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EMKNI - 27.01.2005   Zurück zur Übersicht

Makedonien: EMK setzt sich weiter für die Roma ein

Es ist ruhig geworden um die Gruppe der Kosovo-Roma in Makedonien, über die in der Vergangenheit immer wieder berichtet worden ist (siehe EMKNI-Meldung vom 02.08.2004), und es sind andere Schlagzeilen, welche die Menschen derzeit bewegen. Doch die Frauen, Männer, Jugendlichen und Kinder sind nach wie vor in Suto Orizari bei Skopje, und an ihren Lebensbedingungen hat sich kaum etwas verändert:

Vielen Kosovo-Roma war der Aufenthalt in der Republik Makedonien nur bis Oktober 2004 genehmigt worden. Nachdem sie sich in den vergangenen drei Monaten überwiegend mit der Regulierung ihres Aufenthaltes beschäftigt hatten, wurde ihnen nun eine um sechs Monate verlängerte Aufenthaltsgenehmigung erteilt. Dies schafft zwar wieder etwas Luft für die Betroffenen, bedeutet aber letztlich eben doch nichts anderes als ein Leben in ständiger Unsicherheit und — als Folge davon — immer wieder neu aufkeimende Ängste vor Rückschaffungsaktionen in den für Roma nach wie vor unsicheren Kosovo.

Mihail Cekov, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Makedonien, steht in regelmässigem Kontakt mit den Kosovo-Roma. Aufgrund seiner Besuche schätzt er die Problemfelder unverändert wie folgt ein:

· Ungenügende medizinische Betreuung bzw. Versorgung mit Medikamenten.
· Vernachlässigte Ausbildung der Kinder und Jugendlichen. Derzeit besucht die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen keine Schule, weil von UNHCR zugesagtes Schulmaterial fehlt, weil die Eltern neben dem täglichen Überlebenskampf und den Schwierigkeiten mit den Behörden keine Kraft mehr finden, ihre Kinder zum Schulbesuch zu motivieren, und weil Roma-Kinder aus Suto Orizari an Schulen auch wiederholt Diskriminierungen erlebt (z.B. keine Verpflegung erhalten) haben. Es ist dringend notwendig, bewusstseinsbildende Massnahmen einzuleiten, um den Eltern und Kindern die Notwendigkeit einer schulischen Ausbildung zu vermitteln, und um den Eltern zu helfen, ihre Kinder immer wieder neu zu motivieren, die Schule zu besuchen.
· Hohe Mieten verschlingen einen Grossteil des den Familien zur Verfügung stehenden Geldes, weshalb dieses für andere wichtige Aufgaben fehlt.
· Die Beziehung zum UNHCR muss mittlerweile als eingefroren bezeichnet werden. Einerseits sind dafür geographische Distanzen verantwortlich; Pfarrer Mihail Cekov denkt aber auch, dass die EMK-Hilfe als Durchkreuzen der UNHCR-Strategie erlebt wird, welche zum Ziel hat, die Roma dazu zu drängen, Makedonien zu verlassen.

Am 2. Januar 2005 wurden etwa 400 Romakinder mit Bussen nach Skopje gefahren, wo sie in der EMK «Neujahrspäckchen» mit einigen Süssigkeiten erhielten. Für die Kinder war dies ein besonderes Ausbrechen aus dem Alltag und eine ganz neue Begegnung mit der Kirche, die in den vergangenen Monaten immer wieder für sie gesorgt hat. Für die älteren Roma-Jugendlichen bot dies aber auch eine Möglichkeit, durch ihre aktive Mitarbeit an dieser Aktion selber etwas Sinnvolles für ihre Familienangehörigen, Verwandten und Bekannten zu tun. Die gelungene Aktion löste viel Freude aus. Es ist spannend zu beobachten, wie gerade die älteren Roma-Jugendlichen — nicht zuletzt jene, welche im vergangenen Sommer das Jugendcamp der EMK besuchen durften — sehr aktiv sind, bei verschiedenen Aktivitäten mithelfen, aber auch eigene Ideen entwickeln. So haben sie sich beispielsweise mit der Bitte um ein kleines Grundstück an die EMK gewandt. Dort möchten sie selber eine Baracke als Freizeitzentrum bauen. In diesem Zentrum möchten sie sich treffen und verschiedene Anlässe organisieren können; sie denken nicht zuletzt aber auch daran, dort — angesichts der schwierigen Schulsituation — Alphabetisierungskurse für Jung und Alt anzubieten. Die EMK in Makedonien unterstützt diese Idee, und Pfarrer Cekov ist mit dem Bürgermeister von Suto Orizari im Gespräch über einen geeigneten Platz. Das Zentrum böte nicht nur einen Ort zur sinnvollen Freizeitgestaltung, sondern die Tatsache, dass es von den Roma-Jugendlichen selbst gebaut würde, wäre auch ein wichtiges Signal, dass die Roma eben nicht einfach nur auf Hilfe warten, sondern durchaus auch Eigeninitiative zeigen.

Was die EMK seit Monaten für die Kosovo-Roma tut, war nie als eine als humanitäre Aktion getarnte Evangelisationskampagne geplant. Vielmehr war da der Wille, Menschen zu helfen, denen sonst niemand half. Durch die Ausdauer und Regelmässigkeit in den persönlichen Kontakten wuchs aber nicht nur Vertrauen, sondern auch eine Offenheit für den christlichen Glauben. Nicht nur bei jenen Jugendlichen, welche das Jugendcamp besuchen durften und nun — zusammen mit Freunden — immer wieder bei Aktivitäten der EMK in Skopje auftauchen. Auch bei anderen Roma. Und so werden in Suto Orizari Bibeln, Kalender mit täglichen Andachten und methodistische Zeitschriften herumgereicht und mit Interesse gelesen. Was weiter mit den Kosovo-Roma geschehen wird, kann niemand sagen, da diejenigen, welche es wissen müssten, schweigen. Die EMK in Makedonien wird sich weiterhin für eine gute Zukunft einsetzen, und sie ist dankbar für alle praktische Hilfe und Unterstützung im Gebet, welche sie von Menschen bisher erhalten hat, um diesen Weg der Liebe in Aktion bis zum heutigen Tag gehen zu können.


Quelle: Urs Schweizer

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