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EMKNI - 27.06.2005   Zurück zur Übersicht

Polen: Grosse Herausforderungen und grosse Offenheit

Vom 17. - 19. Juni 2005 fand die Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Polen in Klarisev/ Warschau statt.

Die Tagung wurde um einen Tag gekürzt. Dabei spielten technische und finanzielle Gründe eine Rolle. Positiv zu verzeichnen ist, dass nun alle Berichte mit Ausnahme des Superintendentenberichtes und des Finanzberichtes schon im voraus elektronisch versandt wurden. Die Berichte mussten nicht mehr gelesen werden, und man konnte mehr Zeit für die Diskussion einsetzen. Die Verhandlungen wurden gerade auch bei schwierigen Themen in grosser Offenheit geführt.

Methodisten in Masuren - ein Jubiläum

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Masuren in zwei Teile aufgeteilt. Der eine Teil fiel an Polen, der andere an die Sowjetunion, welche aber nach und nach die Verwaltung dieses Gebietes in polnische Hände gab. Den Evangelischen, welche in dem Gebiet zurückgeblieben waren, fehlte weitgehend die pastorale Betreuung.
Am 13. August 1945 wurde eine Versammlung einberufen, um einen Rat der Evangelischen Kirche mit Sitz in Olsztyn (Allenstein) zu begründen. Anschliessend wurde eine Konferenz anberaumt, welche die Situation der Evangelischen in Masuren erörtern sollte. Die Polnische Evangelisch-Augsburgische Kirche antwortete nicht auf die Einladung, worauf der Rat der Evangelischen Kirche die Angelegenheit allein mit der Abordnung der Methodistenkirche besprach. Man einigte sich darauf, dass die Methodistenkirche so lange Bedarf vorhanden sei, die Betreuung der evangelisch-lutherischen Bevölkerung übernehmen soll. Dabei wurden folgende Regeln festgehalten: Der Religionsunterricht soll anhand des Katechismus von Martin Luther erteilt werden. Die Liturgie soll im Einklang mit der Tradition der Evangelisch-Unierten Kirche gefeiert werden. Die Pastoren sollen den Talar der unierten Pastoren tragen. Sie unterstehen dienstlich jedoch dem Superintendenten der Methodistenkirche. Unter der seelsorgerlichen Begleitung der Methodisten sind die Leute in die Kirchen zurückgekommen. Aber durch die Ausreise zahlreicher gebürtiger Masuren wurde der Bestand drastisch reduziert. Es blieben daraufhin einige der Kirchen in den Dörfern ungenutzt und die Gebäude sind verfallen. Dennoch hat die Polnische Evangelisch-methodistische Kirche noch heute ihre grössten Gemeinden in Masuren.

Die Herausforderung der kirchlichen Finanzen

Trotz grosser Steigerung der Lebenskosten konnten im letzten Jahr die Saläre der Pastoren nicht angepasst werden. Die Beiträge der Gemeindebezirke an die Pastorengehälter sind im vergangenen Jahr um 18 Prozent zurückgefallen. Es gibt nur zwei Bezirke, welche für das Gehalt ihres Pastors aufkommen. Dazu kommt, dass das Einkommen von Seiten der Englischsprachschulen auch massiv eingebrochen ist, unter anderem wegen der „Privatisierung“ der kirchlichen Schulen durch einzelne Pastoren. Im laufenden Jahr 2005 muss nun auch noch die Unterstützung aus dem Sprengel um 20 Prozent gekürzt werden. Die Herausforderung ist also gross. Es muss die Frage, wie viele vollamtliche Pastoren sich die Kirche leisten kann, gestellt werden.

Zur Identität der Polnischen EMK

Mit der neuen von der Zentralkonferenz verabschiedeten Kirchenordnung wird sich auch die polnische Kirche auseinandersetzen. Dabei pocht sie auf das Recht zur Adaption aufgrund ihrer polnischen Identität. Der Superintendent erwähnt in seinem Bericht zur hängigen Frage, ob er in Polen den Bischofstitel verwenden kann, einen Vorschlag. Der Titel Bischofsvikar könnte als ein tragbarer Kompromiss eingeführt werden . An der Jährlichen Konferenz wurde nun eine Gruppe für die Übersetzung und Bearbeitung der Kirchenordnung eingesetzt.
Im vergangenen Jahr wurde ein Video über die Polnische EMK in Zusammenarbeit mit dem Polnischen Fernsehen produziert. Die DVD ist auch mit englischem Kommentar erhältlich.

Neuen Entwicklungen ins Auge sehen

Im personellen Bereich ist eine grosse Lücke bei der mittleren Generation der Pastoren feststellbar. Dies ist mit durch die Abgänge jener begründet, welche durch den Missbrauch ihrer kirchlichen Beauftragung sich selbst verwirklichten. Unterdessen wurde in Krakau von einem dieser Pastoren eine „Evangelikale methodistische Gemeinde“ gegründet. Die Konferenz betrachtet den Missbrauch des Namens der Evangelisch-methodistischen Kirche in Polen als einen unfreundlichen Akt und behält sich rechtliche Schritte vor.

Die Statistik zeigt, dass ein Drittel der EMK-Gemeinden in Polen wachsen. Das zeigt, dass die Kirche mit ihrer gelebten Identität neue Menschen erreicht.

Das erst kürzlich renovierte Jugendhaus in Stare Juchy wird für Kinder- und Jugendarbeit nicht mehr zugelassen, weil die Behörden für die Küche und die sanitarischen Einrichtungen ab sofort auf die Einhaltung der EU-Normen bestehen.
Der Wiederaufbau der Kirche in Kielce ist noch nicht zur Hälfte finanziert. Darlehen mit hohen Zinsen belasten den Gemeindebezirk.
Grosse Liegenschaften, wie zum Beispiel das Wohn- und Geschäftshaus in Lodz oder die Fassade des Zentrums in Warschau, müssen saniert werden. Wofür es jedoch an den nötigen Mitteln fehlt.
In Koszalin wird der Kirche in Bälde eine neue Lokalität zur Verfügung stehen.

Am Sonntag wurde im Ordinationsgottesdienst auch der neugewählte Bischof Patrick Streiff begrüsst. Bischof Heinrich Bolleter hielt eine zeugnishafte Predigt zum Thema „Furcht ist nicht in der Liebe“. Der neuordinierte Älteste wird in der grossen masurischen Gemeinde in Elk eingesetzt.


Quelle: Sekretariat von Bischof Heinrich Bolleter / EMKNI

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