Alte Version dieser Seite EMKNI en français
-
EMKNI - 03.05.2005   Zurück zur Übersicht

USA: Berufungsausschuss erklärt Elizabeth Stroud als nicht schuldig

Das Northeastern Jurisdictional Committee on Appeals, ein kirchlicher Berufungsausschuss, hat die ehemalige Pfarrerin Irene Elizabeth "Beth" Stroud von der First United Methodist Church of Germantown in Philadelphia wegen zwei Verfahrensfehler als nicht schuldig erklärt.

Elizabeth Stroud hatte in einer Predigt vor zwei Jahren erklärt, dass sie lesbisch sei und mit ihrer Partnerin seit zweieinhalb Jahren in einer festen Beziehung leben würde. Die Kirchenordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) verbietet eine „selbsterklärte, praktizierende Homosexualität“ bei ordinierten oder eingesetzten Pfarrpersonen. Nachdem keine Lösung gefunden werden konnte, fand eine kirchliche Gerichtsverhandlung statt, bei der sie im Dezember 2004 von einer kirchlichen Jury mit 7 zu 6 Stimmen schuldig gesprochen wurde. Stroud hatte danach Berufung eingelegt, weil sie der Ansicht ist, dass es einige Fragen gäbe, mit denen sich die Kirche befassen sollte.

Ein kirchlicher Berufungsausschuss hat die Berufung von Elizabeth Stroud am 28. und 29. April 2005 geprüft und mit 8 zu 1 Stimmen aufgrund von zwei Verfahrensfehlern gutgeheissen. Gemäss der Kirchenordnung hat der Berufungsausschuss nur zwei Fragen zu klären: Reichen die Beweise aus, um die Anklage aufrecht zu erhalten, und gibt es Fehler in der kirchlichen Gesetzgebung, die den Entscheid bzw. die Strafe hinfällig machen könnte? Jene Fragen werden auf Basis der Gerichtsberichte und der Argumentation der Juristen entschieden. Der Berufungsausschuss darf keine Zeugen anhören. Die komplette Textfassung des Entscheids des Berufungsausschusses kann im Internet in englischer Sprache als pdf-Dokument abgerufen werden.

"Dies ist nur ein Schritt im ganzen Prozess", sagte Elizabeth Stroud nach Bekanntgabe der Entscheidung, „aber es gibt mir Hoffnung, dass die Evangelisch-methodistische Kirche Ressourcen hat, um Gerechtigkeit auszuüben.“ Sie ist sich bewusst, dass die Kirche „getrennt bei dieser Angelegenheit ist.“ Elizabeth Stroud: „Es ist ein Prozess, mit dem die Kirche seit langer Zeit kämpft und auch in Zukunft lange damit kämpfen wird. Ich glaube, dass die heutige Entscheidung ein Zeichen der Hoffnung für die Kirche aussendet.“

Augrund des Entscheids des Berufungsausschusses könnte Stroud wieder in das Amt einer Pfarrerin eingesetzt werden. Elizabeth Stroud wiederholte aber, dass sie die Funktion des Pfarramts momentan nicht wieder ausüben werde. „Ich werde die Funktion eines ordinierten Amtes nicht ausüben, bevor nicht der ganze Prozess zu Ende ist. Die Ordination ist ein geistliches Vertrauen. Du kannst das nicht an- oder abziehen wie ein Kleidungsstück. Es so zu tun, würde es trivialisieren. Ich werde warten,“ sagte sie. Elizabeth Stroud arbeitet momentan als Laie bei der First United Methodist Church of Germantown in Philadelphia.

Die Jährliche Konferenz der EMK von Eastern Pennsylvania, zu der Elizabeth Stroud gehört, hat 30 Tage Zeit, wegen des Entscheids des Berufungsausschusses beim Rechtsrat (Judicial Council), der obersten Gerichtsbehörde der EMK, Beschwerde einzulegen. In einer Stellungnahme am 29. April 2005 sagte Bischof Marcus Matthews, der der Jährlichen Konferenz der EMK von Eastern Pennsylvania vorsteht: „Wir brauchen jetzt Zeit, um gründlich über die Entscheidung des Berufungsausschusses nachzudenken und es zu verarbeiten, die Gesetze der Kirchenordnung und der Regeln des Rechtsrats in Betracht zu ziehen, unsere Möglichkeiten zu bedenken und dann eine Entscheidung zu fällen, wie man fortfahren soll.“

In einer Stellungnahme am 1. Mai 2005 hat der weltweite Bischofsrat der EMK festgehalten, dass eine Entscheidung, eine Pfarrperson der EMK, die wegen der kirchlichen Gesetzgebung im Bezug auf die Homosexualität ihre Ordination verloren hat und nun wieder erhält, auf keine Art und Weise die Normen der Kirchenordnung aufhebt. So basiere die Entscheidung des Berufungsausschusses nicht auf Mangel an Beweisen, sondern stütze sich auf zwei Fragen des Prozessverfahrens. Die komplette Stellungnahme des Bischofsrats kann in englischer Sprache im Internet nachgelesen werden.


Quelle: EMKNI / United Methodist News Service

-----------
Veröffentlichung nur mit Quellenangabe "EMK News" gestattet!
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"emknews-redaktion at umc-europe punkt org"