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EMKNI - 28.04.2006   Zurück zur Übersicht

Prekäre Situation für die Betroffenen wegen den Überschwemmungen in Südosteuropa

Auch wenn die Überschwemmungen in Südosteuropa ein wenig aus den Schlagzeilen der Nachrichten verschwunden sind — die Situation für die Betroffenen ist nach wie vor prekär. So wurden in der Region von Szolnok (Ungarn) gemäss Aussage des methodistischen Pfarrers Robert Hecker bisher 4'500 Personen evakuiert. Jede Person durfte ein maximal 20 kg schweres Handgepäck mitnehmen — alles Übrige musste zurück gelassen werden. An mehreren Orten (Csépa, Tiszasas) kamen die völlig durchweichten Dämme ins Rutschen. Die Abwehrarbeit bzw. der Transport der nötigen Baumaterialien konnte deshalb nur noch vom Wasser aus mit Spezialbooten bzw. aus der Luft mit dem Hubschrauber geleistet werden. 600 Soldaten und 3'500 zivile Helfer standen zeitweise in pausenlosem Einsatz — in der ganzen Theiss-Region Ungarns (also von Szolnok bis Szeged) belief sich diese Helferzahl auf 25'000 Personen. Wie Istvan Csernak, Superintendent der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), berichtete, waren unter den Freiwilligen, die an der Verstärkung des Deiches in Szeged (Ungarn) arbeiteten, auch Menschen aus der dortigen methodistischen Gemeinde.

In Zusammenarbeit mit methodistischen Freunden und Gemeinden in der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz der EMK hat die EMK-Gemeinde in Szolnok einen Hilfstransport organisiert. Voraussichtlich am 8. Mai 2006 werden rund 40 Tonnen Kleider, Schuhe, Matratzen, Bettwäsche, Haushaltsgeräte, Geschirr, Spielzeug usw. aus Deutschland in die Region Szolnok transportiert und unter Zuhilfenahme der Infrastruktur der regionalen Katastrophenhilfe an die Bedürftigen verteilt.

Für den Wiederaufbau der beschädigten und zerstörten Häuser sammelt die EMK-Gemeinde in Szolnok Geld. Auch hier wird die Umsetzung der Hilfe in enger Zusammenarbeit mit der regionalen Katastrophenhilfe geschehen, da die Bedürftigen in der überwiegenden Zahl nicht zur EMK-Gemeinde gehören und deshalb auch nicht über deren Strukturen erreicht werden können.

Anders — aber nicht weniger schlimm — präsentierte sich die Situation für die Menschen in Jabuka und Kisac (Serbien-Montenegro). Dort wurde hart dagegen gekämpft, dass die Donau oder die Theiss über die Ufer treten — und dieser Kampf wurde zumindest an diesen Orten auch gewonnen. Allerdings kam es gemäss Marija Virag, der in Novi Sad arbeitenden Sekretärin der EMK in Serbien-Montenegro, wegen des gestiegenen Grundwasserspiegels trotzdem zu schweren Überschwemmungen. Dabei wurde neben Kellern vor allem viel Ackerland unter Wasser gesetzt, was für die vielen armen Menschen in Serbien-Montenegro, die von der Landwirtschaft leben oder zur Sicherstellung des Überlebens auf landwirtschaftliche Selbstversorgung angewiesen sind, katastrophal ist. Dementsprechend sind die Betroffenen deprimiert, und die allgemeine Stimmung ist von Zukunftsangst geprägt, wie auch die methodistische Pastorin Lila Balovski aus Jabuka bestätigte.

In Kisac entstand im Garten des EMK-Zentrums ein grosser Teich, und jeden Abend ist im Dorf ein grosses Froschkonzert zu hören. Viele Gräben sind mit Wasser gefüllt, und die Kinder verbringen ihre freie Zeit damit, an diesen ungewohnten Orten Fische zu fangen. Doch dieses fast schon idyllische Bild kann nicht darüber hinweg täuschen, dass in den kommenden Wochen und Monaten Lehmmauern und –häuser einstürzen werden, weil sie die Nässe nicht ausgehalten haben, und dass vieles, was in den vergangenen Jahren jeweils in den Gärten und auf den Feldern selber produziert werden konnte, nur noch verspätet, in wesentlich kleinerem Ausmass oder gar nicht mehr angebaut werden kann. Und wenn auch keine EMK-Gemeinde in Serbien-Montenegro direkte Schäden an den Gebäuden zu verzeichnen hatte — an der Situation bezüglich der überschwemmten Felder und Gärten werden auch Männer und Frauen aus der EMK schwer zu tragen haben.

In Bulgarien hielten sich gemäss Superintendent Bedros Altunian die negativen Auswirkungen des Hochwassers zumindest in den Wirkungsgebieten der in der Nähe der Donau gelegenen EMK-Gemeinden im Rahmen.

Von den methodistischen Geschwistern in Rumänien war bisher keine Stellungnahme zu erhalten.

Einmal mehr stehen Menschen, die ohnehin schon nicht viel zum Leben haben, einer schwierigen Situation gegenüber. Über die Weltmission der EMK in Deutschland und Connexio, dem Netzwerk für Mission und Diakonie der EMK in der Schweiz und Frankreich, wird primär in Ungarn und in Serbien-Montenegro gezielt Hilfe geleistet werden. Danke, wenn Sie uns dies auch mit Ihre Spende ermöglichen.


Quelle: Urs Schweizer, Assistent des Bischofs Heinrich Bolleter

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