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EMKNI - 29.06.2005   Zurück zur Übersicht

USA: Gefühl der Befreiung bei Methodisten wegen Verurteilung eines Mitglieds des Ku-Klux-Klan

Letzte Woche wurde der 80-jährige Amerikaner Edgar Ray Killen von einer Jury des Totschlags an drei Bürgerrechtsaktivisten schuldig gesprochen und zwar exakt 41 Jahre nach der Tat. Die Verurteilung ging weltweit durch die Presse.

Die drei Bürgerrechtsaktivisten James Chaney, Michael Schwerner und Andrew Goodman kamen im Jahr 1964 in die kleine Stadt Philadelphia im Bezirk Neshoba im Bundesstaat Mississippi, um den Afro-Amerikanern zu ihrem Wahlrecht zu verhelfen und zu untersuchen, wer die Kirche Mount Zion der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) niedergebrannt hatte (siehe auch EMKNI-Meldungen vom 02.07.2004 und 10.01.2005). Als sie die Ruinen der abgebrannten Kirche besichtigt hatten, wurden sie vom örtlichen Sheriff verhaftet und einige Stunden später durch Mitglieder des berüchtigten Ku-Klux-Klan ermordet. Der Fall wurde in den 80er Jahren weltweit durch den Film „Mississippi Burning“ bekannt. Edgar Ray Killen soll dabei an der Planung der Ermordung beteiligt gewesen sein. Schon im Jahr 1967 stand er vor Gericht, wurde aber nicht verurteilt, weil sich die Jury nicht einigen konnte. Jetzt, im Jahr 2005, wurde er drei Mal zu je 20 Jahren Gefängnis, total 60 Jahre, verurteilt.

Für die Methodisten, die von diesem Fall betroffen sind, kann nun endlich eine Zeit der Heilung beginnen. „Die Menschen im Bezirk Neshoba erhoffen sich etwas von dem, was Martin Luther King Jr. über ‚endlich befreit’ sagte,“ so Pfarrer Jerry Bean, Superintendent der EMK des Seashore Distrikts und bis vor zwei Wochen Pfarrer der First United Methodist Church in Philadelphia. „Sie sind frei von der Last, nichts getan zu haben.“ Bean gehörte der „Philadelphia Koalition“ an, einer Gruppe von Bürgern, die darauf hingearbeitet hatte, dass der Fall wieder aufgenommen wird. So hatte auch Cecil Price Sr., ehemaliger Polizeichef des Bezirks Neshoba, mitgeholfen, dass der Fall gegen Edgar Ray Killen wieder aufgenommen wurde. Price selber gehörte aber zu einer Gruppe von Männern, die 1967 verurteilt wurden, weil sie die bundesbürgerlichen Rechte von Menschen missachtet hatten. Er sass dafür eine Zeitlang im Gefängnis. Price war Mitglied der First United Methodist Church. Als er im Jahr 2001 starb, war Pfarrer Bean zuständig bei seiner Beerdigung. „Sein Sohn, seine Tochter und deren Kinder sind gute, aktive Mitglieder der First United Methodist Church,“ sagte Bean. „Ich sprach nicht über diese Dinge mit ihnen, weil es sie sehr betrübte, aber ich sage dies, um damit zu sagen, dass dies typisch war, was in Philadelphia und dem Bezirk Neshoba im Bezug auf Beziehungen mit diesen Menschen los war. Wir müssen weitergehen und sehen, was wir für diese Familien tun können. Soweit es von der Verurteilung her geht, brachte es ein Gefühl von Entlastung und Freiheit.“

Dawn Lee Chalmers, die einen Laden mit Geschenkartikeln in Philadelphia führt und Mitglied der First United Methodist Church und der “Philadelphia Koalition” ist, sagte, dass sie ¨“überwältigt von Freude sei“ über die Verurteilung. Sie war von diesem Fall persönlich betroffen, da damals ihrem Vater, der frisch von der juristischen Fakultät kam, der Fall übergeben wurde. Florence Mars, eine Verwandte von ihr, schrieb das Buch „Witness in Philadelphia“, das die Grundlage des Films „Mississippi Burning“ bildete. Sie wohnt in der Nähe von Chalmers und die beiden Frauen diskutierten oft über den Fall. Chalmers ist beeindruckt vom Mut, den Florence Mars in dieser turbulenten Zeit hatte. „Als Kind,“ sagte Chalmers, „war ich entsetzt – entsetzt, dass dies an dem Platz geschehen war, wo ich aufgewachsen war. Ich war beschämt über den Hass, der in dieser Stadt gezüchtet wurde, in der ich aufgewachsen war und die ich geliebt hatte.“ Sie erinnert sich: „Ich sah ‚Mississippi Burning’, als ich Studentin war, mit einer Gruppe von Freunden, die aus dem ganzen Bundesstaat kamen, und ich war so beschämt. Sie alle sahen mich mit einem Gesicht an, das zu fragen schien: ‚Ist das der Ort, wo Du aufgewachsen bist?’“ Chalmers erzählte, dass über diesen Fall nie gesprochen wurde, auch an der Schule wurde darüber nicht gelehrt. „Es war wie eine verborgene Sache. Die Menschen wollten es nicht wieder hervorbringen und ich denke, dass war der Grund, warum es ‚eiterte’. Menschen wollen nicht schmutzige Wäsche aufhängen.“ Als sie ihre afro-amerikanischen Freunde frage, ob darüber zu Hause gesprochen wurde, bejahte dies nur eine von zehn. So wurde Chalmers Mitglied der „Philadelphia Koalition“, um die Wahrheit aus erster Hand zu hören. „Ich wollte hören, was die anderen darüber zu sagen hatten. Es war so streng geheim gewesen. Ich wollte daran teilnehmen und ich bin stolz, ein Teil davon zu sein.“

Pfarrer Bean sagte, dass er wisse, dass die Witwe von Michael Schwerner öffentlich gesagt habe, dass die Publizität wegen des Falls im Zusammenhang mit Edgar Ray Killen ein neuer Anfang für weitere Anklagen und Verurteilungen sein werde. „Ich weiss nicht, was die Zukunft bringen wird. Ich nehmen an, dass die Menschen sich etwas zurücklehnen und eine Zeitlang freier durchatmen können, um sich neu zu orientieren und zu entscheiden, wohin sie gehen wollen.“

Chalmers stimmte zu, dass der erste Schritt eine Zeit der Heilung und Erholung ist. „Ich denke, es wird eine Heilung in den Gefühlen dieser Menschen stattfinden oder wenigstens etwas, was vorher negativ gewesen war, in etwas Positives verwandeln.“


Quelle: EMKNI / United Methodist News Service

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