marysville, im US-Bundesstaat Ohio, meinte spasseshalber, er wünschte, er hätte diesen Einfluss auf die Wählerinnen und Wähler. Ocke meinte, dass eine kürzlich von ihm gehaltene Predigt über Ehe und Scheidung sehr deutlich aufzeigte, dass in vielen wichtigen Fragen die Kirchenmitglieder unterschiedlicher Meinung seien. Eine Beeinflussung sei eher möglich durch das Vorbild, das man selber gibt, als durch Empfehlungen an die Gläubigen. Viele gläubige Wählerinnen und Wähler im US-Bundesstaat Ohio, - einem Staat, der entscheidenden Einfluss auf den Ausgang der Wahlen hatte -, verfochten ihre Argumente, so Ocke, in den beiden Lagern sehr leidenschaftlich. Sie seien alle überzeugt, dass ihre Wertvorstellungen richtig sind.

Steve Ross, Pfarrer der McMinnville United Methodist Church erwartet, dass einige aus seiner Gemeinde in Zukunft mehr Interesse für religiöse Fragen, infolge der medienwirksamen Gespräche über die Rolle der Christen an öffentlichen Wahlen, zeigen werden. “In meiner Gegend gehören 80% der Leute nicht zu einer Kirche,“ sagte Ross. „Sie bezeichnen sich selber als spirituell, sind interessiert, aber gleichzeitig sehr individualistisch. Sie fragen sich vielleicht sogar, was Religion bieten kann, wenn sie doch offensichtlich Leute befähigt, etwas zu erreichen.“

James Matthew Wilson ist der Meinung, dass das Beispiel von Oregon sehr gut zeigt, was aus der Wahl 2004 und aus weiteren Wahlen für Lehren gezogen werden können. Oregon – ein liberaler US-Bundesstaat - ist einer der 11 Staaten, bei denen die Abstimmung verknüpft war mit einem konstitutionellen Abänderungsantrag, der besagt, dass die Ehe eine Verbindung zwischen Mann und Frau ist. Der Änderungsantrag wurde in Oregon, und in den übrigen 10 Staaten, ratifiziert. “Ich denke, dass die letzten beiden Präsidentschaftskampagnen ein Muster aufgezeigt haben, das für die nahe Zukunft Gültigkeit haben wird,“ so Wilson. So würden die grundlegenden Debatten über Abtreibung, die Heirat von Homosexuellen und die Religion in den Schulen weiter aktuell bleiben. Die Rolle der Geistlichen, glaubt Wilson, wird sein, beizutragen, „dass moralische Werte zur Politik gehören. Aber mehr kann es nicht sein.“


Quelle: EMKNI / United Methodist News Service

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