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EMKNI - 03.10.2005   Zurück zur Übersicht

Georgien: Europäischer Verband Freikirchlicher Diakoniewerke tagte in Tbilisi

Vom 15. bis zum 20. September 2005 traf sich der Europäische Verband Freikirchlicher Diakoniewerke zu seiner zweijährlich stattfindenden Tagung, diesmal in Tbilisi/Georgien. Es nahmen 65 Vertreter von 24 Diakoniewerken aus fünf Ländern teil. Insgesamt hat der Verband jetzt 28 Mitgliedswerke in 8 verschiedenen Ländern. Neu aufgenommen wurde das baptistische Hilfswerk Hungarian Baptist Aid mit Sitz in Budapest. Die baptistische Diakonie Österreichs hat ihren Aufnahmeantrag angekündigt.

Die Tagung stand unter dem Thema „Diakonie im Spannungsfeld zwischen Spiritualität und sozial politischem Engagement“. Als Referenten berichteten Bischof Malkhaz Songoulashvili und Bischof i. R. Rüdiger Minor von den Bedingungen und Schwierigkeiten, unter denen diakonische Arbeit in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion stattfindet. Zugleich wurde deutlich, mit welcher Liebe und aufopfernden Hingabe die Christen in diesen Ländern gemäss dem Evangelium von Jesus Christus Diakonie verstehen und betreiben, obwohl sie von ihren Regierungen meist keine Unterstützung erhalten.

Der Europäische Verband Freikirchlicher Diakoniewerke hat in den letzten Jahren sein besonderes Augenmerk auf die Arbeit und Entwicklung der meist neu gegründeten diakonischen Werke und Einrichtungen in Osten und Südosten Europas gelenkt. Er hat dabei viel für die Gestaltung der Diakonie in seinen Mitgliedswerken gelernt. Seine Mitglieder haben bei Neugründungen und dem Aufbau mancher junger Diakoniewerke geholfen. Der Verband versteht sich als ein Netzwerk mit dem Ziel gegenseitiger Ermutigung zu einer im Glauben an Jesus Christus gegründeten Arbeit zugunsten der Menschen, die Hilfe, Trost und Begleitung brauchen. Durch die gemeinsamen Tagung, das gegenseitige Kennenlernen, das Lernen voneinander und viel gegenseitige Unterstützung beim Aufbau und bei der Bewältigung von Krisensituationen hat sich die Zusammenarbeit im Jahr 98 des Bestehens dieses Verbandes bewährt.

Bei den satzungsgemäss erforderlichen Neuwahlen wurde ein neuer Vorstand berufen. Neuer Präsident ist Fredy Jorns, Direktor des Diakoniewerks Bethanien in Zürich. Der bisherige Präsident, Pastor Harold Eisenblätter, und weitere Vorstandsmitglieder, die ebenfalls aus Altersgründen nicht mehr kandidierten, wurden mit Dank für ihre langjährige Mitarbeit verabschiedet.

Nach den Referaten und Diskussionen zum Thema „Diakonie im Spannungsfeld zwischen Spiritualität und sozial politischem Engagement“ macht sich der Verband folgende, von Rüdiger Minor zusammengestellte Thesen zu Eigen:

1. Diakonische Arbeit evangelischer Freikirchen in Osteuropa muss offen sein für die Zusammenarbeit mit anderen religiösen und gesellschaftlichen Organisationen einschliesslich der Mehrheitskonfession.
2. Im Konfliktfall gilt: Statt die Konkurrenzideologie der (orthodoxen oder katholischen) Mehrheitskonfession zu übernehmen, soll eigenständige Arbeit geleistet werden, die durch Qualität überzeugt.
3. Diakonische Arbeit in Osteuropa steht an einem Scheideweg im Verständnis sozialer Diakonie: Entweder möglichst breite Abdeckung aller Felder sozialen Wirkens oder spezielle Dienste gemäss der Not und den vorhandenen Gaben. Zukunftsweisend erscheint die zweite Lösung; jedoch muss vor einer gesellschaftlichen Nischenexistenz gewarnt werden.
4. Diakonische Arbeit muss in enger Bindung an konkrete Ortsgemeinden geschehen, auch wenn aus rechtlichen Gründen die Form freier Vereinigungen gewählt wird. Ortsübergreifende fachliche Zusammenarbeit sollte mit Hilfe der Kirchen / Vereinigungen / Bünde organisiert werden.
5. Die beginnenden Kontakte und die Zusammenarbeit der Protestanten in zwischenkirchlichen Organisationen (z. B. Evangelische Allianz) sollten eine Ergänzung im diakonischen Bereich finden.
6. Diakonische Zusammenarbeit zwischen West- und Osteuropa muss bedarfsorientiert (d.h. „notorientiert“) sein.
7. Bisherige diakonische Zusammenarbeit ist gekennzeichnet durch eine meist hohe Anschubfinanzierung und Transfer von Know-how bei kontinuierlich weitergehender (finanzieller) Unterstützung durch die westlichen Partner. Es gilt neue Modelle zu entwickeln, die stärker die eigenen Ressourcen der östlichen Partner würdigen, ihre Fähigkeiten, Erfahrungen und eigene Finanzierung. Nur so kann die Spirale der wachsenden Abhängigkeit überwunden werden.
8. Diakonische Zusammenarbeit muss nach Wegen suchen, auf denen die östlichen Partner ihre Gaben und Erfahrungen auch im Bereich der westlichen Partner einbringen können.


Quelle: Presseinformation / EMKNI

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