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EMKNI - 16.09.2005   Zurück zur Übersicht

USA: "Mir sind solch netten Leute nie zuvor begegnet“

"Ich bin nur müde ... müde und frustriert mit unserer Stadt," sagte Adlay Callahan letzte Woche. Sie ist eine von Tausenden evakuierter Menschen aus den vom Hurrikan „Katrina“ betroffenen Gebieten, die in den US-Bundesstaat Arkansas und in andere benachbarte Staaten geflüchtet sind. Sie kamen mit einem Koffer, ein paar Dollars und einer Menge Ängste, Tränen und Frustrationen an.

Adlay Callahan und 16 andere Familienmitglieder hatten am 28. August 2005 ihre Häuser in New Orleans verlassen, am Tag bevor Hurrikan „Katrina“ das Land erreichte und die Dammbreschen verursachte, die die Stadt zerstörten. In einer Karawane von Autos fuhren sie stundenlang auf Autobahnen und kleineren Strassen in den Norden und hielten um 2 Uhr morgens auf dem Parkplatz eines „Wal-Mart“-Supermarktes in Dumas an, etwa 350 Meilen (560 km) weg von der Verzweiflung und dem Chaos in New Orleans. Callahans Ehemann blieb zurück in der Annahme, er könne den Sturm "abwettern". Sie hat kein Wort von ihm gehört, seitdem sie weg ist.

Die müden Reisenden fanden den Weg zur Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Dumas, wo sie, laut einem Beobachter, in die Obhut "einer Engelschar" hineinstolperten. Die Kirche war vorbereitet, organisiert und bereit. Feldbetten, Laken und Handtücher warteten, Lebensmittel waren vorrätig, Kinderspielzeug stand zur Verfügung und Fernseher waren aufgestellt. Innert kurzer Zeit wurde die Kirche mit mehr als 70 Evakuierten gefüllt. Bei der Verteilung von Mahlzeiten steigerte sich diese Zahl auf ca. 150, weil andere heimatlosen Familien, die in Motels in der Gegend unterbracht waren, dazu kamen.

„Dieser Ort ist solch ein Segen," sagte Shawanda Robertson, als sie zusah, wie ihre Tochter Satoria mit anderen Kindern auf dem Spielplatz spielte. "Mir sind solch netten Leute nie zuvor begegnet." Robertson flüchteten aus New Orleans mit ihren zwei Kindern und ihrem Vater. Ihre Mutter lag im Krankenhaus und sollte evakuiert werden. In dem Durcheinander konnte sie nicht herausfinden, ob dies wirklich geschehen ist.

Viele der Evakuierten kamen in der Kirche völlig geschockt an, aber nach ein paar Tagen fingen sie an, sich mit der Grösse und Realität des Desasters abzufinden.

"Du weisst nicht, ob dein Haus noch steht oder nicht,“ sagte Kimberley Boudreaux, als sie auf dem Bett neben ihrem Ehemann, Frederick, und ihrer 12-jährigen Tochter, Farrah, sass. "Wir wissen auch nicht, wo sich manche unserer Verwandten befinden."

Weil die Fernseher in der Kirche rund um die Uhr den Fernsehkanal CNN ausstrahlten, sah die Familie Boudreaux ihre alte, im Rollstuhl gefesselte, Tante, wie sie auf Hilfe im Convention Center in New Orleans wartete. Sie blieben verzweifelt und wussten nicht, ob sie an einen sicheren Ort gebracht worden war oder nicht. Als Don Weeks, Koordinator der freiwilligen Missionsarbeit der EMK der Jährlichen Konferenz von Arkansas, die Kirche in Dumas besuchte, beteten er und die Familie Boudreaux für die Sicherheit und Zukunft der Familie. Bevor Weeks wegfuhr, lief Frederick Boudreaux in die Kirche und teilte mit, dass er gerade einen Anruf erhalten habe, dass ein Cousin, der Polizist ist, die alte Tante gefunden hatte und dabei war, zu helfen, sie in Sicherheit zu bringen.


Quelle: EMKNI / United Methodist News Service

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