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EMKNI - 30.09.2005   Zurück zur Übersicht

USA: Nach dem Hurrikan „Katrina“ - Zerstörung und ein Wunder

Als der methodistische Pfarrer Darryl Tate die Kirche und sein Zuhause in New Orleans am 27. August 2005 verliess, um vor dem Hurrikan „Katrina“ zu flüchten, nahm er genug Kleidung für eine dreitägige Reise mit. Am letzten Dienstag kam er, 30 Tage später, wieder zurück, um zu sehen, was von der Kirche und dem Pfarrhaus übrig geblieben war. „Es sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen,“ so Pfarrer Tate.

Pfarrer Tate stapfte durch dicken schwarzen Schlamm und versuchte, die Tür des Pfarrhauses zu öffnen, das jetzt eine Ruine war. „Es war ein hübsches kleines Haus,“ sagte er zu seinem Freund, Pfarrer Chris Blanchard, der ihn begleitete und pastoral unterstützt. Sie öffneten die Tür und Blanchard riet seinem Freund, draussen zu bleiben. Er ging in die Küche und holte einige Gegenstände, u.a. einen Topf, den Tates Frau möchte, heraus. Viel war nicht mehr zu gebrauchen. Tate lebte, wie viele andere Menschen in New Orleans, in einem Stadtteil, von dem angenommen wurde, dass dieser nicht überflutet würde. So hat er auch keine Versicherung betreffend einem Wasserschaden. Die Versicherung des Vermieters deckt nur die persönliche Habe ab.

Als er in seine Strasse kam, waren zwei Häuser mit roter Farbe besprayt, dem Code, dass in diesen Häusern Tote gefunden wurden. Das Militär hatte bis jetzt noch keine Zeit, diese Toten zu bergen.

Um zu seiner Kirche, der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Luke’s, zu gelangen, musste Pfarrer Tate einen Kontrollposten der Polizei passieren. Er erklärte, dass er nach seiner Kirche sehen möchte und ein freundlicher Polizist riet ihm, langsam zu fahren und wenn er in Schwierigkeiten geraten würde, die Polizei zu rufen. Als er die Kirche erreichte, war braun die einzige Farbe, die er sah. Alles war tot. Braunes Gras, braune Pflanzen und braune Bäume auf dem ganzen Kirchengelände. Als sich die Tür der Kirche öffnen liess, drang von drinnen ein starker Geruch nach draussen, der einem fast umhaute. Purpurrote Kirchenbankkissen blockierten den vorderen Eingang; das Klavier und die Orgel lagen auf dem Kopf. Sonnenlicht drang durch die Glasfenster und rote und blaue Lichter strahlten in die zerstörte Kirche. Das Erdgeschoss war voller Moder und zerstört; nichts konnte mehr gerettet werden. Auch der Gemeinschaftsraum war voller Moder. Im ersten Stock sah es etwas besser aus. In seinem Büro fand Tate seine Bibel, seine Talare, einige Fotos und seine pastoralen Dokumente.

„Ich habe nicht gedacht, dass ich etwas mitnehmen müsste,“ so Tate, der einer von 90 vertriebenen Pfarrpersonen aus dem Kreis von New Orleans ist. Eigentlich wollte er nicht vor dem Sturm flüchten. „Ich war zur Entscheidung gekommen, nicht zu gehen,“ erzählte er. „Ich sagte meiner Frau, dass ich dachte, wir könnten während des Sturms in unserem Heim bleiben.“ Bei einem Gebetsgottesdienst am 27. August befragte er seine Gemeindeglieder. Fast alle hatten schon gepackt und waren bereit, loszufahren. Nur Evelyn Brandon, eine Witwe, wollte nicht gehen. Als die Nachrichten aber immer dramatischer wurden, änderte Pfarrer Tate seine Meinung und reiste mit seiner Frau nach Houston.

Als er die Kirche und das Pfarrhaus nach dem Hurrikan nun wieder besichtigte, traf er Evelyn Brandon wieder. Sie hatte den Hurrikan in Sicherheit überstanden. Die beiden umarmten sich. „Ich dachte, ich würde Sie nie wiedersehen,“ sagte sie und die beiden diskutierten über den Plan, am 9. Oktober einen Gottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche Haven abzuhalten. „Die Menschen müssen in die Kirche zurückkommen können,“ sagte sie. „Es wird ein Gottesdienst für die Menschen von St. Luke’s geben,“ versicherte er ihr. „Ich muss wieder predigen.“

Eine gute Nachricht erfuhr Pfarrer Tate. Zwei Tage, nachdem der Hurrikan „Katrina“ gewütet hatte, hätte er eine medizinische Behandlung beginnen müssen, um einen bösartigen Tumor zu entfernen. Als er einige Zeit später wieder die Ärzte aufsuchte, erfuhr er, dass der Tumor verschwunden war.

„Wir Methodisten sind betende Menschen,“ sagte er. „Das ist die Kraft des Gebets.“


Quelle: EMKNI / United Methodist News Service

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