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EMKNI - 25.05.2005   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Situation der Kosovo-Roma von Suto Orizari ist weiter unsicher

Zu Beginn dieses Monats wurde bekannt, dass sich Vertreter von UNMIK (United Nations Interim Administration Mission in Kosovo) und eine deutsche Delegation (Bundesinnenministerium und Ländervertreter) darauf geeinigt hätten, nach einem längeren Rückführungsstopp ab Juni 2005 wieder Angehörige von Minderheiten aus Deutschland in den Kosovo auszuschaffen. Diese Entscheidung wurde trotz einer nach wie vor sehr fragilen Lage im Kosovo getroffen. Noch im März 2005 hielt das Flüchtlingskommissariat der UNO (UNHCR) in einem Positionspapier fest, dass sich die Sicherheitslage im Kosovo zwar stabiler als auch schon, weiterhin aber als zerbrechlich und unberechenbar präsentieren würde. Angehörige von Minderheitengemeinschaften seien nach wie vor der Gefahr ethnisch motivierter Zwischenfälle ausgesetzt, bei denen Transporte mit Steinen beworfen, einzelne Personen tätlich angegriffen, belästigt oder eingeschüchtert und ihr Besitz geplündert, zerstört oder gestohlen würde.

Was heisst dies für die Kosovo-Roma in Suto Orizari (Makedonien)? Im Moment befinden sich noch rund 2‘360 Flüchtlinge aus dem Kosovo in und um Suto Orizari. Es handelt sich dabei um Roma, Ashkali, Egipet-jani (Ägypter), Serben und Albaner. Roma, Ashkali und Ägypter gibt es insgesamt 1‘150, davon sind 700 reine Roma. Der grösste Teil von ihnen kommt aus Gjilane. Dort lebten vor dem Kosovo-Krieg etwa 6‘000 Roma — heute sind es weniger als 10%. Eine Delegation der sich in Makedonien befindenden Kosovo-Roma, die nach Gjilane reiste, um nach ihren Häusern zu schauen, fand die Situation dort wie folgt vor: 120 Roma-Häuser sind vollkommen zerstört, 100 sind beschädigt. Bisher wurden aber nur fünf renoviert. Trotz der schwierigen Situation im Kosovo sprechen auch die Behörden in Makedonien und die UNHCR-Mitarbeitenden ständig von einer Rückkehr der Roma in den Kosovo. Keiner allerdings wagt, ihnen irgendwelche Sicherheiten oder eine Existenzgrundlage zu versprechen.

Mihail Cekov, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), der in ständigem Kontakt mit den Roma steht, berichtet, dass die Situation der Roma-Flüchtlinge in Suto Orizari weiterhin unsicher und deshalb mit viel Stress verbunden ist. Die Roma sind ständig mit dem Problem der hohen Mieten für ihre Zimmer konfrontiert, da die Eigentümer die Preise oft grundlos erhöhen. Dies zwingt sie, sich andauernd nach neuen Behausungen umzusehen. Auf diesem schwierigen Hintergrund ist auch der tragische Freitod eines 42-jährigen Roma-Flüchtlings zu sehen, der die Situation nicht mehr aushielt und sich am 6. Mai, dem Feiertag der Roma, das Leben nahm. Die gesundheitliche Situation ist unverändert schlecht. Es gibt Ärzte, aber keine Medikamente. Besonders schwer haben es die chronisch Kranken.
In schulischer Hinsicht gibt es dafür Erfreulicheres zu berichten. Nach einem Gespräch von Pfarrer Cekov mit dem zuständigen Schuldirektoren dürfen nun rund 150 Roma-Kinder wieder die Schule besuchen. Nachdem das UNHCR die Gehälter der entsprechenden Lehrer nicht mehr unterstützt bzw. bezahlt hatte, waren die Kinder zuvor vom Unterricht ausgeschlossen worden. Allerdings ist trotz dieser schulischen «Erfolge» eine soziale Verschlechterung zu verzeichnen. Kinder gehen zunehmend auf die Strasse um zu betteln, und bei den Jugendlichen sind Alkohol- und andere Drogenprobleme anzutreffen. Im Gespräch mit Jugendlichen ist oft eine grosse Frustration herauszuhören — nicht zuletzt aber auch wegen alteingesessener Roma in Suto Orizari, welche die Flüchtlinge ausgrenzen und jeglichen Kontakt mit ihnen vermeiden.

Bezüglich der Zukunft der Roma-Flüchtlinge unterstreicht Pfarrer Mihail Cekov folgende Punkte:

1. Die Roma wären bereit, in den Kosovo — nach Gjilane — zurückzukehren, wenn ihre Häuser wieder aufgebaut oder renoviert würden, und sie Starthilfe erhalten könnten, um wieder selber für ihren Lebensunterhalt aufkommen zu können.
2. Es ist wichtig, dass das UNHCR die ausstehenden Beträge (Lehrer-Gehaltszahlungen) an die Schule überweist, damit die Kinder dort ungestört den Unterricht besuchen können.
3. Die Medikamentenversorgung chronisch Kranker muss gewährleistet werden.
4. Die Bereitstellung/der Kauf eines Bauplatzes, auf dem die Jugendlichen eine Baracke für Begegnungen bauen können, sollte so bald als möglich realisiert werden.

Wird die dringend notwendige Lösung für diese Menschen bald gefunden werden?


Quelle: Urs Schweizer

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